Die Gemeinde braucht Kinderbetreuungsplätze. Schon jetzt gibt es viel zu wenige davon. (Symbolbild)
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Die Gemeinde braucht Kinderbetreuungsplätze. Schon jetzt gibt es viel zu wenige davon. (Symbolbild)

Massive Unterdeckung

Kinderbetreuung: 128 Kinder ohne Platz - Bürgermeister: „Wir platzen aus allen Nähten“

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Oberschleißheim wächst, weitere Wohngebiete entstehen. Das bringt neue Probleme: Die Gemeinde braucht Kinderbetreuungsplätze. Schon jetzt gibt es viel zu wenige davon.

Oberschleißheim – 128 Kinder bekommen fürs kommende Kindergartenjahr keinen Betreuungsplatz in Oberschleißheim. Wenn deren Eltern in den kommenden Wochen eine Absage erhalten, ist der Ärger groß. Den Müttern und Vätern bleiben dann zwei Möglichkeiten: Auf das nächste Jahr warten oder einen Platz außerhalb der Gemeinde einfordern.

In Oberschleißheim gibt es laut Informationen der Gemeinde zwei Kinderhorte, vier Kindergärten und zwei Kinderkrippen. Die Betreuungseinrichtungen sind voll. Für das Jahr 2021/2022 gibt es aktuell 170 Anmeldungen für Kindergartenplätze. Nur 100 Stellen sind verfügbar. Noch schlechter ist die Lage bei den Krippen: 108 Anmeldungen gibt es dort, nur 50 Plätze sind frei. Die Betreuungsplätze sind zum jetzigen Stand massiv untergedeckt.

Bürgermeister Böck: „Wir platzen aus allen Nähten“

Bürgermeister Markus Böck (CSU) präsentierte die Zahlen in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. „Wir platzen aus allen Nähten“, verdeutlichte er. Es sei nicht schön, den Eltern sagen zu müssen, dass sie heuer keinen Kita-Platz bekommen.

Und dabei bleibt es nicht: Das Problem wird sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen. In der Gemeinde wird nämlich massiv gebaut: Drei weitere Wohngebiete entstehen. Kreuzacker, Mittenheim und Ortsmitte. Für die ersten beiden Baugebiete liegt ein Gutachten über den Bedarf für die Kinderbetreuung vor. Ergebnis: Sechs weitere Krippengruppen, vier Kindergartengruppen, 90 Hortplätze und fünf Grundschulklassen muss die Gemeinde künftig allein für die beiden Neubaugebiete zur Verfügung stellen.

Kurzum: Die Gemeinde baut Kindergarten, die Vorhabenträger zahlen dazu

Um diesen Bedarf zu decken, hat die Gemeinde verschiedene Lösungswege ausgearbeitet. Fast einstimmig entschieden hat sich der Gemeinderat in der jüngsten Sitzung für diese Lösung: Die Bauträger, sie sind zur Deckung von neuem Betreuungsbedarf verpflichtet, zahlen die Folgekosten der Betreuungsplätze für das Gebiet Kreuzacker. Die Kommune baut eine große Einrichtung, um auch „eigenen“ Bedarf an Betreuungsplätzen decken zu können. Kurzum: Die Gemeinde baut einen Kindergarten, die Vorhabenträger zahlen dazu.

Nun ist die Frage, wo diese Kitas errichtet werden könnten. Ein Gedanke war, den kompletten Bedarf zentral im Ortsteil Mittenheim abzubilden, erklärt Bürgermeister Böck auf Anfrage. „Bis man merkte, dass dieser Kindergarten mit zehn bis zwölf Gruppen viel zu groß ist.“

Es war ein Workshop mit Gemeinderatsmitgliedern geplant. Dort sollte diskutiert werden, wo und wie der neue Bedarf gedeckt werden könnte. Der Workshop wurde aber abgesagt. SPD-Fraktionsvorsitzender Florian Spirkl spricht sich für eine Einrichtung im Neubaugebiet Kreuzacker aus. „Das wäre die erste Option, die ich mir vorstellen könnte“, sagt er. Dort gebe es auch ein Grundstück, das der Gemeinde gehöre.

Ein ganz anderes Problem: Personalmangel

Wieso hat es die Gemeinde überhaupt so weit kommen lassen, der Bedarf an Betreuungsplätzen ist seit mehreren Jahren bekannt? Man hätte schon 2020 das Thema anpacken können, aber da war „das Problem noch nicht so groß“, sagt Spirkl. Jetzt sei „definitiv“ der Zeitpunkt, um zu reagieren. „Klar“, sagt auch Bürgermeister Böck, die Entwicklung habe man beobachten können, aber es sei nicht genügend nachgebessert worden. Mehr will das Gemeindeoberhaupt, erst seit Mai 2020 im Amt, nicht dazu sagen.

Thomas Kroll, Fachbereichsleiter für die AWO-Kitas im Landkreis, spricht von einem ganz anderen Problem: Personalmangel. Er betreut 23 Einrichtungen, auch den Kindergarten Biene Maja und die Krippe Schlosskinder in Oberschleißheim. „Die Suche nach Personal ist ein langwieriger Prozess“, sagt Kroll. Frühzeitig müsse man nach Mitarbeitern suchen, um pünktlich eine neue Einrichtung eröffnen zu können.

„Neuer Kindergarten wird in zwei, drei Jahren fertig“

Die sechste Gruppe des AWO-Kindergartens in Oberschleißheim ist nicht belegt, weil er derzeit kein Personal finde. Arbeitsagentur, soziale Medien, Jobportale: Kroll sucht überall nach Erzieherinnen. „Der Markt ist sehr leer gefegt.“ Die Gemeinde hat noch etwas Zeit, um nach geeigneten Mitarbeitern zu suchen. „Ein neuer Kindergarten wird frühestens in zwei, drei Jahren fertig“, sagt Bürgermeister Böck.

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