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Allzeit bereit sind die Freiwilligen Feuerwehren. Fehlalarme mitten in der Nacht „sind jedoch nicht motivierend“, klagt Andreas Meyr aus Oberschleißheim.

Fehlalarme in Flüchtlingsunterkünften

Feuerwehr: „Das geht an die Substanz“

Oberschleißheim - Die hohe Zahl an Fehlalarmen in Flüchtlingsunterkünften geht an die Substanz der Feuerwehren. Bei der Hauptversammlung in Oberschleißheim machte Andreas Meyr seinem Ärger Luft.

Warum rücken grundsätzlich zwei Löschzüge zu Asyl-Containern aus? Diese Frage treibt Andreas Meyr von der Freiwilligen Feuerwehr Oberschleißheim um. „Zwei Löschzüge. Das sind sechs Fahrzeuge für eine einzige Containeranlage“, rechnete er auf der Jahreshauptversammlung vor. Diesen enormen Einsatz von Material und Personal könne er nicht nachvollziehen.

Das Landratsamt in München bestätigt Meyrs Angaben, spricht von einer besonderen Situation bei einem Alarm in Asylbewerberunterkünften. Zu Notunterkünften, wie Containern, Turnhallen oder Traglufthallen, müssten mitunter sogar drei Löschzüge ausrücken. Feuerwehrmann Meyr, den schon die dauernden Fehlalarme mächtig auf die Nieren schlagen, tut sich schwer damit, die Logik besonderer Situationen im Alarmfall nachzuvollziehen. 22 Mal sei 2016 in der soeben aufgelösten Unterkunft auf dem Business Campus in der Nachbarkommune Unterschleißheim Alarm ausgelöst worden. Bei der absolut überwiegenden Zahl habe es sich um Fehlmeldungen gehandelt. „Das ist nicht sonderlich motivierend“, weiß Meyr. Da spielt mal wieder einer mit dem Feuermelder rum. Bei einem anderen ist es heißer Dampf aus der Dusche, der die Sensoren reizt. „Das ärgert mich eben.“

Leerfahrten und Schlafmangel

Rückendeckung erhält Meyr von Herrmann Bayer, Kreisbrandrat a.D. Im Dezember war Bayer aus Altersgründen aus dem Dienst ausgeschieden. Die Hauptversammlung in Oberschleißheim betrachtete er angesichts der brisanten Thematik als letzte Amtshandlung. Seine Fürsorgepflicht nimmt Bayer ernst.

Auch er würde gerne Schluss machen mit dem „Wahnwitz“, wie er sagt. Ob Fehlalarm oder die Anfahrt mit zwei, ja, sogar drei, Löschzügen zu Flüchtlingsunterkünften – den Gedanken, die oftmals traumatisierten Asylbewerber in der Fremde vor Unheil zu bewahren, hält Bayer für ehrenhaft. „Das geht aber auch an die Substanz der Feuerwehr.“

Da empfindet Bayer auch nach seinem Ausscheiden als Kreisbrandmeister noch eine Verpflichtung gegenüber seinen Leuten bei der Feuerwehr. Zudem geht die Rechnung aus Sicht des ehemaligen Kreisbrandmeisters ohnehin nicht auf. Schrillte beispielsweise der Alarm in kürzlich aufgelösten Flüchtlingsunterkunft auf dem früheren EADS-Gelände, dem Business Campus in Unterschleißheim, rücken die Oberschleißheimer mit einem vollen Zug aus. Um den Löschzug der Kameraden aus Unterschließheim zu unterstützen, dürfte die Zeit in aller Regel jedoch nicht reichen. Auch dann nicht, wenn die Oberschleißheimer wie die Berserker durch die Landschaft jagen. „Diese Container brennen wie Zunder“, weiß der langjährige Kreisbrandmeister Bayer: „Entweder man ist gleich dort oder eben nicht.“

Ein „Wahnwitz“, sagt Kreisbandmeister a.D

Und die Freiwillige Feuerwehr kämpft noch mit einem ganz anderen Problem, wie Bayer in Oberschleißheim berichtete: Allein in neun der 22 Alarmfälle aus Flüchtlingsunterkünften in Unterschleißheim rückten die Feuerwehrleute zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens aus. „Wann, bitteschön, sollen die Helfer überhaupt noch schlafen?“ Das wüsste auch Feuerwehrmann Andreas Meyr gern. Die Freiwillige Feuerwehr Oberschleißheim besteht aus ehrenamtlichen Rettern. „Wenn ich ständig in der Nacht raus muss, dann ist irgendwann fertig!“

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