Dichtes Grün: In der Berglsiedlung verschwanden in den vergangenen Wochen etliche Bäume
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Dichtes Grün: In der Berglsiedlung verschwanden in den vergangenen Wochen etliche Bäume.

In der Berglsiedlung

Ärger um Baumfällungen: „Wir sägen uns den eigenen Ast ab“

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Etliche Bäume sind in den vergangenen Wochen in Oberschleißheim gefällt worden. Die Gemeinde hatte im Grunde keine Handhabe. Eine Anwohnerin ärgert sich über die Fällungen.

Oberschleißheim – Gabriele Kämpf liebt ihre Berglsiedlung in Oberschleißheim. Sie liebt die Nähe zum Wald, sie liebt die Ruhe und die Luft. Vor allem liebt sie die Bäume. In nur wenigen Sekunden verwickelt sie sich selbst und Nachbarn in Gespräche über ihren klimatischen Nutzen. „So wichtig wie jetzt, waren sie nie“, sagt die 71-Jährige. Aber in der Berglsiedlung verschwanden in den vergangenen Wochen unzählige ihrer hölzernen Klimaretter. Sie wurden auf Privatgrundstücken gefällt. „Wir sägen uns den eigenen Ast ab“, sagt sie resigniert.

Die Baumfällungen geschahen zu einer Zeit, in der die Gemeinde nur wenig Handhabe hatte. Erst in der vergangenen Woche hat der Gemeinderat eine Baumschutzverordnung beschlossen. Für viele Bäume und auch für den Charakter der Siedlung kam sie zu spät.

Fällungen waren nicht illegal

Man kann mit Gabriele Kämpf in der Siedlung schlendern, um den Charakter des Ortes zu ergründen. Oder man wirft einen Blick auf Google Maps. Die Vogelperspektive ermöglicht einen übersichtlichen Blick auf die Siedlung. Die Oberschleißheimer leben hier inmitten der Natur. Am Stichgartl wohnen die Bürger mit allen Annehmlichkeiten der Moderne. Inklusive Schwimmbäder. Ein paar Vorgärten weiter, in der Föhren- und Tannenstraße, wurde gerodet: Holzstapel, Baumstümpfe und umgegrabene Erde zeugen von den Baumfällungen. Seit 35 Jahren wohnt Kämpf in der Berglsiedlung, so heftig wie heuer seien die Fällungen nie gewesen, sagt sie. „Das waren alles noch gute Bäume.“ Sie kann es nicht verstehen.

Die Bäume wurden nicht illegal gefällt, sagt Bürgermeister Markus Böck (CSU). „Die entnommenen Bäume in der Berglwaldsiedlung waren vor allem Baumaßnahmen geschuldet.“ Auf einem der Grundstücke soll ein Einfamilienhaus mit Carport entstehen. Die gefällten Bäume seien weder durch Bebauungspläne noch durch eine Verordnung geschützt gewesen.

Baumschutzverordnung in der Warteschlange

Erst vergangene Woche entschied sich der Gemeinderat für eine Baumschutzverordnung, mit 15 zu 8 Stimmen. Eigentlich hätte die Verordnung bereits ab 26. Februar gelten sollen, Bürgermeister Böck stellte sie jedoch wegen formeller Bedenken zurück. Momentan klärt das Landratsamt die Rechtmäßigkeit der Verordnung.

„Die entnommenen Bäume waren größtenteils in der Verordnung angeführt“, sagt Böck. Mit der Verordnung hätte es vor der Fällung vermutlich jedes Mal eine Einzelprüfung gegeben, sagt der Bürgermeister. Und: Mit der beschlossenen Verordnung müssen Hausbesitzer für jeden abgeschnittenen Baum einen neuen nachpflanzen.

Über die Rodungen der Bäume ärgert sich Gabriele Kämpf (l.), eine der Anwohnerinnen. Sie sagt: „So wichtig wie jetzt, waren sie nie.“

Die Bäume wurden „aufgrund vieler Eigentumswechsel“ gefällt, sagt Böck. „Wegen des Generationenwechsels musste auch die Baumschutzverordnung nachgeschoben werden.“

Der Meinung ist auch Gaby Hohenberger, sie sitzt für die Grünen im Gemeinderat und hatte schon vor über 25 Jahren für eine Baumschutzverordnung gekämpft. „Die Eigentümer hatten früher mehr Bindung zu den Bäumen. Die Neueigentümer interessieren sie nicht“, sagt Hohenberger. Baumfällungen – in den vergangenen Jahren sei es hier in Oberschleißheim „drunter und drüber“ gegangen. Sie hofft, dass die Baumschutzverordnung Wirkung zeigt. Seit 1. März dürfen ohnehin keine Bäume gefällt werden – es ist Vogelbrutzeit.

„Man kann auch mit Bäumen bauen“

Die Baumschutzverordnung hat auch Grenzen. Baurecht könne die Verordnung nicht auskoppeln, sagt Hohenberger. Wer also auf seinem Grundstück bauen darf, kann im Regelfall störende Bäume fällen. Aber eben mit Nachbepflanzung.

Neu gepflanzte Bäume statt alter Riesen: Gabriele Kämpf hält davon wenig. „Bäume wachsen nicht so schnell“, sagt sie. Junge Bäume würden weniger klimaschädliches Kohlenstoffdioxid binden als ausgewachsene. Kämpf fordert deshalb ein Umdenken bei den jungen Menschen: „Man kann auch mit Bäumen bauen.“ Einvernehmlich mit der Natur.

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