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In solche Holzhäuser ziehen die Asylbewerber in Oberschleißheim.

70 bis 80 „Fehlbeleger“ in Oberschleißheim

Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge fehlt

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Die gute Nachricht: 100 Asylbewerber können die Container verlassen und hin Holzhäuser ziehen. Die schlechte: Für einen Großteil ist das nur eine Notlösung.

Oberschleißheim – Rund 100 Geflohene leben derzeit in Oberschleißheim. Untergebracht sind sie seit bald vier Jahren in einer Container-Anlage am Heuweg. Voraussichtlich diesen Monat werden sie umziehen in die Feel-Home-Häuser an der Bahnhofstraße. Was zunächst aussieht wie eine echte Verbesserung der Lebenssituation, macht dem Helferkreis Asyl Sorgen. 

Stefan Bottler. 

Stefan Bottler fürchtet, dass gerade für anerkannte Flüchtlinge der Zugang zum freien Wohnungsmarkt auf längere Sicht verwehrt bleiben könnte.

Wie viele Menschen, die in den Containern leben, sind mittlerweile anerkannt in ihrem Status?

Stefan Bottler: Das sind etwa 70 bis 80 Prozent. Diese Menschen sollten eigentlich Wohnraum auf dem freien Markt finden. Denn sie dürfen nur mit einer Sondergenehmigung des Landratsamts bis auf weiteres in der Gemeinschaftsunterkunft bleiben, gelten als Fehlbeleger. In Oberschleißheim sind davon unter anderem vier Familien mit insgesamt zehn Kindern betroffen. Die meisten Buben und Mädchen besuchen Kinderkrippen, Kindergärten und Grundschulen und haben sich längst mit einheimischen Kindern angefreundet, manche wohnen seit ihrer Geburt in der Container-Siedlung. Sie sprechen gut Deutsch und haben gute Noten. Sie sind recht gut integriert.

Die Unterbringung in den Feel-Home-Häusern ist sicherlich eine Verbesserung.

Bottler: Auf jeden Fall, das ist gar kein Thema. Auch wenn man sagen muss: In den Containern sind die Menschen in Zwei-Bett-Zimmern untergebracht. In den Häusern an der Bahnhofstraße werden sie in Vier-Bett-Zimmern leben. Aber immerhin, es sind eigene Wohneinheiten, es gibt Küchen und Bäder. Aber ein erfolgreicher Abschluss der Integration gelingt besser mit dem Wechsel in privaten Wohnraum.

Der Helferkreis hat Sorge, dass die Menschen den Sprung aus der Siedlung auf längere Sicht nicht schaffen können.

Bottler: Die Situation auf dem Wohnungsmarkt im Landkreis ist angespannt, das weiß jeder. Und für die Geflohenen, die in erster Linie aus Syrien und Afghanistan kommen, ist das eine völlig neue Situation – zumal sie in ihren Ländern meist keine Mieter waren, sondern Eigentümer. Sie haben keine Ahnung vom deutschen Mietrecht und Dingen wie Kaltmiete und Nebenkosten. Wir versuchen, sie zu schulen. Zeigen ihnen, mit welchen Argumenten sie Vermieter von sich überzeugen können, wie sie mit Absagen umgehen sollten und erklären ihnen, warum es Hausordnungen gibt.

Wie sieht es auf Vermieter-Seite aus? Werden wirklich Wohnungen an Geflohene vermietet?

Bottler: Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt Vermieter, die vermieten grundsätzlich nicht an Menschen, die Sozialhilfe beziehen. Anderen ist das gerade recht, weil sie sich auf die Zahlungen verlassen können. In einem Fall ist es uns gelungen: Eine große Familie lebt jetzt zur Miete in einem Einfamilienhaus in Oberschleißheim.

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