„Das bayerische Impfmanagement zieht mir die Zehennägel hoch“, sagt Fritz-Gerrit Kropp.
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„Das bayerische Impfmanagement zieht mir die Zehennägel hoch“, sagt Fritz-Gerrit Kropp.

Registrierungsportal „BayIMCO“

Hausarzt sucht Impfberechtigte: „Bayerisches Impfmanagement zieht mir Zehennägel hoch“

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Arzt Fritz-Gerrit Kropp soll Impfstoff an über 80-Jährige verimpfen. Die sind fast alle geimpft. Weil er die Impfsoftware nicht nutzen kann, sucht er nun selbst Patienten.

Oberschleißheim – Das Impfchaos geht weiter, zumindest für die Hausärzte im Landkreis. Die Mediziner sollen künftig einen Großteil der Menschen gegen Covid-19 impfen. Sie sind vom Gesundheitsministerium dazu angehalten, erst die Priorisierungsgruppe 1 zu impfen. Das sind vor allem Bürger über 80 Jahre. Der Impfstoff soll kommende Woche in den Praxen eintreffen, die Mediziner haben aber Probleme, ungeimpfte Menschen der Prio-Gruppe 1 zu finden. So wie Fritz-Gerrit Kropp aus Oberschleißheim.

„Vermutlich gibt es noch genügend über 80-Jährige“, sagt Kropp. Die Mitarbeiter seiner Gemeinschaftspraxis können sie aber nicht finden. „Wir müssen unsere Kartei durchforsten und alle über 80-Jährigen anrufen“, erklärt der angestellte Arzt. Kropp hat auch Bekannte auf der Straße angesprochen. Fast immer komme die Antwort: „Ich wurde schon geimpft.“

Hausärzte haben keinen Zugriff auf „BayIMCO“

Die Suche nach über 80-Jährigen ist deshalb so aufwendig, weil Hausärzte keinen Zugriff auf „BayIMCO“ haben, das Registrierungsportal des Freistaats. Hier sind alle geimpften Bürger verzeichnet. Ein Zugriff auf die Daten würde die Suche der Hausärzte vereinfachen. Den Zugang haben die Ärzte aber nicht.

„Das bayerische Impfmanagement zieht mir die Zehennägel hoch“, sagt Kropp. Wenn künftig in den Praxen geimpft wird, müsse sogar ein Mitarbeiter des Impfzentrums anwesend sein, um die „Bürokratie mit den Patienten zu machen“, so der Arzt.

Impfzentrum-Leiter: „Die Suche nach über 80-Jährigen ist ein Riesenaufwand“

Friedrich Kiener, selbst Hausarzt und Leiter des Impfzentrums in Unterschleißheim, berichtet von ähnlichen Problemen. „Die Suche nach über 80-Jährigen ist ein Riesenaufwand.“ In seiner Praxis in Unterschleißheim habe er mit zwei Mitarbeitern drei Stunden lang potenzielle Impfberechtigte angerufen. Die Sondierung sei „mehr Aufwand als die ganze Impferei“.

Für ihn macht die strenge Priorisierung nach Geburtsdatum wenig Sinn: Lieber impft er einen erkrankten 75-Jährigen als einen aktiven 81-Jährigen. Ende April, dann seien alle über 80-Jährigen geimpft, schätzt Kiener. Danach ist Gruppe 2 dran: Zu ihr gehören etwa 70 bis 80-Jährige, Menschen mit Trisomie 21 und Demenzkranke.

Impf-Priorisierung: Wie akribisch Hausärzte suchen müssen, ist nicht festgelegt

Hausärzte könnten es sich nun leicht machen, und einfach unter 80-Jährige impfen. Sie sind aber strikt angehalten, erst Menschen der Gruppe 1 zu impfen. „Auch bei den Ärzten gilt die Priorisierung nach der Coronavirus-Impfverordnung als Grundlage weiter“, schreibt das bayerische Gesundheitsministerium auf Anfrage. Hat der Arzt aber alle Patienten durchtelefoniert, dürfe er auch die Gruppe 2 impfen, teilt eine Sprecherin des Landratsamts München mit. Wie akribisch Hausärzte dabei suchen müssen, ist nicht festgelegt.

Viele Menschen können Kropp und seine Kollegen kommende Woche ohnehin nicht impfen. In der ersten Woche bekommt die Praxis nur 20 Impfdosen.

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