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Imposante Kulisse: Edeldamen aus dem Allgäu hoch zu Ross vor dem Schloss.

Jagd- und Kutschengala im Schlosspark Schleissheim

Edle Damen, rassige Rösser und knallharte Burschen alter Zeiten

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Oberschleißheim - Vom Barock bis zur Kaiserzeit: Wer sich wohlfühlt in alten Zeiten, war gestern im Schleissheimer Schlosspark genau richtig. Die Historische Jagd- und Kutschengala entführte so viele Besucher wie selten in das Leben früher.

Historische Kutschen, edle Pferde, schneidige Kürassiere in Uniform, elegante Damen hoch zu Ross, eine Greifvogelshow und eine Schleppjagd: Nur das Wild blieb entspannt; denn natürlich wurde gestern am Schloss Schleissheim kein echtes Tier gejagt gebracht. Der Köder, der den Hasen ersetzte, war das einzig Unechte an diesem Nachmittag bei der Historische Jagd- und Kutschengala, bei der so viele Besucher wie selten vorbeischauten.

Kutsche aus Ohio als Notarztwagen

Gleich hinter dem Eingang zum Schlosspark entspannt Hans-Jörg Wildung im Zweispänner. Wie ist die Sicht vom Kutscherbock? Wildung grinst freundlich. Er kennt solche Sprüche. Wildung ist Verwalter auf Schloss Kühlenfels in der fränkischen Alb. Sein Hobby sind Pferde und Kutschen, die er mit Freunden restauriert. Sein blank gewienertes Gefährt stammt aus Ohio; „Baujahr 1902“, sagt er stolz. „Ein echter Doktor-Wagen.“ Drei Generationen von Medizinern sind mit der Kutsche zu Patienten geeilt. „Original Pura Raza Espanola“, schiebt er nach und deutet mit einem Kopfnicken auf die spanischen Pferde, die angespannt auf sein Zeichen warten.

In Fahrt: die Kutschen im Schlossgarten.

Hof amüsiert sich über Punktepferde

Nur ein paar Meter weiter redet Sandra Mertins auf Damen im Sattel ein. Bald startet das Programm. Die Chefin der „Allgäuer Showpferde“-Gruppe geht ihnen den Ablauf Punkt für Punkt durch. Die Reiterinnen aus Bayern und Baden-Württemberg stehen auf Barock. „Das verbindet uns“, sagt Mertins. Die Gelegenheit, sich in Oberschleißheim im Gewand der Zeit zu präsentieren, mit ihren Pferden unterm Damensattel, hätten sie sich niemals entgehen lassen. Der Knabstrupper spürt, das es losgeht, scharrt mit den Hufen, schnaubt. Die so Königspferde, eine dänische Barockpferderasse, waren sehr beliebt. Die Hofgesellschaft fand es amüsant, sich Schimmel mit schwarzen Punkten zu halten.

Harte Burschen aus dem Osten

Die Männer unterm Springbrunnen sind aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. Im jagdgrünen Waffenrock hocken sie auf ihren Rössern, die Karabiner am Sattel, links im Schaft einen Säbel. Jiri Votava und Radek Teichman sind aus 

Harte Typen: die Tschechen aus dem Husarenregiment.

Tschechien und gehören zum österreichischen Husarenregiment Nr. 9. Wind kommt auf, peitscht den Husaren das Wasser der Fontäne ins Gesicht. Die harten Kerle stört’s nicht, sie bleiben ungerührt, stolz zu Pferde. Fotoapparate klicken, das Blitzlicht spiegelt sich im Auge des Haudegens wider. Schulterlange Zöpfe schmücken Jiri Votava, den ältesten der Truppe. Man fragt sich, wie viele Gegner wohl mit seinem Säbel Bekanntschaft machten.

Die Bulldogge, der Meutehund

Irgendwo explodiert ein Böller. Auf dem Rasen über dem kleinen Hügel springen Soldaten und vier Damen mit Pferden über Hindernisse. Die „Chevaulegers“ spazieren vorbei, lustige Kerle und eine Frau von der leichten bayerischen Reiterei. Beim Sattler nebenan lehnt Gabriele Schneider am Stand, die mit Gleichgesinnten in Linz den „Club der Freunde des Damensattels“ gründete. Zweimal haben sie schon teilgenommen am historischen Spektakel in Oberschleißheim. Diesmal ließen sie ihre Pferde daheim. „Macht nichts“, sagt Schneider. „Ich bin froh, dass ich mal mein Kleid auslüften kann.“ Ehemann Peter führt seine französische Bulldogge spazieren. „Ist wohl noch ein Jungtier?“, fragt einer. Schneider verkneift sich ein Lachen. Ist es nicht. Die Hunde sind im frühen 19. Jahrhundert als Meutehunde für die Jagd gezüchtet worden. Bei einer historischen Gala gehören sie einfach dazu.

Bilder: Historische Jagd- und Kutschengala 2016

Andreas Sachse

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