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Nichts als Wiese: Auf dem freien Gelände zwischen Michaelianger und Feierabendstraße wird im Jahr 1966 d ie Holzkirche gebaut, die heute „Notkirche“ genannt wird. 

Eher Scheune als Gotteshaus

In diesem Jahr ist es 50 Jahre her, dass in der Parksiedlung ein Gotteshaus entstand, das heute als „Notkirche“ bekannt ist. 

Von Andreas Sachse

Oberschleißheim – In aller Eile aus Holz gezimmert, glich der Bau in der Parksiedlung mehr einer Scheune als einem Gotteshaus. Nicht von ungefähr sprechen all jene, die in den 1960er-Jahren die Entstehung von St. Wilhelm unmittelbar erlebt haben, von einer „Notkirche“.

Annähernd fünf Jahre lang erfüllte der als Provisorium angelegte Notbehelf seinen Zweck. Im Dezember 1971 weihte Weihbischof Ernst Tewes schließlich die Kirche St. Wilhelm ein. Die Zeiten einer Notkirche waren vorüber. Die neue, moderne Kirche ist bis heute Mittelpunkt der Gemeinde westlich des Bahndamms.

Andreas Eichinger (75) und seine Frau Irmgard (74) gehören zu denen, die von Anfang an dabei waren. Seit dem ersten Gottesdienst, am 11. Dezember 1966, als Kurat Franz Engesser die damals 24-Jährige bat, für ihn in der Notkirche als Mesnerin tätig zu sein, ist Irmgard Eichinger 25 Jahre lang im Amt geblieben. Ihr Ehemann engagierte sich ebenfalls als Mesner, unterstütze seine Frau. Die Notkirche ist seiner festen Überzeugung nach viel mehr gewesen als ein bloßer Notbehelf. „Damals, vor einem halben Jahrhundert, ist die Parksiedlung entstanden.“

Junge Familien kamen nach Schleißheim, richteten sich in den neuen Wohnblöcken ein. Die Parksiedlung war ein freies, weites Feld. „Vom Michaelianger bis hinter die Feierabendstraße“, erinnert sich Andreas Eichinger, „eine einzige Fläche.“ Ob Kirche, Schule oder Bürgerhaus. „Da war nichts!“

Die vornehmlich jüngeren Neubürger hätten in der Parksiedlung auch in religiöser Hinsicht nach Heimat gesucht. Auf Veranlassung von Erzbischof Kardinal Döpfner, der die Kuratie im September 1966 zur Pfarrkuratie erhoben hatte, entstand auf dem freien Gelände eine hölzerne Kirche, die Andreas Eichinger rückblickend eher an eine Scheune erinnert, denn an ein Gotteshaus.

Eichinger denkt gern an die aufregenden Tage der Geburt einer Gemeinde zurück. Holzbänke für den Innenraum kamen aus St. Clemens in München-Neuhausen. Kreuz und Kerzenleuchter für den Altar hatten Bewohner des seinerzeit „Eingliederungsheim Mittenheim“ genannten Hans-Scherer-Hauses aus Ton gefertigt. Noch immer fesselt ihn der Gedanke an die Energie, die der jungen Gemeinde innewohnte. Miterlebt zu haben, wie da etwas gewachsen ist, empfindet er als einmaliges Erlebnis. Erfahrungen dieser Art seien doch den wenigsten Menschen vergönnt. „Das war eine ganz junge Gemeinde.“ Man habe fast zuschauen können, wie „da etwas von Dauer entstand“. Gerade dem Provisorischen der ersten Tage habe ein gewisser Zauber innegewohnt.

Hinter dem Altar der Notkirche hatte man eine Sakristei und einen zusätzlichen Raum eingerichtet, „der quasi als Pfarrheim fungierte“. Während der sonntäglichen Gottesdienste diente derselbe Raum als eine Art Kinderhort. „Damit Eltern beten und singen konnten.“ Bald darauf traf sich dort auch der von Pfarrer Franz Engesser gegründete „Familienkreis“. Eichinger findet es schade, dass die hölzerne Notkirche nahezu aus dem Gedächtnis Oberschleißheims verschwunden ist. „Das ist 50 Jahre her und kaum einer erinnert sich.“

Als um so bemerkenswerter in Erinnerung behalten haben Andreas Eichinger und seine Frau Irmgard, wie Pfarrgemeinde und Parksiedlung parallel gewachsen sind. Beide wissen sie gut, wie es war, an jenem ersten Tag vor mehr als 50 Jahren: „Es hat geschüttet, überall Matsch.“ Die ersten Blöcke wurden 1963 hochgezogen. Zwei Jahre darauf kamen Eichingers nach Schleißheim. Ihre erste Anschrift lautete Parksiedlung 262. „Straßennamen als Adresse hat es da noch nicht gegeben.“

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