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Immer wieder ein Ärgernis: Der Stau am Bahnübergang in Oberschleißheim. Die Tieferlegung der Schienen samt unterirdischem Bahnhof gilt als Lösung des Problems. Bisher. Denn jetzt ist ein zweiter Bahnhof, im Süden des Ortes, im Gespräch. Eine Idee, die nicht konform geht mit den Forderungen der Bahn. 

Gemeinderäte fordern zweiten Bahnhof

Mit der Forderung nach einem zweiten Bahnhof geht der Oberschleißheimer Gemeinderat auf Konfrontationskurs zur Bahn. Die Fraktionen verlangen alternative Ausbauvarianten und lassen sich nicht mit der von Freistaat und Bahn vorgegebenen Version abspeisen. Bürgermeister Christian Kuchlbauer sucht einen Kompromiss.

Oberschleißheim – Gegen die Empfehlung Kuchlbauers beschlossen die Gemeinderäte im Umwelt- und Verkehrsausschuss in einer Sondersitzung, einen Süd-Bahnhof als zusätzliche Variante zu prüfen. Gemeinderäte aller Fraktionen und als Sachverständige geladene Mitglieder der Initiative „Bahn im Tunnel“ und der Agenda-Projektgruppe „Verkehr und Ortsentwicklung“ sprachen sich für den zweiten Halt im Süden der Gemeinde aus. Der zweite Bahnhof soll Gäste des Gewerbegebiets sowie Schloss-Besucher bedienen. Vor allem aber soll der Süd-Halt den Campus erschließen. Die vielfach kritisierte Verschiebung des Bahnhofs unter die B 471 spielt in dieser Variante keine Rolle mehr.

Aus Gesprächen mit Bahn und Freistaat aber weiß der Bürgermeister, dass die Bahnhofs-Verlegung zentrale Bedingung der Bahn ist. Seit Monaten verweist er bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf die Forderung der Bahn: „Ohne Verlegung kein Trog.“

Der Hoffnung, die Bahn möge sich mit einem Kompromiss bescheiden, ist Kuchlbauers Vorschlag geschuldet: Der Bahnhof soll nicht ganz bis unter die B 471 verschoben werden, sondern auf einen Punkt irgendwo zwischen Bundesstraße und gegenwärtigem Standort. Nach wie vor nämlich hätte Kuchlbauer den Süd-Bahnhof gern als bloßes Druckmittel in der Hinterhand behalten. Im Rahmen der Zielvereinbarung, die der Universität vor einigen Jahren ausreichend Flächen für den Campus zusicherte, war der Gemeinde tatsächlich ein zweiter Halt versprochen worden. Diese Zusage würde er der Bahn gern in Erinnerung rufen, wenn es irgendwann ums Geld geht.

Das Druckmittel entfiele, sobald Oberschleißheim auf den zweiten Halt besteht. So weit ist es noch nicht. Der Beschluss des Ausschusses sieht vor, die neuen Variante zu prüfen. Sollte der Gemeinderat pro Süd-Bahnhof entscheiden, müsste Kuchlbauer als Bürgermeister mitziehen. Trotz wiederholter Mahnungen stellte er klar, sich seiner Pflichten bewusst zu sein: „Wenn der Gemeinderat die Tieferlegung mit Verschiebung nicht will, muss ich damit leben.“ Er halte das aber für den falschen Weg. „Wir begeben uns damit in den Bereich der Hoffnung.“ Der Hoffnung, die Bahn könnte sich umstimmen lassen.

Die Entscheidung im Gemeinderat für die von der Bahn favorisierte Ausbauvariante „1b+“ fiel im vergangenen Oktober einstimmig. In sechs Metern Tiefe soll der Bahnhof unter die B 471 verschoben werden. Der Trog, die tiefergelegte Schiene, misst von Nord nach Süd 1,7 Kilometer. Die leidige Bahnschranke würde dank Trog der Vergangenheit angehören, und das ist es, worauf es den Oberschleißheimern eigentlich ankommt.

Inzwischen sieht man „Variante 1b+“ mit anderen Augen. Schon kurz nach der Entscheidung vom 25. Oktober häuften sich kritische Kommentare. Infolge der Bahnhofsverlegung würde der Norden Oberschleißheims, und damit die neuen Siedlungsgebiete im Nordwesten, abgehängt. Zudem fehle es an Konzepten, einen Bahnhof unter der B471 nahverkehrstechnisch zu erschließen. Von den im Oktober vorgestellten Varianten sei „1b+“ sicher die beste gewesen, fasste SPD-Sprecher Florian Spirkl die Ausschuss-Meinung zusammen. „Deshalb ist es aber noch lange keine gute Lösung für Oberschleißheim.“

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