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Ein Jahr Future Campus: 70 Schüler der Landkreisschule haben ihr Zeugnis erhalten. 

Ein Jahr „Future Campus“

Das erste deutsche Zeugnis

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Vor einem Jahr sprachen sie kein Deutsch, viele konnten weder lesen noch schreiben. Jetzt halten 70 Flüchtlinge ihr erstes deutsches Zeugnis in der Hand. Das erste Jahr an der Berufsschule des Landkreises hat sie ihrem Ziel ein großes Stück näher gebracht: Sie wollen den Hauptschulabschluss meistern und eine Ausbildung beginnen.

Landkreis/Oberschleißheim – Der „Future Campus“ auf dem Gelände der Jugendbegegnungsstätte am Tower ist nun ein Jahr alt. 70 junge Flüchtlinge zwischen 17 und 25 Jahren aus verschiedenen Ländern mit verschiedenen Sprachen sind zusammengewachsen. Sie alle leben im Landkreis und fahren von Aschheim, Taufkirchen, Grünwald und anderen Gemeinden zur Schule nach Oberschleißheim, wo sie von 8 bis 14.30 Uhr lernen. „Es war ein spannendes Jahr. Es gab schwierige Momente, traurige Momente, aber die schönen überwiegen, die nehmen wir mit. Ihr habt so viel gelernt“, sagt Projektleiterin Berna Arif, „ich bin richtig stolz auf euch, und ihr könnt auch stolz auf euch sein“.

Applaus für jeden, der sein Zeugnis entgegennimmt

Vor einem Jahr benötigten viele bei der Schuleinschreibung noch die Hilfe eines Dolmetschers. „Wir konnten uns kaum verständigen“, erinnert sich Berna Arif. „Unsere Schüler sind viel offener geworden, grüßen und lachen, auch ihr Deutsch hat sich enorm verbessert“, berichtet rückblickend Andreas Biberger, einer der beiden pädagogischen Betreuer.

Die interkulturelle Landkreisschule dient der Berufsorientierung. Deutsch, Mathematik und Landeskunde stehen auf dem Stundenplan, daneben Werken und EDV. 25 der 70 Schüler haben die Lehrer an diesem Tag verabschiedet, sie besuchen im Herbst die Berufsintegrationsschule in Feldkirchen, wo sie sich auf den Mittelschulabschluss vorbereiten. Bei der Zeugnisfeier im Foyer mischen sich Stolz auf das Erreichte und Wehmut über das, was sie zurücklassen – eine intensive Zeit in den Klassenzimmern, die in den Containern hinter der Jugendbegegnungsstätte eingerichtet sind. „Von Weitem ist es ein Gelände mit ein paar Containern“, sagt Jafar (19) aus Afghanistan, „aber dann ist es ganz anders, wenn man reingeht und die anderen Schüler kennenlernt.“

In einer Power-Point-Präsentation schildert er einige dieser Erfahrungen. Der historische Turm vor dem Haus sei zum Symbol für ihre Schule geworden: „Der Aufstieg ist sehr schwer, aber wenn man oben ankommt, sieht man viele neue Perspektiven“. Und sein Mitschüler Jawad (20) sagt: „Wir haben zusammen gelernt und zusammengehalten wie ein Fußballteam.“ In den Schulgärten und Werkstätten für Druck, Keramik, Metall und Holz haben die Schüler Einblicke in verschiedene Ausbildungsberufe bekommen.

Die Präsentation zeigt beeindruckende Bilder von den entstandenen Objekten. Mittags haben die Schüler oft Gemüse gegessen, das sie selbst gezogen haben. „Die Mensa war unser Treffpunkt und der einzige Ort, wo wir keine Aufgabe hatten“, sagt Jawad, und einige Lehrer schmunzeln.

„Die Klasse warunser Lieblingsort.“

Immer wieder applaudieren die Schüler füreinander, wenn einer von ihnen nach vorne kommt und seine Noten entgegennimmt. Im Vergleich zu anderen Zeugnisfeiern, bei denen auch viel gedankt wird, fällt auf, wie oft hier die Schüler Danke sagen. Dafür, dass ihre Lehrer und Betreuer ihnen das nötige Rüstzeug vermitteln, damit sie ihren Traum von einem Berufsleben verwirklichen können. „Die Klasse war unser Lieblingsort“, sagt Jafar, „der Unterricht war oft sehr anstrengend, aber die Lehrer haben uns motiviert.“ Einige junge Männer überreichen ihren Lehrern Blumen und Geschenke. Sie sind dankbar für die Chance und glücklich über den Erfolg, den sie erzielt haben.

Es fällt auf, dass weit mehr Männer als Frauen die Schule besuchen. Zahra ist 18 Jahre und eines der wenigen Mädchen, „wir sind nur vier“, sagt sie. Einige Klassenkameradinnen haben die Schule abgebrochen, zum Beispiel weil sie Mütter wurden. Die junge Afghanin, die in Aschheim lebt, hat ein Zeugnis mit sehr guten Bewertungen erhalten. Was ihr Ausbildungswunsch ist? „Ich möchte Zahnarzthelferin werden“, sagt Zahra. Ein Ziel, das jetzt realistisch geworden ist und zu dem sie in den nächsten zwei Schuljahren aufsteigen will.

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