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Feel Home Häuser wie hier in Höhenkirchen-Siegertsbrunn gibt es jetzt auch in Oberschleißheim.

Immer wieder verschoben

„Holzgarten“: Einzug nach vier Jahren

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Vier Jahre mussten die Geflohenen auf die feste Unterkunft an der Bahnhofstraße in Oberschleißheim warten, jetzt können sie endlich einziehen.

Oberschleißheim – Nach vier Jahren ist es endlich soweit. Die feste Flüchtlingsunterkunft an der Bahnhofstraße in Oberschleißheim ist eröffnet. Seit Dienstag ziehen nach und nach die ersten Bewohner ein: 30 Syrer aus Unterschleißheim und Flüchtlinge aus den Containern am Heuweg. Die erstmal rund 130 Bewohner, darunter viele anerkannte Geflüchtete, leben in sechs Holzhäusern von „Feel Home“. Zwei Gebäude bleiben vorerst frei, womöglich für den Familiennachzug.

Nach vier langen Jahren, drei kalten Wintern für die Asylbewerber in Containern am Heuweg und einer Unzahl von Gesprächen, konnten die in Modulbauweise errichteten Häuser nun endlich eröffnet werden. Zig Briefe waren dazu vorab zwischen Freistaat, Schlösserverwaltung, Projektverwalter „Ehret + Klein“ und der Gemeinde nötig: Schimmel, der Baustopp für Flüchtlingsunterkünfte durch die Bezirksregierung im April 2016, Kampfmittelräumung, Natur- und Denkmalschutz-Belange im „Holzgarten“ an der Bahnhofstraße beschäftigten die Beteiligten und verzögerten den Bau immer wieder.

Die ansehnliche, dorfähnliche Siedlung mit Grün und einem Spielplatz an der Bahnhofstraße bietet knapp 200 Flüchtlingen Platz. Für 192 Bewohner sind die zweistöckigen Häuser ausgerichtet, jedes mit vier Wohnungen für jeweils acht Personen. In einem weiteren Gebäude sollen Sozialbetreuung, Helferkreis und – bei Bedarf – Security Platz finden. Jede Wohnung hat zwei Schlafzimmer mit je vier Betten; es gibt einen Gemeinschaftsraum, der als Küche und Waschraum dient, sowie zwei Badezimmer mit Dusche und WC – im Erdgeschoss sogar behindertengerecht, sagte Florian Rockmeier, Teamleiter von „Ehret + Klein“, bei der Eröffnung.

Oberschleißheim:  Langes Warten aufs Asyldorf

Nach Schimmelbefall in einem Bad einer Feel-Home-Unterkunft in Planegg und Problemen mit der Belüftung wurden mehrere Unterkünfte im Landkreis saniert. In Oberschleißheim, dem zehnten Standort von „Ehret + Klein“, reagierte der Bauträger darauf mit „aktiver Belüftung“ von Beginn an. Diese schaltet sich bei Bedarf automatisch ein, erläuterte Rockmeier während der Besichtigung.

Peter Lemmen, Koordinator des Helferkreises, der unlängst Abschied aus dem Gemeinderat nahm, hat die Container am Heuweg vor Augen, als er anerkennend feststellt, dass sich hier nur acht Leute eine Küche teilen müssen. „Drüben waren es 40.“ Klar, dass es in den beengten Verhältnissen in den Containern manchmal gekracht habe. Trauriger Höhpunkt: Im Dezember 2017 eskalierte ein Streit unter zwei Senegalesen, bei dem ein 33-Jähriger seinem Landsmann (37) ein Messer in den Rücken rammte. Bemerkenswert findet Lemmen aber dennoch, dass den Schleißheimern böse Erlebnisse erspart blieben.

Interview: Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge fehlt

Böse Überraschungen erlebte der Ehrenamtliche eher von anderer Seite: Anonyme Hassbriefe fand Lemmen in seinem Briefkasten, auch die Gemeinde erreichten Schreiben mit einem Inhalt frei nach dem Motto: Ich habe ja nichts gegen Flüchtlinge, aber muss das vor meiner Tür sein? „Unwissenheit und Dummheit“, sagt Sozialamtschefin Brita Janßens dazu knapp. „So was landet bei mir gleich im Papierkorb.“ Von derlei Stimmungen war am Eröffnungstag der Feel-Home-Siedlung nichts zu spüren. Über 100 Schleißheimer drängten sich durch die Häuser, die der Landkreis für 345 Euro pro Person und Monat mietet. Landrat Christoph Göbel (CSU) übrigens war am Mittleren Ring im Feierabendverkehr stecken geblieben, sodass seine Rede als Hausherr ausfiel.

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