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Das völlig ausgebrannte Unfallauto. Drei Schutzengel haben einen 21-Jährige aus dem Wrack gezogen.

Unfallopfer hatte drei Schutzengel

Es war lebensgefährlich! Jetzt sprechen die Lebensretter

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Es war nicht fünf vor 12, sondern nur eine Sekunde vor 12 – im allerletzten Moment haben Ersthelfer in Oberschleißheim (Landkreis München) ein junges Unfallopfer aus einem brennenden Auto gezogen.

Oberschleißheim - Sebastian B. war mit seiner Freundin am Samstag gegen 23.30 Uhr auf dem Weg von Oberschleißheim Richtung Feldmoching. Die beiden waren mit dem Roller unterwegs. „Es war erstaunlich viel Verkehr“, erzählt der 29-Jährige. Kurz nach der Unterführung der A 92 sahen sie drei Autos auf der Gegenfahrbahn stehen und dachten: „Was ist da denn los?“. Im nächsten Moment entdeckte der Münchner ein Fahrzeug, das gegen einen Baum geprallt war. Er riss sich Helm und Lederjacke herunter und rannte zu dem Auto. „Es war bereits ein Mann da, der mit einem Handtuch versuchte, das Feuer zu löschen und die Fahrertür zu öffnen.“ Doch durch den Aufprall war die Tür beschädigt worden. Sie ließ sich nicht öffnen. „Mit aller Kraft stemmte ich mich an die Fahrertür und rüttelte daran“, erzählt Sebastian B. 

Lebensretter: Rollerfahrer zieht Verletzten aus brennendem Auto

Plötzlich sprang die Tür auf, im Innenraum stand dichter Qualm. Der Fahrer war zwischen Airbag und Sitz eingeklemmt. Er stöhnte. Ein Auge hatte er geöffnet. „Ich versuchte, den Gurt zu lösen, aber keine Chance“, erzählt der 29-Jährige. Er rief den Umstehenden zu, ob jemand eine Schere habe. Und tatsächlich konnte der Fahrer eines BMW helfen. Er schnitt den Gurt durch. Zusammen zogen sie den Mann aus dem Auto und trugen ihn auf die anderen Straßenseite. „Zu diesem Zeitpunkt stand der Innenraum schon zur Hälfte in Flammen“, erzählt der Münchner. Geistesgegenwärtig warf der 29-Jährige dann vom Feld aus mit Steinen das Beifahrerfenster ein. „Der Qualm war so dicht, dass wir nicht sehen konnten, ob ein zweiter Mensch im Auto war.“ Ein zweites Mal begab sich Sebastian B. in Lebensgefahr und rannte zur Beifahrerseite. „Die Tür ging nicht auf. Ich tastete in den Innenraum, habe aber niemand gespürt.“ Der Innenraum stand zu der Zeit komplett in Flammen. Sebastian B. zog sich Schnittverletzungen zu, die Haare an seinen Beinen sind komplett versengt.

Die drei Engel von Feldmoching: Josef E., Simon S. und Sebastian B. (von links) haben dem schwer verletzten 21-Jährigen das Leben gerettet.

Eine Ärztin, die zufällig vorbeikam, kümmerte sich um das Unfallopfer. Mit schweren Verletzungen – Verdacht auf Schädel-Basis-Bruch und innere Verletzungen – wurde der 21-Jährige in eine Klinik gebracht. „Wichtig ist, den Rettern den Weg frei zu machen“, sagt B. Denn einige Autofahrer blockierten durch Wenden die Straße für die Einsatzkräfte.

Bei B. wurden durch die mutige Lebensrettung wieder schreckliche Erinnerungen wach. Vor eineinhalb Jahren brannte seine Wohnung komplett aus. Ein Ladegerät war in Brand geraten. Der 29-Jährige, der Ausbildungsmeister bei den Stadtwerken für Industriemechaniker ist, lag damals mit einer Rauchgasvergiftung auf der Intensivstation. Er appelliert an alle, in Notfallsituationen zu helfen. „Nur durch Teamwork haben wir das geschafft.“

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