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Ankunft in Oberschleißheim: Kardinal Reinhard Marx betritt das wetterfeste Zelt, in dem er auch seine Predigt hält.

Hans-Scherer-Haus feiert Jubiläum: Kardinal Marx dankt für Nächstenliebe

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Oberschleißheim - Zum 60-jährigen Bestehen des Hans-Scherer-Hauses hat Kardinal Reinhard Marx die frisch sanierten Gebäudeteile auf der als „Kloster Mittenheim“ benannten Anlage gesegnet. Weit über 100 Gäste feierten ein doppeltes Jubiläum: Das Kloster wird im September 300 Jahre alt.

 Der Begriff der doppelten Hochzeit ist bekannt. Zwei Paare tun sich zusammen, um das Fest ihres Lebens zu feiern. Diese Feier hatte einen ähnlichen Anlass, den doppelten Geburtstag. Glückwünsche nahm der Katholische Männerfürsorgeverein (KMFV) entgegen. Die gut gemeinten Worte reichte KMFV-Vorstand Ludwig Mittermeier sogleich an die Bewohner weiter: Durchweg 60 wohnungslose und allein stehende Männer mit Alkoholproblemen werden in der Anlage betreut. 16 von ihnen ziehen um in die neuen Appartements im sanierten, früheren Verwaltungsgebäude. Die Kosten für den Umbau betragen rund drei Millionen Euro. 1,2 Millionen Euro übernahm das Erzbischöfliche Ordinariat. Weitere 250 000 Euro kamen von der „Aktion Mensch“.

Ohne die Bewohner wäre das Fest nicht vorstellbar, sagte Mittermeier. Ausdrücklich lobte er die Mühen, die die Männer in die Vorbereitungen gesteckt hatten. Gerade das wetterfeste Zelt auf dem Hof, zwischen dem neuen Wohntrakt und dem Öko-Laden von Landwerk, erwies sich als nützlich. Es regnete in Strömen. Und es war so kalt, dass man den eigenen Atem sehen konnte. Gut 150 Gäste lauschten im Zelt der Messe von Kardinal Reinhard Marx, dem ebenfalls daran gelegen war, die Bewohner des Hans-Scherer-Hauses in den „Mittelpunkt der Veranstaltung“ zu stellen. Marx dankte allen Engagierten des katholischen Männerfürsorgevereins, „die sich dem Handeln für die Liebe“ verschrieben. In durchaus kritischem Unterton beklagte Marx aber auch eine Gesellschaft, in der Menschen ohne eigenes Verschulden auf dem Abstellgleis zu landen drohen.

Jobverlust, Krankheit, Scheidung: „Wie schnell passiert es, dass einer aus der Bahn geworfen wird“, stimmte Bezirkstagspräsident Josef Mederer (CSU) zu und ergänzte: „Der KMFV leistet da großartige Arbeit.“ Begleitet Menschen in der Krise, hilft ihnen, wieder Fuß zu fassen. „Macht Menschen wieder fit für die Gesellschaft.“

Die ganze Mühe freilich, das Engagement so vieler, droht durch das Problem der akuten Wohnungsnot in der Region zunichte gemacht zu werden. „Wir müssen bezahlbaren Wohnraum schaffen für alle, die ein Dach über dem Kopf brauchen“, hatte Marx in seiner Predigt gefordert und die Kirche dabei nicht ausgenommen. „Ein ganzes System ist verstopft“, stellte Mederer fest: „Was nützt es, Menschen fit zu machen für die Gesellschaft, wenn sie nicht in den Alltag zurückkehren können, weil es keine bezahlbaren Wohnungen gibt.“

Das Hans-Scherer-Haus bietet Therapie und Nachsorge an einem Ort. In Werkstätten, im ökologischen Anbau und bei der Landwerk-Verkaufsstelle trainieren die Männer Alltag, verdienen etwas Geld. Bürgermeister Christian Kuchlbauer (FW) gefällt, einen so tatkräftigen, sozial tätigen Verein in seiner Gemeinde zu wissen. Mit dem Ergebnis der Sanierungsarbeiten ist er mehr als zufrieden:. „Schmuckstücke der Einrichtung“ seien entstanden, stellte Kuchlbauer fest.

Was den doppelten Geburtstag betrifft, hatte Landrat Christoph Göbel (CSU) einiges beizutragen. Seit ein paar Tagen zeigt das Landratsamt in der Ausstellung „Freiraum“ Werke aus der Kunsttherapie von St. Benno. Das St. Benno-Haus, eine Langzeiteinrichtung des KMFV in Oberschleißheim, feier heuer seinen 20. Geburtstag, erinnerte der Landrat. So gesehen gab es gestern in Mittenheim einen Dreifachgeburtstag zu feiern.

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