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Die Bundespolizei ist mit ihrer Fliegerstaffel schon in Oberschleißheim ansässig. Auf dem Areal in Schlossnähe soll nun auch die Hubschrauberstaffel der Landespolizei heimisch werden, zum Ärger der Oberschleißheimer.

Umzug der Hubschrauberstaffel nach Oberschleißheim

Erste Erfolge für den Lärmschutz

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Der Kampf der Oberschleißheimer gegen die Ansiedlung der Landespolizei-Hubschrauberstaffel geht weiter: Die Anwohner hoffen noch immer, den Umzug vom Flughafen München nach Oberschleißheim verhindern zu können.

Oberschleißheim – Nach der zweiten Anhörung der Gegner, muss jetzt die Regierung von Oberbayern über die Umsiedlung entscheiden. Bei den Anwohnern ist die zusätzliche Hubschrauberstaffel nicht willkommen, denn zu den jährlich 2500 Flügen der Bundespolizei sollen noch einmal 3500 der Landespolizei hinzukommen. Mit einer Demo vor dem Bürgerhaus und dezidierten Argumenten im Saal wehrten sich Betroffene gestern beim zweiten Erörterungstermin im Planfeststellungsverfahren. Dabei stand das aktualisierte Lärmgutachten im Mittelpunkt.

Zahl der Übungsflüge wird eingeschränkt

Der Anwalt der Gemeinde, Michael Hofmann, honoriert: „Das aktualisierte Gutachten ist wesentlich besser.“ Trotzdem übt er Kritik: „Die Zahl der Nachtflüge ist im Lärmgutachten mit 420 pro Jahr viel zu niedrig angesetzt.“ Die Statistik, die Staffelleiter Joachim Walzik an die Wand projizierte, belegt dies. „In den vergangenen sechs Jahren gab es mindestens 600 Nachtflüge pro Jahr.“ Hofmann fordert: „Hier muss neu berechnet werden.“

Und noch einen Erfolg kann Oberschleißheim verbuchen: Die Übungsstunden für Piloten der Landespolizei werden im Planfeststellungsbescheid beschränkt. Maximal 17 Stunden pro Jahr dürfen sie in Oberschleißheim üben, falls es zum Umzug kommt. Dieser Wert liegt weit unter der Übungsstundenzahl der ansässigen Bundespolizei. Der Begrenzung hat Staffelleiter Walzik gestern zugestimmt, denn für seine Staffel bedeutet das Limit keine allzu große Einschränkung: Schon heute übt die Landespolizei auf verschiedenen bayerischen Flughäfen.

Und noch einen weiteren Aspekt muss Verhandlungsleiter Ulrich Ehinger von der Regierung von Oberbayern bei seiner Entscheidung hinterfragen: Bei den Angaben zu den Triebwerkstestläufen haben sich gestern Widersprüche ergeben. Bei diesen sogenannten Bodengängen werden am Helikopter Inspektionen bei laufendem Motor an durchgeführt. Während die Bundespolizei diese Testläufe mit zehn Minuten angibt, werden bei der Landespolizei auch 30-minütige Bodengänge in der Statistik geführt. Die Bürger im Saal sind sich sicher: „Das Knattern bei den Bodengängen dauert normalerweise eine halbe Stunde. Das hört man auch nachts.“

Stress für Tiere in der Veterinärklinik

Neben der Landeshauptstadt München bezog eine Handvoll Anwohner dezidiert Stellung, unter ihnen der frühere Chef der Hubschrauberstaffel Paul Schoppmann und der ehemalige Astronaut Ulrich Walter. Umweltschützerin Gabriele Kämpf sagte: „Diese Staffel gehört nicht in ein so dicht besiedeltes Gebiet. Wir im Norden sind das Stiefkind von München.“ Mehr Lärm und Luftverwirbelungen würden bald auch die Lerche aus dem Natura-2000-Gebiet vertreiben. „Warum bleiben sie mit der Staffel nicht am Münchner Flughafen?“, fragte sie. Schoppmann forderte, man sollte alternative Standorte wie Penzing und Oberpfaffenhofen untersuchen, der Flughafen Penzing sei nur „heruntergefahren“. Fritz Kropp fragte: „Warum baut man nicht einen Flughafen im Münchner Süden?“ Auch Ulrich Walter forderte die Standortanalyse.

Karl Schwärzell beklagte den ohrenbetäubenden Lärm bei Trauerfeiern auf dem Friedhof Hochmutting: „Da kommen Trauergäste aus ganz Deutschland, ja ganz Europa. Das ist beschämend für Bayern.“ Für Bürgermeister Christian Kuchlbauer (Freie Wähler) ist vor einigen Jahren eine „politische Entscheidung getroffen worden. Zwei Drittel der Einsatzziele liegen im Süden Münchens, warum die Staffel nicht im Süden von München stationiert wird, ist mit logischen Argumenten nicht nachzuvollziehen.“

Lärmschutzfenster für Hochmutting

Professor Reinhard Straubinger ist Dekan der tierärztlichen Fakultät, die Zug um Zug von der Stadtmitte nach Oberschleißheim verlegt wird. Er führt das Wohlergehen der zu behandelnden Tiere ins Feld: „Wenn die Hubschrauber im Tiefflug über den Campus fliegen, erschrecken die kranken Tiere, vor allem die Pferde.“ Gefährlich sei das auch für das Personal. Aber auch die Lehrveranstaltungen für die bald 1400 Studenten würden durch den Lärm beeinträchtigt.

Ob die Verlegung der Staffel an den Argumenten der Oberschleißheimer scheitert? Immerhin hat das aktualisierte Gutachten ergeben, dass es mit dem Umzug der Staffel nach Oberschleißheim eindeutig lauter wird im Münchner Norden: „Dass die Anwohner in Hochmutting Lärmschutzfenster bekommen, dürfte keine Frage mehr sein“, so das Fazit von Anwalt Michael Hofmann. Ob weitere Ortsteile von Oberschleißheim sowie Feldmoching und Hasenbergl passiven Lärmschutz erhalten? Diese Entscheidung liegt nun bei Verhandlungsleiter Ehinger.

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