News-Ticker: 13 Deutsche teils lebensgefährlich verletzt - Tote möglich

News-Ticker: 13 Deutsche teils lebensgefährlich verletzt - Tote möglich
+
Informieren über Altersarmut im reichen Landkreis München: (v.l.) Christel Haimerl, Marianne Bittner, die Vorsitzende des Oberschleißheimer VdK Brigitte Scholle, Else Paul, Martha Fuchs und Sigrid Rick sowie die stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche (Dritte v.r.).

Im Alter raubt Armut die Würde

Wenig Geld in der Rente: Ein Problem, das immer mehr Menschen betrifft. Auch im Landkreis München.

Oberschleißheim – „Was wollen wir Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben, an Würde im Alter ermöglichen?“ So lautete die Kernfrage, die sich die Ortsgruppe Oberschleißheim des Sozialverbandes VdK in einem Gespräch mit einigen Betroffenen stellte. Dabei referierte die stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche (SPD) über „Armut im reichen Landkreis München“.

„Eine Gesellschaft ist nur so gut, wie sie mit ihren Schwachen umgeht. Mir geht es um ein neues Wertesystem, um Solidarität im Kopf und im Herzen“, sagte Ganssmüller-Maluche. Nach der amtlichen Definition seien, statistisch gesehen, im Landkreis München nur 0,5 Prozent der Bürger von Altersarmut betroffen. Doch „die Dunkelziffer“ sei hoch.

Sie schilderte den Fall einer Unterschleißheimerin, die gemeinsam mit ihrem Mann eine Rente von 1100 Euro beziehe, damit weit außerhalb der statistischen Altersarmut liege. Das Ehepaar müsse von monatlich 300 Euro leben, weil die Warmmiete bei 848 Euro liege. „Inzwischen ist es so, dass ich fast meine Miete nicht mehr bezahlen kann. Ich bekomme kein Wohngeld und keine Grundsicherung – dafür habe ich wieder zu viel“, schildert die betroffene Seniorin in einem Brief. Die Suche nach einer günstigeren Wohnung war bisher erfolglos.

Die Mieten im Landkreis steigen, die Themen Altersarmut und Wohnungskosten sind eng miteinander verknüpft. „In einer so reichen Region müssen andere Grenzen gelten“, fordert Annette Ganssmüller-Maluche. Zumal auch Menschen mit besserem Einkommen nur schwer finanziell zurecht kämen. Es müssten viel mehr kleine Wohnungen gebaut werden, so der Tenor aus dem Kreis der Betroffenen – 16 Zuhörer hatten sich in einem Nebenraum der „Bürgerstuben“ eingefunden.

Eine Zuhörerin berichtete von ihren Erfahrungen in einer Einrichtung für „Betreutes Wohnen“: Nach 60 Jahren Arbeit als Haushälterin beziehe sie rund 800 Euro Rente, und davon müsse sie 527 Euro Miete plus 45 Euro Strom plus 99 Euro für den Notruf zahlen – bleiben unter dem Strich knapp 170 Euro im Monat zum Leben.

Ein 62-Jähriger erzählte, er könne noch arbeiten und sich Skiausflüge oder Fahrradreisen leisten: „Was aber ist, wenn ich Rentner bin und viel weniger zum täglichen Leben habe? Kann ich mir dann noch solche Hobbys leisten, die mich gesund halten und glücklich machen?“ Menschen, die jeden Cent drei Mal umdrehen müssten, könnten nicht am Leben teilhaben, sagte Annette Ganssmüller-Maluche. Mit Blick auf den von der SPD angeregten „Armutsbekämpfungsplan“ sagt sie, es tue sich gerade nichts. ´Die Armut sei im Landkreis ja nicht ganz so groß, die Kommunen hätten alles im Griff. Und doch sei die Lage so prekär, dass betroffene Menschen froh seien, eine Pflegestufe zu erreichen, weil sie dann mit zusätzlichen Geldern wieder besser zurechtkämen, sagte sie.

Eine 52-Jährige, die vor 26 Jahren aus Russland nach Deutschland gekommen war, deren Dolmetscher-Diplom hier nicht anerkannt wurde und die sich mit Zeitarbeitsjobs über Wasser hält, gibt zu: „Ich denke mit Schrecken an die Rente.“ 200 Euro Rente werde sie in acht Jahren bekommen, ihr Mann rund 1000 Euro – doch die 52-Quadratmeter-Wohnung koste schon heute 800 Euro Miete. „Wie soll das gehen?“

Die Vorsitzende des Oberschleißheimer VdK, Brigitte Scholle, sagte, sie erfahre immer wieder von großen Armutssorgen älterer Menschen. Es handle sich beileibe nicht mehr um Ausnahmen. Die Zahl der Betroffenen sei groß. Das Problem dabei: „Teils schämen sie sich und trauen sich gar nicht, bei den Behörden Unterstützung zu beantragen.“

Von Guido Verstegen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schäfer in Angst vor der Killer-Krähe
Familie Hoyler aus Hochmutting fürchtet um das Leben ihrer Lämmchen. Saatkrähen könnten ihr Feind sein.
Schäfer in Angst vor der Killer-Krähe
Betrunkene fährt ohne Licht der Polizei in die Arme 
Um Mitternacht ohne Licht im Auto auf dem Münchner Ring - unauffällig geht anders. 
Betrunkene fährt ohne Licht der Polizei in die Arme 
Audi TT rammt Porsche
Audi TT gegen Porsche - entsprechend hoch war der Blechschaden bei einem Unfall am in Unterschleißheim  
Audi TT rammt Porsche
Ohne Führerschein: Tochter fährt heimlich mit Auto der Mama 
Weil der Zweitschlüssel ihres Wagens gestohlen worden ist, hat eine Frau Anzeige erstattet. Jetzt stellt sich heraus: Es war ihre Tochter. Und das ist längst noch nicht …
Ohne Führerschein: Tochter fährt heimlich mit Auto der Mama 

Kommentare