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Keine Besucher in Sicht: Das Hotel „Blauer Karpfen“ in Oberschleißheim verzeichnet jetzt schon massive Einbußen. 

Mehr als 80 Prozent Stornierungen

Coronavirus: Hoteliers klagen: „Lage ist dramatisch“

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Corona droht die Gastronomie im Landkreis München zu zerschlagen. Kaum ein Betrieb, der eine längere Krise durchzuhalten in der Lage wäre.

Landkreis – Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) schlägt Alarm und fordert sofortige Hilfen vom Staat. „Mich trifft der Schlag“, sagt Gerhart Maier, Inhaber des „Blauen Karpfen“ in Oberschleißheim. Die Lage spitzt sich täglich zu. Dass Hiobsbotschaften schon am nächsten Tag von noch ärgeren Nachrichten in den Schatten gestellt werden, hätte Maier in solcher Frequenz niemals erwartet. Bis zu 80 Prozent Stornierungen in Oberschleißheim. Booking.com, die bekannte Website für Unterkünfte, meldete unlängst 96 Prozent für München. Landkreisweit sieht es nicht viel besser aus.

Das Problem: Fast neun von zehn Betrieben die laut Dehoga über erhebliche Einbußen bei Umsätzen und Buchungen klagen, sind klein- und mittelständische Betriebe, oft seit Generationen in Familienhand. „Viele haben keine Rücklagen“, weiß Dehoga-Sprecher Frank-Ulrich John.

Dem nach wie vor um Gelassenheit bemühten Dehoga-Sprecher schlagen täglich neueste Horrormeldungen aufs Gemüt: „Das wird dramatisch“, prognostiziert er: „Viele haben nicht auf dem Schirm, was da auf uns zukommt.“ Hotelsterben? „Unbedingt!“ antwortet er. Seine Chefin, Dehoga-Präsidentin Angela Inselkammer, fordert Liquiditätshilfen, Verbesserungen beim Kurzarbeitergeld und eine Reduzierung der Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent.

Keiner weiß, wie lange die Krise anhält

Kredite? „Klar, wir müssen sehen, woher wir Geld kriegen“, sagt Christine Lechner-Hilaire, Geschäftsführerin im „Gasthaus zur Post“ Unterföhring. Irgendwann aber will die Bank ihr Geld zurück. Und keiner weiß, wie lange die Krise anhält. Ab kommender Woche erwartet Lechner-Hilaire eine Auslastung von nur noch zehn Prozent. „Keine Ahnung, wie wir das schaffen sollen!“ Mitarbeiter will sie nicht entlassen. Der Gasthof zählt zu den traditionsreichsten im Kreis. Angestellte sind 30 Jahre und länger im Haus. „Das ist Familie“, sagt die Chefin. Bleibt der Weg in die Kurzarbeit, was gar nicht so einfach ist. „Wir kommen kaum zum Amt durch.“ In Zeiten der Krise laufen im Arbeitsamt die Leitungen heiß.

Keiner will Mitarbeiter entlassen

Keines der befragten Hotels will Mitarbeiter vor die Tür setzen. Abgesehen von gewachsenen Bindungen mag niemand den Glauben an eine Zeit nach der Krise über Bord werfen. Gutes Personal wäre dann wieder Mangelware. Im nahen Hotel Lechnerhof denkt Front-Office-Manager Ludwig Josef ähnlich: „Wir stellen keinen aus!“ Gerade im Münchner Osten aber sind Hotels im besonderen Maße von wegbrechenden Veranstaltungen wie der Handwerksmesse betroffen. In Föhring bleiben außerdem die Gäste aus der Medienbranche und von Versicherungen fern. „Die arbeiten von daheim.“  „Und weil die EM ausfällt, wird’s eng“, sagt Josef. Unterdessen plagen Gerhart Maier in Oberschleißheim allzu düstre Visionen. Der Inhaber des „Blauen Karpfen“ führt auch den Tourismusverein. Maier ist angst und bange. Sterben die Hotels, ist die Wirtschaft der ganzen Region bedroht. Wie Dominosteine fallen erst Zulieferbetriebe, Handwerker, Caterer. Ohne Betten gibt es keinen Tourismus, was nicht nur der Schlösser-Gemeinde Oberschleißheim das Genick brechen würde.

Branche droht massiver Schaden

Inzwischen unterliegt der Hotelbetrieb staatlichen Beschränkungen. Hotels dürfen keine Touristen beherbergen, nur notwendige Übernachtungen anbieten, teilte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Dienstag, 17. März, mit. Die Situation spitzt sich weiter täglich zu. Ohne nachhaltige Unterstützung droht der Branche ein massiver Schaden, warnt Dehoga-Sprecher John.

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