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Herbe Kritik äußert Oberschleißheims Feuerwehr-Kommandant Wolfgang Schnell (2.v.l.)

Herbe Kritik an der Gemeinde Oberschleißheim

Bei der Feuerwehr brennt's

Oberschleißheim – Alte Fahrzeuge, alte Technik, fehlende Unterstützung aus dem Rathaus: Viele Baustellen sieht Feuerwehr-Kommandant Wolfgang Schnell - und scheut keine deutlichen Worte.

Ein Fuhrpark mit Mängeln, veraltete Technik, Kommunikationsprobleme mit dem Rathaus und ein fehlender Fluchtweg: Selten war die Mängelliste der Oberschleißheimer Feuerwehr so lang. Sie präsentierte Kommandant Wolfgang Schnell bei der Jahresversammlung. 

Reichlich Werkstattstunden seien nötig gewesen, um Fahrzeuge einsatzbereit zu halten, „häufige Ausfälle“ nicht zu vermeiden gewesen. Fraglich vor allem, wie lange das 24 Jahre alte Tanklöschfahrzeug TLF 16/25 noch durchhält. Ebenfalls ersetzt werden müssen ein Mercedes-Mehrzweck- und das Löschgruppenfahrzeug LF 16/12. „Es nützt nichts, wenn die Mannschaft fit ist, die Fahrzeuge aber nicht funktionieren.“ Kummer bereitet dem Kommandanten ebenso die veraltete Technik: etwa das Tablet-PC zur Atemschutzüberwachung oder der hydraulische Rettungssatz, für den es keine Ersatzteile mehr geben soll.

Dass Feuerwehrautos 24 Jahre in Betrieb sind, findet Bürgermeister Christian Kuchlbauer (FW) nicht ungewöhnlich: „Sehen Sie sich doch bei den Nachbarn um.“ Ihn erschüttert der Umfang der Wunschliste nicht. „Es ist legitim, dass Feuerwehren die neusten Modelle wollen.“ Um eine optimale Ausstattung zu gewährleisten, sei bereits ein Fachbüro mit der Erstellung eines Bedarfsplans beauftragt worden. Die Ergebnisse sollen spätestens im März vorgestellt werden.

Was den Zustand der Technik im Allgemeinen betrifft, hätte er jedoch erwartet, zeitnah informiert zu werden, kritisierte Kuchlbauer. „Die sind doch direkt nebenan.“ Dass die Feuerwehr unmittelbar vor Beginn der Haushaltsdebatte, die ab Montag im Rathaus geführt wird, mit einer Mängelliste an die Öffentlichkeit tritt, könne durchaus strategische Gründe haben, glaubt Kuchlbauer.

Kommandant Schnell dementiert: Nicht zum ersten Mal habe man den Zustand des Löschfahrzeugs angemahnt, aber „Ersatz wurde abgelehnt“. Es sei Aufgabe der Gemeinde, genügend Mittel bereit zu stellen. 

Auch bauliche Mängel in der Einsatzzentrale ärgern den Kommandanten. Die an der Westfassade angebrachte Leiter soll den fehlenden Fluchtweg im zweiten Stock des Gerätehauses ersetzen. Das vom Rathaus installierte Provisorium weise „erhebliche Fehler auf“. So ließ sich die Rettungstür zunächst nicht öffnen, da die Fluchtleiter zunächst zu hoch angebracht worden war. Der Mangel ist inzwischen behoben. Dafür öffnet die Tür nicht mehr vollständig, der Rahmen schlägt gegen die Leiter. Wer es im Ernstfall schafft, sich durch den Spalt auf die Leiter zu zwängen, tritt auf rutschiges Blech statt auf Gitterrost. „Schnee bleibt liegen, Wasser gefriert“, warnte Schnell.

Das Problem des Rettungswegs ist Kuchlbauer bekannt. Die Verantwortung dafür lehnt der Bürgermeister aber ab: „Wissen Sie, wie alt die Geschichte ist?“ Schon unter Bürgermeister Hermann Schmid (1976 bis 1996) sei der Mangel beklagt worden. „Wir haben letztlich festgestellt, dass da oben aus der Rettungstür keiner rauskommt – nicht die Feuerwehr.“ Der Anschluss der Leiter sei vor seiner Zeit vermasselt worden. „Die Höhe passte nicht. Die Leute hätten außerdem einen Meter springen müssen."

Ebenso wichtig wie Technik und Fuhrpark ist dem Kommandant seine Mannschaft. Erhebliche Defizite beklagt Schnell im Umgang der Gemeinde mit Aktiven, die ihr Brot im Rathaus verdienen. Feuerwehrleute seien angeschrieben worden, dienstliche Belange hätten Vorrang. „Wie soll man da Geschäftsleuten klar machen, dass sie Mitarbeiter bei einem Alarm freistellen sollen?“ Unterstützung erfuhr Schnell von Kreisbrandmeister Hermann Bayer: Aktive mit Dienstanweisungen unter Druck zu setzen, sei kontraproduktiv.

Der Darstellung Schnells, Betroffene seien „verängstigt und eingeschüchtert“ worden, widerspricht der Bürgermeister mit Nachdruck. „Wir haben darauf bestanden, dass Mitarbeiter sich abmelden, wenn sie ausrücken.“ Daran sei nichts Ungewöhnliches.

Der Kommandant wie auch der Kreisbrandmeister geben sich aber zuversichtlich, Probleme in der Kommunikation lösen zu können. „Die ganze Sache ist hoch gekocht“, meint Feuerwehr-Sprecher Hubertus Korste um Ausgleich bemüht: „Wir finden eine Lösung.“ Der Hoffnung, Feuerwehrleute mit preisgünstigen Wohnungen zu versorgen, schob Kuchlbauer jedoch einen Riegel vor. Wohnraum der Gemeinde sei begrenzt und vor allem für Kindergärtnerinnen bestimmt. Durch Wohnungsnot hatte die Wehr zwei Gruppenführer, darunter den Jugendwart, im abgelaufenen Jahr verloren.

Andreas Sachse

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