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Die Wirtefamilie Able: Josef mit Frau Claudia und ihren Söhnen Sebastian (l.) und Daniel. Die beiden führen die Alm samt Biergarten. 

Am Schloss Schleißheim

Ärger mit Nachbarn: Alm-Biergarten geschlossen

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Es kehrt keine Ruhe ein am Schloss Schleißheim: Erst gab‘s eine Gnadenfrist für Alm samt Biergarten, nun Ärger mit Nachbarn. Der Biergarten ist schon zu.

Oberschleißheim – Das Wetter passt, im Biergarten lässt es sich gut aushalten. Doch der Außenbereich der Alm am Alten Schloss Schleißheim ist seit wenigen Tagen geschlossen. Dort gibt es in diesem Jahr nur noch drinnen Speisen und Getränke.

Anwohner hatten sich über Lärm beschwert, für den Aggregate eines Kühlcontainers verantwortlich sind. Wirt Sebastian Able (29) bestätigt, dass Messungen des Landratsamts geringe Grenzwertüberschreitungen für die Zeit nach 22 Uhr ergeben hätten. Able widerspricht aber Behauptungen bei Facebook, wonach diese Kühlcontainer auf Nachbargrundstücken standen. Laut Landratsamt wurde der Grenzwert im zweistelligen Bereich überschritten. 

Wirt drohte Klage

Der Wirt erhielt ein Schreiben vom Eigentümer der Mietwohnungen rund um die Schlosswirtschaft im Maximilianshof. Mit Verweis auf anhaltende Ruhestörung hatten Mieter offenbar mit Mietminderung gedroht. Daraufhin setzte er Eigentümer, die Stadibau Bayern, eine GmbH, die Staatsbediensteten Wohnraum vermietet, Able eine Frist. „Der Eigentümer wollte klagen und entgangene Mieteinnahmen auf uns übertragen, wenn wir den Biergarten nicht bis zum 5. September geschlossen hätten“, erläutert Able. Er ist frustriert: „Seit dem ersten Jahr hatten wir Schwierigkeiten.“

Zünftige Hüttenatmosphäre verströmt die Alm am Alten Schloss Schleißheim. Bis 2020 darf sie noch  betrieben werden .

ImNovember 2014 übernahmen die Ables, eine Münchner Wirtefamilie, die Alm samt Biergarten. Die Söhne Sebastian und Daniel (27) wurden Wirte.

Mehrere Beschwerden 

Anwohner hätten sich zunächst über Live-Musik beschwert, dann über Angestellte bei der Brotzeit und die Eisstockbahn im Winter. „Wir waren stets um Ausgleich bemüht“, betont Sebastian Able. Das Eisstockschießen und die Live-Musik hätten sie beendet. Ruhe sei jedoch nicht eingekehrt im Verhältnis zu den Nachbarn. „Sogar zu Hochzeiten haben sie uns die Polizei geschickt.“

Ein Anwohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, versichert, keine Probleme mit feiernden Gäste oder dem Spiel der Schleißheimer Blaskapelle zu haben. „Wir sind doch selbst gern rübergegangen.“ Die Eisstockbahn sei eine ganz andere Geschichte. „Das knallt wie ein Gewehrschuss“, sagt er. „Das ist so laut, da hebt es uns vom Sofa hoch.“

„Um den Schlaf gebracht“

Die Kühlcontainer hätten die komplette Nachbarschaft aufgebracht. Die übergroßen Kühlschränke hätten direkt unter dem Fenster eines Nachbarn gestanden. „Als hätte ein Laster den Motor die ganze Nacht laufen lassen. Das hat uns alle um den Schlaf gebracht.“ Nachbarn hätten sich an die Stadibau gewandt. „Mit dem Wirt konnte man ja kaum reden.“

Sebastian Able wiederum beklagt, dass keiner der Anwohner „ernsthaft das Gespräch mit mir gesucht hat“. Die Kühlcontainer habe er umgehend mit Dämmmaterial verschalt. „Lautlos kriegst du die aber nicht; zur Kühlung brauchen die Geräte Luft.“ Der Wirt betont, keinen anderen Platz für die Kühlcontainer gehabt zu haben. „Und dass wir ein paar hundert Meter für ein paar Würste laufen müssen, das funktioniert nicht.“

Bis zum Saisonbeginn im nächsten Frühjahr hofft Able, sich mit allen Beteiligten – Anwohnern, Gemeinde und Landratsamt – verständigen zu können. Der Gemeinderat hatte Alm und Biergarten im Mai dieses Jahres eineallerletzte Gnadenfrist bis zum 31. Dezember 2020 erteilt

Sorgenkind Schlosswirtschaft

Eröffnet worden war beides im Herbst 2014 als Ersatz für die Schlosswirtschaft, die für 5,8 Millionen Euro (Stand 2016) aufwendig saniert und modernisiert werden muss. Doch seitdem geht nichts voran – sehr zum Ärger der Gemeinde und Kommunalpolitiker. Als Grund gibt die zuständige Schlösserverwaltung erhebliche Auflagen für den Denkmalschutz an.

Ob die Schlosswirtschaft bis 2020 saniert und wieder eröffnet werden kann, ist nicht absehbar. Mit der Frist für die Alm bis 2020 will die Gemeinde den Druck auf die Schlösserverwaltung erhöhen, um die Sanierung voranzutreiben.

Sterne-Anwärter-Koch zieht

Das Konzept der Auslagerung funktioniere, Alm und „Biergarten sind gut besucht“, betont Able. Die Aktionstage würde von den Gästen gut angenommen, auch zahlreiche Feiern finden in der Alm statt. Und der neue Koch – der angehende Sterne-Koch Bruno Haselgruber, der seine Künste bei Sternekoch Ulrich Heimann in Berchtesgaden verfeinerte – habe voll eingeschlagen. Im Übrigen sei ihm kein zweiter Biergarten bekannt, in dem die Preise seit der Eröffnung vor vier Jahren nicht erhöht worden wären, betont der Wirt. „Es wäre doch schade, wenn wir für immer schließen müssten.“ Aber „ohne Kühlung kein Biergarten.“

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