Eine Luftfilteranlage steht im Klassenzimmer der 4c der Grundschule in der Parksiedlung in Oberschleißheim
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Neuer Klassenkamerad: Die 4c der Grundschule in der Parksiedlung hat für die nächsten Wochen eine Luftfilteranlage im Zimmer stehen.

In Kooperation mit der Hochschule München

Mit „Hepa 14“ durch den Winter ? Grundschule testet Luftfilteranlage

  • vonAndreas Sachse
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Luftfilteranlagen sollen dazu beitragen, das Ansteckungsrisiko im Klassenzimmer zu minimieren. Eine Oberschleißheimer Grundschule testet nun eines der Geräte - mit wissenschaftlicher Unterstützung.

Oberschleißheim – In einem gemeinsamen Projekt mit der Hochschule München lässt die Gemeinde Oberschleißheim den Effekt von Luftfiltern an Schulen erproben. Ergebnisse sollen bis Mitte Dezember vorliegen.

Das mit einem „Hepa 14 Filter“ ausgestattete Luftreinigungsgerät ist seit Montag im Klassenzimmer der 4c an der Grundschule in der Parksiedlung in Betrieb. H14-Partikelfilter sollen Raumluft besonders effektiv von Viren und Aerosolen befreien können. Die Wirkungsgrad liegt laut Hersteller bei bis zu 99 Prozent. Während des 14-tägigen Praxistests soll das Gerät an unterschiedlichen Standorten im Raum getestet werden. Die mit der Projektarbeit betrauten Studenten sammeln Werte zu Luftfeuchtigkeit, Temperatur, CO2-Gehalt, Lautstärke und zur Partikeldichte. Im baugleichen Klassenzimmer der 1a läuft zur Kontrolle ein Gerät ohne Partikelfilter.

„Wir sind für etwa 100 Räume an Schulen und Kitas zuständig“

Das Projekt ist in Schleißheim hoch willkommen. Erst im Oktober hatte sich der Gemeinderat mehrheitlich dagegen entschieden, Schulen und Kindertagesstätten umfassend mit Luftfiltern auszustatten. Der im Auftrag des Rathauses ermittelte Aufwand in Höhe von 200 000 Euro würde die Gemeinde vor finanzielle Probleme stellen, weshalb man beschloss, den Bedarf zunächst zu erheben.

Aus der Projektarbeit der Hochschule für angewandte Wissenschaften erhofft man sich wertvolle Erkenntnisse für Oberschleißheim. Für das in der Grundschule erprobte Gerät veranschlagt der Anbieter 2000 Euro. Andernorts können H14-Filter durchaus 3000 Euro und mehr kosten. „Wir sind für etwa 100 Räume an Schulen und Kitas zuständig“, erklärte Bürgermeister Markus Böck (CSU). Das Problem: In keinem einzigen Fall wären Fördermittel zu erwarten. Zuschüsse von Bund und Freistaat gibt es nur, wenn die Räume nicht durch Fenster oder eine eingebaute Anlage gelüftet werden können. Über all dem steht die bis Erkenntnis, dass sinnvolles Lüften die größten Effekte im Kampf gegen das Coronavirus verspricht.

Erstes Gerät zu laut: „Unterricht war da nicht möglich“

Laut Schulrektorin Heike Frenzel müssen Klassenzimmer während des Unterrichts alle 20 Minuten fünf Minuten lang stoßgelüftet werden. Die Schüler wärmen sich derweil mit Jacke und Schal. „Dabei haben wir im Moment noch milde Temperaturen“, gibt Frenzel zu bedenken. An der Grundschule gab es bisher keinen Corona-Fall, weder bei Schülern noch bei Lehrern. Frenzel würde dennoch ungern das Risiko eingehen, ein künftig nicht auszuschließendes Covid 19-Infektionsgeschehen durch einen Grippe-Erreger zu verschärfen.

Bürgermeister Böck geht davon aus, Erkenntnisse aus dem Testlauf an der Grundschule auf Kindergärten und Horte übertragen zu können. Wünschenswert aus Sicht der Gemeinde wäre ein Ergebnis, wonach ein Gerät für zwei, drei Räume reicht. Der aktuelle Testlauf ist bereits der dritte an der Schule. Nachdem ein unlängst eingesetztes Gerät zu wenig Leistung brachte, erwies sich der zweite Luftfilter als zu laut. „Unterricht war da nicht möglich“, erinnert Frenzel.

Bekanntes Gesicht betreut Projekt

Der gegenwärtig erprobte H14-Filter kommt bei Höchstleistung auf 83 Dezibel (dB), wäre damit ebenfalls zu laut. Die Studenten lassen das Gerät zunächst mit 25 dB laufen, steigern die Leistung von Tag zu Tag.

Das Vertrauen in die Expertise der von Prof. Bernhard Kurz geführten Studenten ist groß. Bis 2019 betreute ein Team der Hochschule zehn Jahre lang die „Soziale Stadt“, ein in Oberschleißheim geschätztes Projekt aus dem Bund-Länder-Programm der deutschen Städtebauförderung. Die neuerliche Zusammenarbeit ergab sich auf direktem Wege. Prof. Kurz ist Vater von Lena Negele, Gemeinderätin und Klassenlehrerin 4c.

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