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In den Expositionskammern des Helmholtz Zentrums wird untersucht, wie Pflanzen auf Umwelteinflüsse reagieren. 

Helmholtz Zentrum in Oberschleißheim

In einer Forschungsliga mit Max Planck und Fraunhofer

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Allergien, Diabetes, Lungenerkrankungen: Am Helmholtz Zentrum in Oberschleißheim forschen Wissenschaftler an Therapien für unheilbare Krankheiten. Neben dem Fraunhofer- und Max-Planck-Institut geht das Zentrum oft unter. Dabei werden dort große Erfolge erzielt. 

Oberschleißheim – Optisch erinnert Gebäude Nummer 22 an einen Bürokomplex aus den 70er-Jahren, Typ Betonklotz. Triste, gräuliche Fassade, Flachdach, gläserne Türen. Im Inneren grüßt ein auf Hochglanz polierter Steinboden. Der Eingangsbereich versprüht den Charme einer biederen Stadtverwaltung. Von moderner Wissenschaft, wie sie hier am Helmholtz Zentrum München in Oberschleißheim betrieben wird, auf den ersten Blick keine Spur. Die versteckt sich ein paar Meter weiter, hinter zwei schweren Metalltoren.

In der Kuppel des ehemaligen Forschungsreaktor-Gebäudes reihen sich auf zwei Etagen dutzende Labors aneinander. Von außen sehen sie aus wie einer dieser überdimensionalen, begehbaren Kühlräume in einer Hotelküche. Statt Feinkost lagern hier allerdings Pflanzen in Vitrinen. In diesen sogenannten Expositionskammern können die Wissenschaftler untersuchen, wie Pflanzen auf wechselnden Umweltbedingungen reagieren. UV-Licht, Stickoxide: All das kann in den Kammern künstlich reguliert werden.

Gebäude 22 mit seinen Expositionskammern ist eines von rund 70 auf dem Forschungscampus des Helmholtz Zentrums im Oberschleißheimer Gemeindeteil Neuherberg. Es ist einer der Forschungsstandorte in der Region München. Hier betreiben die Wissenschaftler zukunftsweisende Forschung in Sichtweite zur Allianz Arena. Anders als die Stars des FC Bayern steht das Zentrum aber nicht derart permanent im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit.

Hidden champion zwischen FCB und Landeshauptstadt

Max-Planck- und Fraunhoferinstitut sind jedem ein Begriff. Das Helmholtz Zentrum geht ein wenig unter. Ein so genannter „hidden champion“ – mit großen wissenschaftlichen Erfolgen. Das Areal erstreckt sich von der Ingolstädter Landstraße in Richtung Allianz Arena. 52,3 Hektar groß, Arbeitsplatz für 1700 Mitarbeiter, verteilt auf 31 Institute. Geforscht wird in allen Disziplinen rund um die Themen Gesundheit und Umwelt. Diabetes, Lungenerkrankungen und Allergien zählen dabei zu den Steckenpferden.

Ansässig ist der Vorläufer des Helmholtz Zentrums, die Versuchs- und Ausbildungsstätte für Strahlenschutz, in Neuherberg schon seit 1960. Seither ist das Gelände sukzessiv aus- und umgebaut worden, trug verschiedene Namen. Seit 2008 ist es offiziell nach dem deutschen Physiker Hermann von Helmholtz benannt. Heute arbeiten die Wissenschaftler auf dem Campus daran, Diagnose, Prävention und Therapien für bisher unheilbare Krankheiten zu finden. 

Neuer Diabetes-Campus für 48 Millionen

Beispiel Diabetes: Das Institut für Diabetesforschung arbeitet gerade an einer Therapie, die den Ausbruch der Erkrankung bei genetisch vorbelasteten Kindern verhindern soll. An der Infrastruktur fürs Forschen wird derzeit gebaut. Für rund 48 Millionen Euro entsteht der Helmholtz Diabetes Campus, ein futuristisches Glasgebäude, das schon mehr nach moderner Wissenschaft ausschaut als Gebäude 22.

Das Leuchtturmprojekt steht beispielhaft für die Entwicklung, die das Helmholtz Zentrum gerade nimmt. Das Gros der Mitarbeiter, die derzeit noch an Standorten über München verstreut forschen, sollen auf lange Sicht in Neuherberg konzentriert arbeiten. Die Vorteile: kürzere Wege, engerer Kontakt, mehr Synergien. Von diesen Vorteilen profitiert schon Simon Blank. Sein Spezialgebiet: Bienengift. Der promovierte Biochemiker arbeitet am Institut für Allergieforschung (IAF). Dort erforschen 45 Wissenschaftler v Allergieformen: gegen Pollen, Hausstaub oder eben Bienen. „Da ergeben sich immer wieder Überschneidungspunkte“, sagt Blank. Auch deshalb sei das Allergieinstitut „ein Schwergewicht der Allergieforschung“ in Deutschland. Blank selbst hat mit seiner Arbeitsgruppe zum Beispiel erst kürzlich nachweisen können, dass Immuntherapien gegen Bienenstiche unter Umständen nicht immer das halten, was sie versprechen.

Blanks Kollegen, die sich mit der Pollenallergie beschäftigen, nutzen auch die Expositionskammern in Gebäude 22. Sie begasen Pflanzen mit Stickoxiden. Die Ergebnisse sind schlechte Nachrichten für alle Allergiker: Durch das Mehr an Stickoxiden in der Luft, die durch Autoabgase ausgestoßen werden, produzieren Pflanzen mehr Allergene, die Pollen werden deutlich aggressiver.

Helmholtz Zentrum in Zahlen

gegründet: 1960; Standorte: Neuherberg, Großhadern, München, Hannover, Augsburg, Dresden Tübingen, Leipzig; Institute und Abteilungen 56 (deutschlandweit); Mitarbeiterzahl gesamt: 2264; Finanzvolumen: 270 Millionen Euro; Auszeichnungen:

Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preise der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Erwin-Schrödinger-Preise des Stifterverbands für Wissenschaft, Starting Grants, Consilidator und Advanced Grants des European Research Council, Alexander-von-Humboldt-Professur.

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