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Zukunftsvision: Dem Verein „Verrückter alter Bahnhof“ schwebt ein Kulturcafe vor.

Bahn stößt Gebäude ab

Wer kauft den "verrückten alten Bahnhof" Schleißheim?

Oberschleißheim - Der „verrückte alte Bahnhof“ in Oberschleißheim, erbaut 1858 und 1972 stillgelegt, soll voraussichtlich noch in diesem Jahr verkauft werden. Die Bahn sichert der Gemeinde ein Art Vorkaufsrecht zu. Die Frage ist, ob Schleißheim sich das leisten kann. Der Bahnhof ist 1898 als Ganzes um sechs Meter verschoben worden – daher der Begriff „verrückt“.

Den Medienrummel hat die Bahn offenkundig zum Anlass genommen, sich vom „Verrückten Alten Bahnhof“ zu trennen. Laut Bürgermeister Christian Kuchlbauer (FW) sollte die Immobilie frühestens 2018 zum Verkauf angeboten werden. Der zuständige Referent der DB Immobilien Region Süd habe ihn nun wissen lassen, er möge die nötigen Mittel schon für die zweite Hälfte dieses Jahres parat haben. 

Wieviel die Bahn für das Gebäude samt Grundstück verlangen wird, steht nicht fest. Nach Angaben des Referenten ist DB Immobilien noch mit Kalkulationen beschäftigt. In einem Grundsatzbeschluss vom 24. Februar 2015 erklärte der Gemeinderat „sein grundsätzliches Interesse“, den alten Bahnhof zu erwerben, Verkaufsverhandlungen zu führen. Kuchlbauer gab bekannt, im Vorab informiert zu werden, sobald der Bahnhof auf dem Markt ist.

Vorkaufsrecht für die Gemeinde

Als unmittelbar garantiertes Vorkaufsrecht will der Verein „Verrückter alter Bahnhof“ (Vabosh) die DB-Zusage nicht überbewerten. Walter Klar, stellvertretender Vorsitzender des im Oktober 2014 gegründeten Vereins spricht lieber von einem „positiven Signal“. Die Gemeinde habe die Chance, potentielle Mitbieter mit einem ersten Gebot unter Druck zu setzen. Konkurrenz soll es mittlerweile reichlich geben. Glaubt man der Bahn, dann hat der mediale Rummel „vermehrte Interessensbekundungen“ privater wie gewerblicher Interessenten provoziert.

Wie Bürgermeister Kuchlbauer mitteilte, soll der Zuschlag aber nicht zwangsläufig an den Meistbietenden gehen. Nutzungskonzepte würden ebenso berücksichtigt wie eine gut gefüllte Börse. Anscheinend will die Bahn damit sicher stellen, dass der alte Bahnhof anständig saniert wird. 

Verein "Vabosh" will Gemäuer erhalten

Genau an dem Punkt sieht „Vabosh“ sich in der Verantwortung. „Wunsch und Wille des Vereins ist, dass die Gemeinde den Bahnhof kauft“, sagt Walter Klar. Von der Pflicht zu derzeit nicht absehbaren Folgekosten aber wolle man das Rathaus entbinden. Die geschäftsführende Vabosh-Sprecherin und Architektin Anke Schuster entwickelte zwischenzeitlich das zweistufige Konzept einer Basisrenovierung, das Kritiker gleichzeitig im Zaum halten soll. Diesbezüglich kolportierte Summen von 1,5 oder gar 1,8 Millionen Euro seien nämlich weit überzogen.

Kulturcafe

Finanziert werden soll die Renovierung über ein genossenschaftliches Modell. Freunde des alten Bahnhofs sind eingeladen, eine Beteiligung zu erwerben, ein jeder nach seinem Vermögen. Die Leute müssten nicht zwangsläufig in Oberschleißheim leben, erläutert Klar: „Wichtig ist uns, dass eine Verbindung zum alten Bahnhof besteht.“ Nach wie vor plant „Vabosh“, das Gebäude kulturell zu nutzen. 

Der derzeitige Pächter, ein Gewerbetreibender, steht mit den Plänen des Vereins anscheinend nicht auf Kriegsfuß. Anke Schuster beschwört ein gutes Verhältnis: „Wir sind ihm dankbar“, sagt sie. Der Zustand des alten Bahnhofs sei erbärmlich gewesen, als der gegenwärtige Nutzer ihn als Lager übernahm. „Da ist sogar ein Gebüsch aus der Wand gewachsen.“ Der Pächter habe das Gebäude instand gesetzt, im Winter beheizt. Anke Schuster ist überzeugt: „Da wird keine schlechte Stimmung aufkommen."

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