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Mit einer Geburtstagstorte feiern Mitarbeiter – im Bild Mariam Saruq und Florian Barnikol – und Bewohner das Jubiläum der Wohnstätte Freisinger Straße.

Jubiläum

Eltern finanzieren Wohnheim für Kinder mit Handicap

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Oberschleißheim - Mit dem Bau des elternfinanzierten Wohnheims haben sich 28 junge Menschen mit Handicap auf ihren Weg in die Selbständigkeit gemacht. Sie wohnen seit zehn Jahren in einer stabilen Hausgemeinschaft an der Freisinger Straße 17 in Oberschleißheim und haben hier ihr neues Zuhause gefunden.

Schön herzlich und sehr emotional feierten die Bewohner ihr Hausjubiläum. Neben Festreden, musikalischen und tänzerischen Einlagen waren auch Interviews mit den Bewohnern Teil des Programms. „Wie geht es dir hier?“, fragte Vize-Hausleiterin Monika Stenglein, unter anderem auch Sitta Mix: „Ich habe Freunde hier, ich fühle mich hier wohl und bin hier zuhause“, antwortete die junge Frau, die eine der drei gewählten Bewohnersprecher ist. 

Gemeinschaft wird groß geschrieben

Jeder hat sein eigenes Apartment; gekocht, gegessen, gespielt wird zusammen. Hans-Jürgen Gerhardt (68) aus Ottobrunn gehört zu den Gründervätern, die sich vor 16 Jahren zusammenschlossen. „Wo wird unser Kind leben, wenn es erwachsen ist?“ Diese Sorge bewog die engagierten Eltern damals, ein Grundstück zu kaufen und gemeinsam ein Wohnprojekt zu realisieren. „Werden unsere Kinder sich eingewöhnen, kriegen wir die richtigen Leute für die Betreuung? Das waren die Fragen, die wir uns damals stellten“, erzählt Gerhardt. Heute ist er stolz und dankbar: „Die Hausleiter, die Betreuer und das Augustinum- Management haben einen tollen Job gemacht.“ 

Hier leben 28 Erwachsene

In dem schmucken Gebäude am Rathaus in der Nähe des Schlossparks zogen nach und nach 28 Erwachsene ein. Inzwischen ist das Haus belegt. Die Freude darüber, wie wohl sich ihre erwachsenen Kinder im Haus fühlen, erfüllte das Jubiläumsfest: „Für mich und für meine Familie ist das hier ein Traum, der wahr geworden ist. Wir haben ein Zuhause für unsere Kinder geschaffen, in einem Umfeld, das gigantisch ist“, sagt Gerhardt. Seine Tochter Natascha (22) hat das Downsyndrom, sie lebt seit zehn Jahren im Haus und arbeitet in einer Einrichtung der Lebenshilfe in Putzbrunn. „Und sie will hier nicht mehr weg.“ 

Selbstbestimmtes Leben

Auffällig an der Jubiläumsveranstaltung war die große Begeisterung für das Miteinander. Ein Vater sagte: Das Haus, das von der Augustinum Stiftung betrieben wird, vermittele seinem Sohn, der das Downsyndrom hat, was er am dringendsten benötige: Das Selbstwertgefühl für ein weitgehend selbstbestimmtes Leben. Der 24-Jährige arbeitet in einer Werkstatt, tanzt gern und liebt es, sich schick anzuziehen. 

„Der Auszug von zu Hause ist für Menschen mit einer Behinderung ein besonders großer Schritt“, sagt Matthias Heidler vom Augustinum München, der das Projekt ebenso wie die Heimleiter Robert Limmer und Monika Stenglein von Anfang an begleitet hat. 

Elter steuern 2,5 Millionen Euro bei

Zu einem echten Zuhause aber sei das Wohnheim erst dank des elterlichen Engagements geworden. Das räumte Bezirkstagspräsident Josef Mederer in seiner Festrede ein, und er weiß am besten um die Differenz zwischen dem finanziell Machbaren und dem, was wünschenswert wäre. Als Unterstützer des Projekts war Mederer schon bei der Grundsteinlegung im April 2005 dabei. Jedes Elternpaar hat eine Einlage von 90 000 Euro gezahlt. Durch ihre Einlagen erwerben Eltern ein lebenslanges Wohnrecht für ihr erwachsenes Kind. Auch als Senioren können die geistig und mehrfach behinderten Bewohner in der Freisinger Straße 17 wohnen bleiben. 

Was die zusätzlichen 2,5 Millionen Euro der Eltern bewirkten, erklärt Matthias Heidler, Geschäftsleiter der gemeinnützigen GmbH. Erst das Eigenkapital ermöglichte, dass die Apartments der Bewohner jeweils 22 Quadratmeter groß sind. Es gibt Gemeinschafts- und Hobbyräume und auch einen Garten. Tagsüber arbeiten die Bewohner in Werkstätten oder in inklusiven Betrieben der Region.

"Die Eltern tragen zum Gemeinschaftsgefühl im Haus bei", sagt Heidler. Sie organisieren Ausflüge oder Vorträge. Bisweilen zeige diese Form unmittelbaren Engagements auch Auswüchse, schmunzelt er. Etwa wenn Handwerker ins Haus kommen, wenn eine Wand verputzt werden muss und auf einmal ein Dutzend Väter antreten, um die Arbeit zu bewerten. 

Vorbild für Projekt in Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Das Haus ist Vorbild für weitere Projekte. In Höhenkirchen-Siegertsbrunn baut der Verein „Zukunft – Trotz Handicap“ ein elternfinanziertes Wohnheim für 26 Menschen mit Behinderung. Einige Plätze sind dort Familien vorbehalten, die die 100 000-Euro-Einlage nicht aufbringen können.

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