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DHL-Bote Thomas Rothmayer hat in der Weihnachtszeit besonders viel zu tun.

Unterwegs mit dem DHL-Boten

450 Mal Bescherung am Tag

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Dass Heilig Abend diesmal auf einen Sonntag fällt, ist für den gebürtigen Ebersberger Thomas Rothmayer (49) ein Glück. So kommt der DHL-Bote nicht in Versuchung, abends noch Pakete an Kunden auszufahren, die auf den letzten Drücker bestellt haben.

Landkreis –  Als Rothmayer vor vier Jahren bei DHL anfing, hat er genau das nämlich gemacht: Sendungen von Amazon, die im Paketzentrum Aschheim liegen geblieben waren, nach Feierabend in sein Privatauto geladen und ausgefahren. Ohne lange zu überlegen, ohne dass ihn jemand dazu aufgefordert hat. „Einfach so, weil es die Kunden das ja für diesen Tag bestellt hatten“, sagt Rothmayer.

Heute muss der 49-Jährige darüber lachen. Vor allem über die Geschichte, als er nach Feierabend 70 Kilometer weit gefahren ist, von seinem damaligen Wohnort Ebersberg bis nach Brannenburg (Kreis Rosenheim). „Da war ich übermotiviert, und das hat am nächsten Tag auch Ärger gegeben“, sagt er. „Mit dem Privatauto Pakete auszufahren, ist nämlich streng verboten.“ Seitdem hält sich Rothmayer an seine Arbeitszeiten und liefert ausschließlich mit dem gelben DHL-Fahrzeug aus, das vor Weihnachten noch öfter als sonst durch die Straßen braust.

Allein 250 Mitarbeiter beschäftigt der Post-Dienstleister, um in Unterschleißheim, Oberschleißheim, Dachau, Karlsfeld, Garching, Eching, Neufahrn, Teilen von Hallbergmoos, Unterföhring und Ismaning Pakete auszufahren. Im Herbst kommen noch einmal bis zu 40 Aushilfskräfte dazu, die helfen sollen, das Weihnachtsgeschäft zu stemmen. Denn die Paketmengen „werden von Jahr zu Jahr mehr“, sagt Rothmayer. Bis zu 350 Stück liefert er an einem einzigen Vormittag im Medien- und Technikpark Agrob in Ismaning aus, ab 14 Uhr folgen die Privathaushalte. Hier liegt der Durchschnitt unterm Jahr bei 30 bis 50 Paketen pro Tag – kurz vor Weihnachten sind es knapp 100 Stück. 450 Mal Bescherung an einem Tag. Das sind die Spitzenwerte in Rothmayers Job. Bevor es losgeht, gibt’s deshalb „jeden Morgen erst mal eine warme Leberkässemmel“, erzählt Rothmayer bei einer seiner Vorweihnachts-Touren durch Ismaning.

Das gesamte Gelände hat nur eine Adresse

Früher hat DHL das Agrob-Gelände in der Weihnachtszeit an Aushilfen übergeben. „Doch die hatten Probleme damit, sich kurzfristig zurechtzufinden“, sagt Rothmayer. Das gesamte Gelände mit seinen 130 000 Quadratmetern Nutzfläche hat nämlich nur eine einzige Adresse: Münchner Straße 101.

An welche Firmen und Mitarbeiter genau die Pakete, Päckchen und Tüten gehen sollen, verraten allein die Gebäudenummern oder die Buchstaben, die hinten angefügt sind. Die Anschrift des Shoppingsenders HSE24 lautet beispielsweise: Münchner Straße 101, h. Rothmayer kennt die Tour mittlerweile im Schlaf. Unterm Jahr gehört der Medienpark zu seiner normalen Route – heuer hat er sie auch in der Weihnachtszeit behalten. „Eine Premiere“, sagt Rothmayer und lacht, bevor er sich von seinem Fahrersitz schwingt.

Nächste Station: „Sport1“. Hier sitzt Klaus Döring in der Poststelle und wartet schon auf Rothmayers Fracht. Als der DHL-Wagen vorfährt, läuft er mit einem eigenen Handwagen vors Haus. So muss Rothmayer die Pakete nicht mehr von seinem Wagen auf den von Sport1 umladen. „Ich weiß doch, wie viel Arbeit das ist“, sagt Döring, ein stämmiger Mann, der gerne lacht. „Bin ja selber seit 17 Jahren dabei.“

Doch so schnell wie sich Rothmayers Fahrzeug leert, kommen neue Pakete dazu. In Dörings Poststelle liegen insgesamt 180 Kartons – alles Geschenke für Kunden von Sport1. Die nimmt Rothmayer mit. Und Döring hilft beim Einladen, im kurzen karierten Hemd bei zwei Grad Außentemperatur. „Läuft alles wie ein Uhrwerk“, sagt er und grinst. Die Kälte tut ihm offenbar gar nichts an.

Rothmayer ist wärmer angezogen. Mit einem hellblauen Loop-Schal schützt er sich gegen den eisigen Wind. Krank werden kurz vor Weihnachten will er auf keinen Fall. Denn Rothmayer ist Perfektionist: Dass jeder Empfänger rechtzeitig sein Paket erhält, ist Antrieb für ihn. 25 Jahre lang hat der gebürtige Ebersberger zuvor als Einzelhandelskaufmann in seiner Heimatstadt gearbeitet. „Radio und Fernsehen, Beratung und Verkauf“, sagt er. Doch irgendwann musste er raus. „Die Branche war nichts mehr für mich.“ Mehr will Rothmayer dazu nicht sagen. In der Zeitung sah er kurz darauf eine Anzeige von DHL und schickte seine Bewerbung los. Im Dezember 2014 fing er an, zog von Ebersberg in den Landkreis Erding und arbeitet seit 2016 fest für die DHL Delivery Freising GmbH.

Stress? Manchmal ist sogar früher Schluss

Sein Arbeitstag ist streng getaktet: Jeden Morgen um 8 Uhr stempelt Rothmayer in Unterschleißheim ein. Hier steht die Mechanisierte Zustellbasis, kurz MechZB, die jeden Tag bis zu 12 000 Pakete sortiert. Vor Weihnachten sind es bis zu 18 000, heißt es in einer Pressemeldung von DHL. „Und an Spitzentagen wird wahrscheinlich sogar diese Marke geknackt.“ Um die Menge zu schaffen, wird zusätzliches – befristetes – Personal eingestellt. Sie erhalten sogenannte „Entlastungsbezirke“, was die Touren der festen Stammbelegschaft verkleinert. Vor Weihnachten muss Rothmayer deshalb oft nur im Agrob-Gelände ausliefern, die Privathaushalte übernimmt ein Kollege. Wenn es gut läuft, ist Rothmayer bis 14 Uhr durch. Von Ismaning nimmt er dann 50 Pakete zurück nach Unterschleißheim, und spätestens um 16 Uhr ist Schluss.

Länger dauert es nur, wenn Rothmayer Pakete für Privathaushalte geladen hat. Denn Benachrichtigungen in Briefkästen hinterlassen, mag er nicht. „Ich selbst würde mich auch darüber ärgern, wenn ich nach Feierabend nur einen Zettel im Briefkasten habe.“ Deshalb komme das nur im Notfall vor – und vor Weihnachten noch seltener. Rothmayer: „Wenn ich morgens niemanden antreffe, komme ich lieber nachmittags noch ein zweites Mal vorbei.“

16 Container voller Pakete

werden jeden Morgen ab 3 Uhr früh vom Paketzentrum in Aschheim nach Unterschleißheim gebracht. In der „Mechanisierten Zustellbasis“ werden die Pakete für die jeweiligen Bezirke sortiert. Von Unterschleißheim aus werden Empfänger in Unterschleißheim, Oberschleißheim, Dachau, Karlsfeld, Garching, Ismaning, Unterföhring, Eching, Neufahrn und Teilen von Halbergmoos bedient. Paketzusteller wie Thomas Rothmayer holen ihre Ladung um 8 Uhr in Unterschleißheim ab. Nach acht Stunden soll die Arbeit erledigt sein. Falls mehr zu tun ist, darf die Arbeitszeit laut Gesetz in Ausnahmefällen auf maximal 10 Stunden und 45 Minuten ausgedehnt werden.

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