Historisches Gebäude an der Freisinger Straße: Die Sanierung des Hauses gefällt den Grünen nicht.
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Historisches Gebäude an der Freisinger Straße: Die Sanierung des Hauses gefällt den Grünen nicht.

„Die Bußgelder sind ein Witz“

Denkmalpflege in Oberschleißheim: „Es ist ein Trauerspiel“

  • VonAndreas Sachse
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Denkmal-Spaziergang: Landtags- und Lokalpolitiker der Grünen fordern mehr Geld für den Schutz historischer Bauwerke.

Oberschleißheim – Vom Schloss über das Prinzregent-Denkmal bis zum privaten Wohnhaus: Kaum eine Gemeinde im Landkreis hat so viele Denkmäler wie Oberschleißheim. Doch der Umgang mit dem geschützten Gut lässt zu wünschen übrig, sagen die Grünen-Politiker. Auf einer Denkmal-Tour wetzten sie die Krallen.

Die Denkmal-politische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion, Sabine Weigand, hatte zum Spaziergang zu mehreren historischen Kleinoden gebeten. Dreieinhalb Stunden lang bewegte sich der Tross durch Oberschleißheim. Vier DIN-A4-Seiten, voll mit geschützter Bausubstanz, hatte der Schleißheimer Landtagsabgeordnete Markus Büchler aufgelistet.

Dass die Gemeinde derart reich an Denkmälern ist, überrascht

Dass die Gemeinde derart reich an Denkmälern ist, überraschte. Um so bedeutsamer ist es den Grünen, mit diesem Schatz zweckgemäß umzugehen. Fast die komplette Gemeinderatsfraktion der Grünen schloss sich dem Spaziergang an. Die Erinnerung an ein altes Münchner Gebäude steckt den Grünen noch tief in den Knochen: das Giesinger Uhrmacherhäusl. Dessen Schicksal ist wohl noch jedem präsent. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion war das 180 Jahre alte Kleinod vor vier Jahren dem Erdboden gleich gemacht worden. Der Eigentümer will davon nichts gewusst haben. Die Chance auf größere Neubauten möchten sich manche Eigentümer alter Gebäude nicht entgehen lassen.

Diese „Wild-West-Manieren“ haben in Oberschleißheim noch keinen Einzug gehalten. Rund läuft es mit dem Denkmalschutz aber trotzdem nicht. Gemeinderätin Ingrid Lindbüchl wusste von Firmen, die sich auf einen fragwürdigen Umgang mit geschützter Bausubstanz spezialisiert hätten. Löcher würden absichtlich in Dächer geschlagen, dann würde man die Zeit und den Regen für sich arbeiten lassen. „Leerstand ist Gift für solche Häuser“, sagte Weigand.

Büchler will „modernen Wohnkomfort mit Denkmalschutz“ in Einklang bringen

Den Grünen gehe es weniger darum, schwarze Schafe an den Pranger zu stellen. Vielmehr will etwa Büchler „modernen Wohnkomfort mit Denkmalschutz“ in Einklang bringen. Am Haus an der Freisinger Straße gegenüber dem Rathaus, wo sich eigentlich ein Positivbeispiel an das nächste reiht, sieht man ganz offensichtlich unsachgemäße Sanierungsarbeiten. Grauer Putz ist dort auf die historische Fassade geschlagen, ein ursprünglich schöner Bau verschwindet.

Weigand weiß um das Dilemma, dem private Eigentümer ausgesetzt sind. „Der Freistaat stellt ihre Häuser unter Denkmalschutz, lässt die Leute dann allein“, sagte sie. Fördergelder würden seit Jahren runtergefahren. „Es ist ein Trauerspiel.“ Hartnäckigen Denkmalschutz-Verweigerern wiederum habe der Staat kaum etwas entgegenzusetzen. „Die Bußgelder sind ein Witz.“ Strafen würden von Bauunternehmen miteingepreist.

Denkmäler schützen: Sabine Weigand und Markus Büchler.

Zurück zur Denkmal-Tour: An der Freisinger Straße entlang, vorbei an den Nummern 7 und 8 mit historischem Mansardwalmdach und neubarockem Ziergiebel, dem Isemann-Haus, in dem Waldemar Bonsels 1912 Biene Maja und ihren Freunden Leben einhauchte, zieht die Grünen-Gruppe weiter zum Schloss. Dabei passieren sie auch den Luitpoldpark, wo der Bildhauer Franz Drexler dem Prinzregent 1913 ein Denkmal schuf.

Grüne: Staat hinkt hinter her

Während Privateigner in eigener Initiative Vorbildliches schaffen, hinke der Staat mit seinen Besitztümern oft hinterher. Die Grünen geben die Hoffnung nicht auf, dass er das Schloss noch aufhübscht. Der südliche Flügel des neuen Schlosses lässt von barocken Festen im Innern träumen. Tatsächlich steht der Kubus seit Längerem leer. Im nördlichen Anbau findet man Verwaltung und Personalwohnungen. „Ein Premium-1A-Standort, 5 Sterne“, sagte Büchler über den Zwilling im Süden.

Ob als Museum oder für Konzerte – es wäre wichtig, Geld in die Hand zu nehmen, damit der Bau nicht weiter vor sich „hin modert“, so die Grünen. Weigands Appell ist an den Staat gerichtet: „Je länger du wartest, desto teurer wird es!“ Gemeinsam mit den Landtags-Grünen planen die Schleißheimer eine konzertierte Aktion: Zeitgleich wollen sie eine Ortsbegehung für Schleißheim beantragen.

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