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40 Minuten pro Stunde ist die Schranke geschlossen. Davor stehen: (v.l.) Klaus-Dieter Josel (DB Chef Bayern), Unterschleißheims Alt-Bürgermeister Rolf Zeitler, Oberschleißheims Bürgermeister Christian Kuchlbauer, seine Stellvertreterin Angelika Kühlewein, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, Bundestagsabgeordneter Florian Hahn und Peter Benthues von der Bürgerinitiative „Bahn im Tunnel“.

An der Bahnschranke Oberschleißheim

Minister Dobrindt erlebt Pendler-Leid am eigenen Leib

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Oberschleißheim – Der Terminplan eines Bundesministers ist eng gestrickt. Und so hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Freitag 20 Minuten für seinen Besuch in Oberschleißheim angesetzt. Punkt 14 Uhr will er am alten Schleißheimer Bahnhof sein, um sich selbst ein Bild von der prekären Verkehrssituation am Bahnübergang der B 471 zu machen. Danach soll es weitergehen zu drei anderen Brennpunkt-Bahnhöfen im Landkreis: Haar, Hohenbrunn und Ebenhausen. Doch prompt verspätet sich der Minister. Er steht an der geschlossenen Bahnschranke. Und erfährt so am eigenen Leib, was die Oberschleißheimer und Pendler seit Jahren wurmt.

„Wir wollten einen bleibenden und persönlichen Eindruck vermitteln“, sagt Bundestagsabgeordneter Florian Hahn im Kreise der etwa 15 anderen Kollegen aus der Kreis- und Kommunalpolitik. „Das ist gelungen“, findet Dobrindt, der direkt neben der Bahnschranke steht, die sich in den vergangenen zehn Minuten nun schon zum dritten Mal senkt. Geduldig hört er sich an, mit welchen Argumenten Zweite Bürgermeisterin Angelika Kühlewein (CSU), Bürgermeister Christian Kuchlbauer (FW) und auch der Vater der Idee der „Bahn im Tunnel“, Peter Benthues, aufwarten, die für eine Troglösung sprechen. Sie zeigen Pläne, verweisen auf die aktuellste Machbarkeitsstudie, die die Gemeinde auf eigene Kosten hat anfertigen lassen. „40 Minuten ist die Bahnschranke hier in der Stunde geschlossen“, betont Kühlewein.

Krach erschwert das Zuhören

Zuzuhören ist unter diesen Umständen gar nicht so einfach. Immer wieder müssen die Redner mitten im Satz innehalten, weil ein Lastwagen über den Bahnübergang brettert, eine S-Bahn vorbeischnellt oder 40 wartende Autos gleichzeitig ihren Motor starten, wenn die Schranke sich wieder öffnet. Schnell wird klar: Die Machbarkeitsstudie allein, so wie sie jetzt ist, wird nicht helfen, den Oberschleißheimern ihren Wunsch nach einer Bahnunterführung zu erfüllen. „In dieser Studie gibt es weder Aussagen über die zu erwartenden Kosten, über Alternativlösungen, über die notwendigen Eingriffe, über die technische Machbarkeit, noch über die zu erwartende Entwicklung der Schrankenschließzeiten“, monierte Dobrindt. Somit habe er keine ausreichende Grundlage, um das Projekt auf Bundesebene voranbringen zu können. „Es muss klar nachvollziehbar sein, dass der Verkehr hier massiv gestört ist, um überhaupt in Betracht ziehen zu können, die Kreuzung hier aufzulösen.“

Gut 100 Millionen Euro Baukosten

Immerhin müssten zwei Drittel der Gesamtkosten, die aller Wahrscheinlichkeit nach bei weit über 100 Millionen Euro liegen, vom Staat übernommen werden. Denn eine Bundesstraße und die Bundesbahn wären betroffen. Bislang gibt es auch vom zuständigen Straßenbauamt kein klares Signal, dass hier der Wille besteht, an der Verkehrssituation etwas zu ändern.

Tipp vom Minister: Hängt euch noch mehr rein

Verkehrsminister Dobrindt ermutigte die Gemeinde, „sich noch mehr reinzuhängen“. Ein klares „Ja“ oder „Nein“ gibt es vom Minister nicht. Auch wenn sich Peter Benthues nichts mehr wünschen würde, als dass endlich mal etwas voran geht. „Das wäre mein schönstes Geschenk“, sagt Benthues, der gestern seinen 79. Geburtstag feierte. Gewonnen ist aus Sicht von Angelika Kühlewein trotzdem etwas: „Es war gut, dass der Minister sich selbst ein Bild machen konnte und dass er unser Anliegen ernst nimmt.“ Die Oberschleißheimer Sorgen sind auf Bundesebene angekommen. Das gibt allen Hoffnung.

Schleißheim wird zur Staufalle

„Oberschleißheim“, sagt Kühlewein, „ist inzwischen ein Ort, wo viele Autofahrer sagen, sie wollen nur noch weg, weil sie hier nur im Stau stehen, das ist doch ziemlich traurig für unsere schöne Gemeinde.“ Fakt ist, dass man mit einer Lösung nicht mehr lange warten kann. Denn mit dem Ausbau der A 92 und dem geplanten vierstreifigen Ausbau der B 471 wird sich die Verkehrslage im Nadelöhr Oberschleißheim verschärfen. Sollte dann auch noch die Express-S-Bahn verwirklich werden, rauscht künftig der Güterverkehr durch Oberschleißheim. Die Schranken bleiben noch länger geschlossen. Und Schleißheim wird zur Staufalle.

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