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Seinen 100. Geburtstag feierte Werner Blumenberg beim Aero Club in Oberschleißheim. Dabei schaute er bei den Fliegern im Hangar vorbei

Er war bei der Luftwaffe, später Patentanwalt und Fluglehrer

Ein Leben im Cockpit: Dieser 100-Jährige eroberte jahrzehntelang den Himmel

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Werner Blumenberg liebt das Fliegen, mit seinen 100 Jahren hebt er aber nicht mehr selbst ab. Seinen Runden Geburtstag feierte er nun standesgemäß in einem Hangar in Schleißheim.

Oberschleißheim/München – Werner Blumenbergs Leidenschaft gehört dem Fliegen. Auch im Alter von 100 Jahren. Seinen Geburtstag feierte er, na klar, im Ikarus Aero Club in Oberschleißheim. Dort, wo er über Jahrzehnte beinahe seine gesamte Freizeit verbracht hat, dort, wo er unzählige Male in Richtung Wolken abgehoben ist.

Blumenberg – schlanke Figur, weißes Haar – geht am Stock, er geht langsam und man muss etwas lauter sprechen, um sich mit ihm zu unterhalten. Das war es aber auch schon mit den Zipperlein, die den 100-Jährigen plagen. Im westpommerischen Greifenberg geboren, dominierten Flugzeuge und die Fliegerei sein ganzes Leben.

Bomberflieger im Zweiten Weltkrieg

Schon mit zwölf Jahren hat er seinen ersten Gleiter gebaut. „Ein Glück hatte ich bereits als junger Mensch Rheuma, denn so konnte ich meine Melkerlehre nicht fortsetzen“, sagt Blumenberg und lacht verschmitzt. Die Arbeit auf einem Bauernhof hätte ihn wohl mit beiden Füßen fest am Boden gehalten. Eigentlich sollte er dann die elterliche Buchhandlung übernehmen, Blumenberg wurde jedoch Schlosser bei der Eisenbahn. Es war der Zweite Weltkrieg, der in den Himmel brachte.

Über die Hitlerjugend kam er zur Luftwaffe, legte dort erst die Segelflugprüfung ab, dann die für zwei- und viermotorige Maschinen. Er machte im Krieg das Notabitur, „mit 20 Jahren war ich Fluginstruktor“, erzählt er. Während des Kriegs war er Bombenflieger, legte einige Bruchlandungen hin, „ich wurde aber nie abgeschossen“, erinnert sich Blumenberg. Im April 1945 wurde auch er abkommandiert zur Verteidigung der Alpenfestung. Das Ende des Krieges erlebte er in Bad Tölz.

Mit 90 Jahren gab er seinen Flugschein ab

Die Fliegerei ließ ihn nicht los. Es faszinierte ihn immer, die Welt von oben zu sehen. Und so studierte er Flugzeugbau eröffnete nebenbei eine Druckerei, „die Technische Hochschule brauchte ja Drucksachen“. An den Ingenieur schloss er eine Patentanwaltsausbildung an. Ein Praktikum brachte ihn zum Patentamt, wo er bis zum Direktor des deutschen und europäischen Amtes aufstieg, das seinen Sitz in München hat. Von dort aus war der Weg nach Oberschleißheim nicht weit, und so trat dem Aero Club bei, war auch bald dessen Vorsitzender, Fluglehrer und organisierte zahlreiche Flugmeisterschaften.

Durch den Himmel segelt er inzwischen nicht mehr. „Seit zehn Jahren fliege ich nicht mehr und habe auch den Schein abgegeben“, sagt Blumenberg. „Aber auch wenn ich nicht mehr im Cockpit sitze, die Fliegerei ist und bleibt weiterhin mein Leben.“

„Ich war mit dem Wohnwagen in Russland und der Sahara“

Und so überraschte es nicht, dass er seinen 100. Geburtstag am 5. Dezember im Hangar des Fliegerclubs feierte. Mit an seiner Seite nicht nur die Familie, sondern auch Blumenbergs Mitbewohnerin Cecilia Crespo, die ihn liebevoll „mein Opi“ nennt. Die 26-Jährige kommt aus Bolivien wohnt seit drei Jahren Tür an Tür in der 120-Quadratmeter-Wohnung in München. Im Mai dieses Jahres zog noch Lina Barajas (22) aus Kolumbien mit ein. „Wohnen für Hilfe“ nennt sich das Projekt, bei dem junge Erwachsene, meist Studenten, bei Senioren leben und sie im Alltag unterstützen. „Wir kochen für Werner“, sagt Crespo. Alles andere schaffe Blumenberg allein. „Bessere Gesellschaft als junge Menschen kann ich doch gar nicht haben“, sagt der 100-Jährige. „Ich bin nicht allein und habe etwas Hilfe und die eine Bleibe.“

Unter den Gratulanten (rechts) waren Aero-Club-Vorsitzender Wolfgang Merz, Blumenbergs Enkelin Laura (r.) und seine Mitbewohnerin Cecilia Crespo.

Bis vor wenigen Jahren radelte Blumenberg noch zu seiner Zahnärztin nach Moosach, dann kam er mit der S-Bahn und sei den Rest der Strecke gelaufen. Erst vor zwei Jahren habe er sein Fitnessprogramm beendet, das hieß zwei Mal die Woche den Schuttberg hinauf zu laufen. „Und das in einem Schritt, wo man kaum mithalten konnte“, sagt sein Neffe Klaus Wolliner, der für die Wahl der Geburtstagslocation verantwortlich war. Er war schon immer „neugierig und auch umtriebig“, sagt Blumenberg über sich. „Ich war mit dem Wohnwagen in Russland und der Sahara, als bei uns kein Mensch an diese Art des Reisens dachte.“

Untätig zu Hause herumsitzen kommt für ihn auch mit 100 Jahren nicht in Frage, im Frühjahr löst er das Geburtstagsgeschenk seiner Flieger-Kameraden ein. Das Reiseziel darf Blumenberg bestimmen. Eins ist schon klar: Für den ehemaligen Piloten geht es natürlich in die Luft.

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