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Christine Fichtl-Scholl hört nach zehn Jahren auf. 

„Ärger und Enttäuschung“ zu groß

Heftige Kritik am Bürgermeister: SPD-Rätin wirft hin

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Nach zehn Jahren wirft die SPD-Rätin Christine Fichtl-Scholl das Handtuch. Zum Abschluss geht sie mit dem Bürgermeister hart ins Gericht.

Oberschleißheim – Mit heftigen Vorwürfen gegen das Rathaus tritt SPD-Gemeinderätin Christine Fichtl-Scholl (56) nach zehn Jahren von ihrem Amt zurück. Bürgermeister Christian Kuchlbauer (FW) vermutet interne Zwistigkeiten innerhalb der SPD. Fichtl-Scholl hingegen spricht von „Enttäuschung“ und „Ärger“, der sich über viele Monate aufgestaut, „und den ich einfach nicht mehr weggebracht habe“ – und der sich gegen den Rathauschef richtet.

Irgendwann, habe sie lange gedacht, „muss dass doch mal besser werden“. Der Umgang mit der Tieferlegung der Bahn, wo der Bürgermeister nicht kompetent genug verhandelt habe. Beim Stutenanger und geplanten Wohngebiet in Mittenheim, wo es so viel Zeit und Kraft gekostet habe, Kuchlbauer auf Mängel in den Plänen hinzuweisen. Dann der ständige Personalwechsel im Rathaus und Fehler der Verwaltung, die sie selbst zu spüren bekommen habe. Nachdem im Rathaus Baupläne ihres Nachbarn vertauscht worden waren, habe sie einen Stellplatz verloren, der Nachbar dafür eine Zufahrt erhalten. 

Am schlimmsten aber findet sie, dass die Sache nie geklärt wurde. Bis heute sei sie mit dem Nachbarn im Unreinen. „Wir reden kein Wort miteinander.“ Trotz mehrfachen Bittens, sich dem Nachbarn zu erklären, habe das Rathaus nicht reagiert. „So viel Rückgrat hätte ich erwartet“, sagt Fichtl-Scholl: „Da kam aber nichts.“ Im Laufe der zurückliegenden Jahre seit dem Amtsantritt Kuchlbauers habe sich ihre Enttäuschung manifestiert. „Nach Sitzungen bin ich oft daheim gesessen, habe innerlich getobt.“ Letztlich sei ihr nichts anderes übrig geblieben als die Konsequenzen zu ziehen. Die 56-jährige Arzthelferin nannte offiziell gesundheitliche Gründe: Nächte lang habe sie nicht schlafen können. „Ich bin wirklich zermürbt.“ Sie betont: Ihr sei nicht daran gelegen, den Bürgermeister in Verruf zu bringen. „Aber ich musste mich entscheiden.“ Die Genossen in der Fraktion hätten ihr geraten, mal abzuschalten. „Doch diesen Schalter habe ich einfach nicht gefunden.“ Nach zehn Jahren mit so einem Gefühl aus dem Gemeinderat zu scheiden, macht ihr zu schaffen. „Mir wurde klar, dass ich was verloren habe.“ Sie sei gern Gemeinderätin gewesen. „Da bleibt nur eine tiefe Traurigkeit.“

Kuchlbauer weist die massiven Vorwürfe zurück. „Ich stehe dafür, dass sich in Oberschleißheim etwas bewegt.“ Kinderkrippe, Wohnbau, Gewerbe: Es sei ja nicht so, als wäre in den vergangenen drei Jahren nichts passiert. Für die vertauschten Anträge stehe er als Bürgermeister in der Verantwortung, keine Frage: „Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler.“ In Bezug auf den Trog jedoch sollten die Fraktionen sich mal einig werden: Tieferlegung mit Verschiebung des Bahnhofs, mit zweitem Halt oder nur der zweite Halt.. Und Mittenheim? „Das ist die letzte Möglichkeit, zu erweitern.“ Es könne doch nicht angehen, der Jugend keine Wohnungen anzubieten. „Dass die Vorwürfe so ins Persönliche gehen, mich für gesundheitliche Folgen verantwortlich zu machen, das hat mich sehr getroffen.“

Für Fichtl-Scholls Kritik macht Kuchlbauer vielmehr Zerwürfnisse innerhalb der SPD verantwortlich. Warum wohl sei der Vorstand ausgetauscht worden? Warum sonst hätten zwei Nachrücker abgelehnt, ihr in den Gemeinderat zu folgen?, fragt er. SPD-Fraktionschef Florian Spirkl reagierte überrascht: „Das ist die Meinung des Herrn Bürgermeisters, und der Bürgermeister kann meinen, was er will.“ Der Vorwurf sei aber unrichtig. Nur der Vorsitzende sei aus beruflichen Gründen nicht mehr angetreten. Deshalb habe Andreas Hofmann auch als Nachrücker verzichten müssen. „Man kann die Schuld immer bei anderen suchen“, schiebt Fichtl-Scholl nach. „Genau dass ist sein Problem.“ Für sie rückt nun Sebastian Riedelbauch nach. Der 33-Jährige saß schon von 2008 bis 2014 für die SPD im Gemeinderat.

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