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Letzter Zeuge der Franziskaner: das Kloster.

Geschichte trifft Zukunft

Mittenheim: Zwischen Klostersitz und Trabantenstadt

Turbulente Geschichte, spannende Zukunft: In Mittenheim rührt sich was. Eine Führung am Samstag beleuchtet den Ortsteil - auch das große Bauprojekt, das für Ärger sorgt.

Oberschleißheim – Klause, Kloster, Friedhof, Färberei, Stahlfabrik, Gutshaus, Luftnachrichtenschule, Gärtnerei, Eingliederungsheim – und eine Großsiedlung? Seit Mai 2017 laufen im Oberschleißheimer Ortsteil Mittenheim die Vorbereitungen für den Neubau von 615 Wohnungen für rund 1400 Bewohner. Ein Projekt, das beivielen Anwohner für Entsetzen sorgt. Sie fürchten durch die Baupläne des Katholischen Männerfürsorgevereins (KMFV) eine neue Trabantenstadt, die in Mittenheim entsteht. Mit der turbulenten Geschichte und der Zukunft Mittenheims befasst sich der Kulturverein „Freunde von Schleißheim“ am morgigen Samstag in einer spannenden Führung durchs ehemalige Franziskaner-Kloster.

Alles begann mit der Klause

Seit 1846 heißt der Bereich zwischen Ober- und Unterschleißheim Mittenheim. Ein Glanzpunkt im Münchner Norden, mit langer, vielfältiger Geschichte – und vielen Überraschungen. Am Anfang stand vor etwas mehr als 400 Jahren, die Gründung einer Klause, gewidmet dem Heiligen Franziskus. 100 Jahre später gesellte sich, jenseits der Straße, ein Franziskaner-Kloster hinzu. Die Säkularisation 1802/03 ging auch an ihm nicht spurlos vorbei. Die Pfarrdienste der Mönche und der von ihnen angelegte Friedhof verschwanden, ebenso wie die riesige Rundkirche. Nur das vom Graubündner Baumeister Henrico Zuccalli geschaffene Klostergebäude blieb erhalten.

14 Eigentümer, viele Ideen

14 Eigentümer versuchten danach in der Drei-Flügel-Anlage ihr Glück – mit den unterschiedlichsten Aktivitäten, zum Beispiel mit dem Betrieb einer Färberei und Stahlfabrik. In den 1930er Jahren übernahm Prinz Karl Biron von Curland, dessen Ehefrau eine Enkelin des letzten Deutschen Kaisers Wilhelm II. war, den gesamten Besitz. Und am 11. Juli 1953 erwarb der Katholische Männerfürsorgeverein München (KMFV) des „Bunkerpfarrers“ Adolf Mathes Haus, Hof und ein riesiges Grundstück. Die 1982 in Hans-Scherer-Haus umbenannte Immobilie dient seither als Therapieeinrichtung mit Wohn- und Arbeitsstätten für wohnungslose Männer.

Seit 1963 gibt es an der Süd-West-Ecke wieder eine Franziskuskirche. Das größte Geheimnis, der unterirdische Gang von und zur ehemaligen St.-Ignatius-Klause (jetzt Bergl-Wirtschaft) wartet allerdings immer noch auf seine Entdeckung.

Führung am Samstag

Zur Führung durch das ehemalige Franziskaner-Kloster Mittenheim lädt der Kulturverein „Freunde von Schleißheim“ für  Samstag, 8. Dezember, ein. Ortschronist Otto Bürger spricht über die Geschichte des Klosters und die Zukunft Mittenheim und führt die Teilnehmer zum Start- und Endpunkt des unterirdischen Ganges. Treffpunkt ist um 14 Uhr in der ans Kloster grenzenden Franziskuskirche. Die Teilnahme kostet drei Euro, für Mitglieder des Kulturvereins ist sie kostenlos.

Otto Bürger

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