Große Reiter- und Kutschengala im Schloss Schleißheim.
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Reiter- und Kutschengala

Barockes Spektakel am Schloss Schleißheim

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Es lebe der Barock! Schloss Schleißheim entführte Besucher am Sonntag in die Kurfürsten-Zeit. Ein Besuch bei feinen Damen, verwegenen Kavalleristen und Lanzenkriegern.

Oberschleißheim – Schneidige Ulanen, schicke Rösser, elegante Damen in authentischer Tracht, venezianische Gondeln und eine Greifvogelschau: Die historische Reiter- und Kutschengala ließ am Sonntag die Zeit von Kurfürst Max Emanuel II (1679 bis 1726) in der Schlossanlage Schleißheim aufleben. 

Schon von weitem sind Trommeln, Flöten und das helle Glockenspiel der „Schleißheimer Pfeiffer“ zu hören. Wer den Klängen folgt, den erwartet im Schlosspark ein einzigartiger Anblick: Im Hofgarten verteilt tummeln sich feine Damen mit verrückten Perücken, denen Kavallerieoffiziere verwegen zuzwinkern. An geometrisch angelegten Blumenbeeten vorbei schlendern die Herrschaften aus der „barocken Gruppe“ der Freunde von Schleißheim. 

„Ich bin doch kein Diener!“

Vor der Schlosstreppe hält gerade ein „Vis-a-vis“, eine Kutsche mit gegenüberliegenden Bänken und vier Sitzen, die leicht zum Zweisitzer umgebaut werden kann. Kutscher Günter Ortner hat sein Pferd im Griff. Dazu fällt Anton Bauer (49), der Betriebsleiter des Hofgartens moderiert die Gala, eine Geschichte zum unsterblichen Hans Moder ein. Man hatte den 1880 geborenen österreichischen Volksschauspieler, der das Licht der Welt erblickte, genau als diese Kutsche gebaut wurde, in einen zeitgemäßen Gehrock gezwungen. „Ich bin doch kein Diener“, rief der kleine Mann, als er die silbernen Knöpfe am Gehrock sah. Bauer würzt seinen Vortrag mit allerlei Wissenswertem und netten Anekdoten. Das Publikum weiß das zu würdigen. 

Und wieder begegnen einem elegante Damen hoch zu Ross, die das Reiten im Damensattel zu Klängen von Vangelis kultivieren und Richtung des Jagd- und Gartenschlösschens Lustheim traben. Dann steht er plötzlich da: Dreieinhalb Meter hoch auf dem Pferd, ein Bild von einem Kerl mit der Lanze in der Hand. „Wir sind Lanzenkämpfer“, ruft der Soldat. Die Lanze ist mit einem Wimpel geschmückt. Man denkt natürlich an die Kriege der napoleonischen Zeit und die Tode, die viele Krieger starben. Tatsächlich fasziniert in dem Moment aber der Kavalleriesoldat mit seiner Tschapka, der Federbusch-geschmückten Kopfbedeckung der Ulanen. 

Vom Kfz-Mechaniker zum Lanzenkrieger

Darunter steckt Hartwig Lieb (57), eigentlich Kfz-Mechaniker. Den Krieger aus dem Königlich-Bayerischen Ulanenregiment von 1813 mimt er aus tiefstem Herzen. Das Mitglied des Deutschen Kavallerieverbands hat sein Pferd selbst ausgebildet. „Reitvorschrift, Heeres-Druckvorschrift 12“, erklärt er. Statt mit acht Jahren darf das Tier schon als Sechsjähriger an solchen Veranstaltungen teilnehmen. 

Dieter Rügemer (78) vom Bayerischen Reit- und Fahrverband ist froh über Mitwirkende wie Hartwig Lieb. „Sie leben den traditionellen Reitsport, pflegen diese Kunst.“ Rügemer, der in vier Wochen 79 wird und eher wie ein Mittfünfziger wirkt, ist seit langem für die Veranstaltung zuständig. „Nach elf Jahren hast Du Erfahrung.“ Seinem Engagement mag zu verdanken sein, dass die Gala vor elf Jahren, zum 850. Geburtstag der Stadt München, in Schleißheim statt Nymphenburg stattfand. „Die geraden Linien, diese Figuren“, schwärmt er und blickt in den Hofgarten. Er liebt ihn einfach. Vor allem mit barockem Getümmel.

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