Jubel: Geigerin Monika Drasch darf endlich wieder die Bühne stürmen. Im Bürgersaal Oberschleißheim legte sie einen mitreißenden Auftritt hin.
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Jubel: Geigerin Monika Drasch darf endlich wieder die Bühne stürmen. Im Bürgerhaus Oberschleißheim legte sie einen mitreißenden Auftritt hin.

Künstler kommen zurück auf die Bühne: Wie Publikum und Veranstalter den Neustart wagen

Comeback der Kultur

  • Charlotte Borst
    vonCharlotte Borst
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100 Zuschauer erleben im Bürgersaal Oberschleißheim den Neustart der Kultur mit - nach acht Monaten Corona-Zwangspause geht es endlich wieder los.

Landkreis – Das Licht im Saal des Bürgerhauses in Oberschleißheim wird heruntergedimmt. Die Musiker stürmen übermütig die Bühne. Geigerin Monika Drasch stampft temperamentvoll mit dem Fuß auf, „so schön, dass ihr wieder da seid“, begrüßt sie das Publikum und reißt befreit die Arme hoch, „und kein Wort mehr über Corona!“. Applaus im Saal! Für die Münchner Musikerin geht am Freitagabend zum ersten Mal seit langem der Vorhang wieder auf.„Höchste Zeit“, findet Zuschauer Siegfried Krupka. „Endlich geht es wieder los“, sagt Christa Mahrl, bevor sie in den Saal geht, „ich bin so froh, dass wieder Künstler kommen.“

Dann ging alles ziemlich schnell

100 Zuschauer erleben nach acht Monaten Corona-Zwangspause den Neustart der Kultur im Bürgerhaus Oberschleißheim mit. Das Konzert des Monika Drasch-Trios, das eigentlich schon im Mai vor einem Jahr stattfinden sollte, ist ausverkauft. Zwar tragen die Gäste noch Maske und halten Abstand – „aber das Publikum ist zurück!“ Das ist die größte Freude für Kulturreferentin Gaby Hohenberger. Jede einzelne Pressekonferenz von Markus Söder hat sie in den vergangenen Monaten am Bildschirm verfolgt. „Na klar“, sagt sie und verzieht in Gedanken an das lange Warten schmerzhaft das Gesicht. Als sich abzeichnete, dass eine Live-Vorstellung möglich ist, ging dann alles ziemlich schnell. „Wir haben die Karten in den Vorverkauf gebracht und die Plakate mit dem neuen Termin überklebt.“

In Unterföhring hat das Kulturamt den Abonnenten regelmäßig Briefe geschrieben

Auch das Bürgerhaus in Unterföhring öffnet wieder seine Pforten für die Kultur. Ab Dienstag, 1. Juni, gibt es am Schalter Tickets im Vorverkauf. Am 9. Juni heißt es: Vorhang auf für Holger Paetz! Weiter geht’s mit der Komödie „Der tollste Tag oder Figaros Hochzeit“ am 12. Juni.

Im großen Saal werden jetzt die Kabinen, in denen in den vergangenen Wochen immobile Bürger geimpft wurden, abgebaut. Die Kamera auf der Bühne bleibt aber vorerst. Denn zusätzlich werden sämtliche Juni-Veranstaltungen im Bürgerhaus als Live-Stream über die Homepage abrufbar sein. „Wer sich noch nicht über die Schwelle des Bürgerhauses traut, kann weiterhin von zuhause zuschauen“, sagt Kulturamtsleiterin Barbara Schulte-Rief.

Während der Schließzeit haben Schulte-Rief und Florian Nagel den Kontakt zum Stammpublikum gehalten. „Wir haben unseren Abonnenten Briefe geschrieben und sie laufend informiert,“ erzählt Schulte-Rief. Monat für Monat wurden Termine verlegt. Und plötzlich geht von jetzt auf gleich der Vorhang wieder auf. „Auch das ist eine Herausforderung“, sagt Schulte-Rief. „Auf die Plätze, fertig, live“ lautet in Unterföhring das Motto zum Neustart. „Wir wollen den Künstlern wieder eine Bühne bieten“, sie hofft, dass viele das Comeback der Kultur mitfeiern.

Marianne und Helmund Lehsau kommen zum Neustart der Kultur ins Oberschleißheimer Bürgerhaus.

Im Kleinen Theater Haar ist das Programm im Juni prall gefüllt

Auch für das Kleine Theater Haar ist es diese Woche endlich soweit: Intendant Matthias Riedel-Rüppel hat alles drangesetzt, um seinem Publikum auch während des Lockdowns Kultur zu bieten. Der rührige Theaterchef freut sich jetzt umso mehr darauf, seine Gäste persönlich begrüßen zu können und bietet ab Juni ein prall gefülltes Programm. Allein im Juni stehen 18 Termine an.

„Wir können nicht nur live und stream, sondern auch hybrid“

Die beliebte Reihe „Feierabend im Theater“ startet am Mittwoch, 2. Juni. Der Theatergarten ist hergerichtet. Für die Bewirtung der Gäste werden vier Hütten aufgestellt. Bei schlechtem Wetter findet der Abend im Saal statt. „Sollte es Gäste geben, die lieber nicht in einem geschlossenen Raum sitzen möchten, werden wir für alle Saalveranstaltungen die Möglichkeit schaffen, diese online auch zuhause zu verfolgen“, sagt Riedel-Rüppel. Das digitale Theater war zwar aus der Not geboren, ist aber inzwischen ein weiteres Standbein. „Wir können nicht nur live und stream, sondern auch hybrid,“ sagt Riedel-Rüppel, und darauf ist er auch ein bisschen stolz.

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