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So sollen sie aussehen: Fünfstöckige Wohnblocks plant die „Concept Bau“ am Schäferanger.

Kritik an Wohnblöcken am Schäferanger

Angst vor einem Neubau-Ghetto

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Es gibt Kritik an den geplanten Mietwohnungen am Schäferanger in Oberschleißheim: Vor allem weil geförderte und frei finanzierte Wohnungen strikt getrennt werden sollen.

Oberschleißheim – 175 Wohnungen sollen am Schäferanger entstehen. Die Pläne des Münchner Immobilienunternehmens sind im Gemeinderat auf wenig Gegenliebe gestoßen. Die Fraktionen beklagen die zu dichte Bebauung. Eine Gemeinde, gefangen zwischen den Zwängen der Wohnungsnot, dem Wunsch, das Ortsbild zu erhalten und den Regeln eines Strukturkonzepts für die Region. Die in Gräfelfing ansässige „Concept Bau“ wirbt mit Eigentumswohnungen in bester Lage. Der Vorgabe aus Oberschleißheim folgend, plant das Unternehmen in sieben fünfstöckigen Wohnblocks am Schäferanger Eigentums- und Mietwohnraum, frei finanziert und öffentlich gefördert im Verhältnis 70 zu 30 Prozent.

Vorgesehen sind Eineinhalb- bis Vier-Zimmer-Wohnungen, wobei der Anteil familientauglicher Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen bei etwa 50 Prozent liegen soll. In einem Beschluss vom März 2016 hatte sich die Gemeinde ausbedungen, auf dem 4,5 Hektar großen, bisher unberührten Areal zwischen Moosweg, Schäferanger und St.-Margarethen-Straße vor allem Wohnraum für Familien zu schaffen.

Seit 2014 sind die Flächen von der Gemeinde überplant. Das Areal ist dreigeteilt. Ein Entwurf für die Zukunft des Kreuzackers, der sich im Osten an die St.-Margarethen-Straße schmiegt, soll demnächst vorgestellt werden. „Concept Bau“ aber schob sich mit einem Plan für den 1,5 Hektar großen Grund am Schäferanger noch davor. Der Eigentümer der mittleren Fläche will nicht verkaufen.

Die Kritik der Gemeinderäte an dem Plan für den Schäferanger ist allumfassend: Fünf Etagen sprengen die Höhenvorgabe aus dem Strukturkonzept des Planungsverbands Äußerer Wirtschaftsraum München für das Areal. Grünen und Freien Wählern fehlt es an Einrichtungen wie Kitas, Cafés und Geschäften. Die angesichts der Größe des Areals nötigen Investitionen würden späteren Bauträgern aufgeladen, so die Kritik. Gleiches gelte für Besucherparkplätze, die die „Concept Bau“ auf öffentlichen Grund, den Schäferanger, abwälze. Ganz ähnlich sieht es in Bezug auf die Höhenvorgabe aus. Zwar sind bestehende Wohnhäuser am Schäferanger, gegenüber den geplanten sieben Wohnblocks, bis zu vier Stockwerke hoch. Mit fünf Etagen sieht der Gemeinderat das Limit aber überschritten. Nachfolgende Bauträger müssten sich auf drei Etagen beschränken, meinte Peter Lebmeir (CSU).

Die Höhenvorgabe mag womöglich fallen. Die Wohnungsnot vor Augen, hatten sich Gemeinderäte in der Vergangenheit durchaus milder gestimmt geäußert. In der Sitzung im März 2016 sagte Lebmeir, sich mehr als vier Etagen vorstellen zu können. Die Grünen ließen jetzt durchblicken, diese Ansicht zu teilen. Wohnraum ist ihnen wichtiger als ein Strukturkonzept des Planungsverbands.

Nicht durchgehen lassen wird der Gemeinderat hingegen, dass frei finanzierte und geförderte Wohnungen räumlich getrennt werden sollen. Der Plan sieht vor, geförderte Mietwohnungen auf zwei der sieben Wohnblocks zu konzentrieren. Da spielen die Fraktionen nicht mit: Gaby Hohenberger (Grüne) warnt vor eine „Stigmatisierung“ von Geringverdienern. Peter Benthues (CSU) beklagt eine „sichtbare Abgrenzung, die zu Ghettoisierung“ führe. „Das hat Abschiebe-Charakter“, sagte Angelika Kühlewein (CSU). Darum ist die „Concept Bau“ nun angehalten, ihre Pläne noch einmal zu überarbeiten.

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