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Vor dem Haus von Dijamants Familie in Oberschleißheim haben Menschen Kerzen und Blumen abgelegt. Die Anteilnahme im Ort ist groß.

Trauer nach Amoklauf

Oberschleißheimer (20) unter den Amok-Opfern: Dijamant, Du fehlst

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Oberschleißheim - Ein junger Mann aus Oberschleißheim ist unter den Todesopfern des Amoklaufs von München. Auf Facebook gibt es eine öffentliche Trauerseite.

Oberschleißheim trauert um Dijamant, der in dieser Woche 21 Jahre alt geworden wäre. Gestern haben Oberschleißheims Bürgermeister Christian Kuchlbauer, Deniz Dadli vom Jugendzentrum Planet O und die Geistlichen der beiden Kirchengemeinden, Martina Buck und Ulrich Kampe, Blumen am OEZ niedergelegt, in Gedenken an Dijamant Z.

Der 20-Jährige machte eine Ausbildung am Flughafen. Sein Vater zeigte am Samstag vor dem Olympia-Einkaufszentrum Fotografen und Journalisten das Bild des toten Dijamant. „Das war mein Sohn“, so Naim Z. „Sein Freund ist weggelaufen, meinen Sohn hat er getötet.“ Ein 18-jähriger Deutsch-Iraner aus München hatte bei einem Amoklauf am Freitagabend am Olympia Einkaufszentrum neun Menschen und anschließend sich selbst getötet. Unter den Opfern sind nach Angaben der Polizei hauptsächlich Jugendliche, wie der 14-jährige Can L., der in Unterhaching auf die Mittelschule ging.

Viele Menschen kennen Dijamants Familie in Oberschleißheim. Sie lebt in Lustheim, einem Ortsteil von Oberschleißheim mit nur etwa 500 Einwohnern. Der 20-Jährige war in der Jugendfreizeitstätte Planet O’ regelmäßiger Besucher und sehr aktiv. „Wir alle trauern um Dijamant, einen lebenslustigen Jungen, der viel zu früh aus dem Leben gerissen wurde. Wir wünschen seinen Angehörigen und Freunden viel Kraft für diese schwere Zeit. Lieber Dijamant, du wirst uns sehr fehlen“, schreibt das Planet-O-Team auf Facebook.

Bürgermeister Christian Kuchlbauer hat einen Spendenaufruf veröffentlicht

Bürgermeister Kuchlbauer hat Dijamants Familie am Samstag besucht. Um den Eltern und den beiden Schwestern beizustehen, sind viele Verwandte der Kosovo-Albaner aus ganz Deutschland zusammengekommen. Schon am heutigen Montag soll der Verstorbene zur Bestattung in den Kosovo überführt und nach islamischen Ritus beerdigt werden. Weil diese Überführung mehrere Tausend Euro kostet hat Bürgermeister Kuchlbauer auf der Homepage der Gemeinde und über Facebook einen Spendenaufruf veröffentlicht.

Viele Menschen würden der Familie bei der Überführung ihres Sohnes in die Heimat behilflich sein wollen. Unterstützer können auf das Konto des Vereins „Familien in Not, Oberschleißheim hilft Oberschleißheimern“ einzahlen. Diesen Verein hat die Gemeinde schon vor Jahren gemeinsam mit den Kirchen, dem Planet O und dem örtlichen Skiclub gegründet, um unbürokratisch und schnell helfen zu können. „Wir werden im Rahmen dieses Projektes die Familie unterstützen.“ Und schon jetzt ist Kuchlbauer überrascht, wie groß die Spendenbereitschaft ist. In zwei Facebookgruppen haben viele junge Menschen und auch ältere Bürger aus Oberschleißheim und Unterschleißheim ihr Anteilnahme gezeigt. Auch in Oberschleißheim soll demnächst eine Andacht stattfinden, berichtet Kuchlbauer: „Wir stehen hinter der Familie und lassen sie nicht alleine.“

Ein enger Freund berichtet

Viele Menschen haben Blumen und Kerzen zum Haus von Dijamants Familie in Lustheim gebracht. Ein enger Freund von Dijamant hat eine Trauerseite auf Facebook zum Gedenken an den 21-Jährigen eingerichtet. Über gemeinsame Freunde haben sich die Beiden vor sechs Jahren kennengelernt, gingen auch gemeinsam zur Schule. Er beschreibt Dijamant als einen „sehr lebensfrohen Menschen, er hatte immer lustige Geschichten auf Lager“. Freunde und Familie seien ihm das Wichtigste gewesen. „Er war auch sehr offen, man konnte stundenlang mit ihm reden“, sagt sein Freund. Traurig habe er Dijamant nie erlebt. Als er über Dijamants Vater vom Tod des Freundes erfahren hat, habe er Gänsehaut am ganzen Körper bekommen. Der Schock sitzt immer noch tief. Über den Täter sagt er: „Er hat meine Heimat mein Land und meine Freunde und Mitbürger auf dem Gewissen.“ Bei der Beerdigung von Dijamant kann der Freund nicht dabei sein. Er wolle aber so bald wie möglich in den Kosovo reisen, um am Grab des Freundes Abschied nehmen zu können.

Spendenkonto:

Familien in Not, Dijamant IBAN: DE 20 70250150 0290681626 bei der KSK München Starnberg Ebersberg, sowie IBAN DE 08 70169493 0000 040185 bei der Münchner Bank.

Lesen Sie hier, wie sich Freunde und Bekannte von Dijamant Z. verabschieden.

Lesen Sie hier Reaktionen aus dem Landkreis zum Amoklauf in München.

rat/pk/icb

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