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Läuft gut: die „Alm“ in Oberschleißheim

Allerletzte Gnadenfrist

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Die Schlosswirtschaft in Oberschleißheim ist seit Jahren geschlossen. Und beinahe hätte die „Alm“ und den Biergarten ein ähnliches Schicksal ereilt. Doch noch ist Zeit.

Oberschleißheim – Mit der Schlosswirtschaft droht der Gemeinde Oberschleißheim eine 400-jährige Tradition und einer der beliebtesten Biergärten verloren zu gehen. Zum allerletzten Mal haben die Gemeinderäte die Genehmigung für Biergarten und „Alm“ bis Dezember 2020 verlängert.

Die Entscheidung im Bauausschuss stand bis zuletzt auf der Kippe. Zu wenig hat sich nach Ansicht der Fraktionen seit Herbst 2014 getan, als die Wirtschaft im Alten Schloss für die auf drei Jahre angesetzten Umbauarbeiten durch die „Alm“ ersetzt worden ist. Sie könne nicht erkennen, dass in den „letzten drei Jahren überhaupt etwa passiert“ sei, fasste Gemeinderätin Helga Keller-Zenth (Grüne) die Stimmung im Ausschuss zusammen.

Die Wende im Gremium leitete Sebastian Riedelbauch (SPD) mit einem Kompromissvorschlag ein: Bis 31. Dezember 2020 sollen „Alm“ und Biergarten weiter bewirtschaftet sein dürfen. Mit seinem Vorschlag will Riedelbauch „Druck aufbauen“. Ein Schuss vor den Bug der Schlösserverwaltung. Bis auf die Grünen zogen die Fraktionen mit.

Die Entscheidung bedeutet womöglich auch die Rettung für die Schlosswirtschaft. Ein brachliegender Biergarten hätte selbst treueste Stammgäste vergrämen können. Gaby Hohenberger (Grüne) hingegen ist überzeugt, mehr zu erreichen, wenn „Alm“ und Biergarten die Genehmigung versagt würde. „Die sandeln vor sich hin und brauchen vielleicht noch mal vier Jahre“, sage sie in Richtung Schlösserverwaltung. Tatsächlich stehen die Grünen mit dieser Meinung nicht alleine da. Daniel Able (27), der jüngere der beiden Brüder, die „Alm“ und Biergarten im November 2014 übernommen haben, würde sich nicht wundern, wenn die Arbeiten in der Schlosswirtschaft bis 2022 andauern.

Nach dem Schock mit der Schlosswirtschaft war die Gemeinde Oberschleißheim damals froh, in Daniel und Sebastian (30) Able zwei erfahrene Wirte gewonnen zu haben. Die Brüder gehören einer Familie von Gastronomen an, die auf dem Oktoberfest und auf Messen vertreten sind. In Oberschleißheim werben sie mit Erlebnisgastronomie, Tradition und Abwechselung (siehe Kasten). Sobald die Schlosswirtschaft geöffnet ist, wollen sie sich erneut als Wirte bewerben.

Aus diesem Plan wäre um ein Haar nichts geworden. Die Sorge um die Schlosswirtschaft ließ Oberschleißheims Bürgermeister Christian Kuchlbauer (FW) aber mit Vehemenz für „Alm“ und Biergarten eintreten: Weder Wirte noch Schlösserverwaltung seien für die Verzögerungen verantwortlich, sondern Probleme mit dem Denkmalschutz: „So viele Genehmigungen. Das hat einfach viel Zeit gekostet.“

Damit sprach er Cordula Mauß aus dem Herzen. Die Sprecherin der Schlösserverwaltung verweist auf eine komplexe Maßnahme mit „weitgehend hochrangig historischer Bausubstanz aus dem 17. Jahrhundert“. Ein wertvolles Denkmal müsse mit den Anforderungen an moderne Gastronomie in Einklang gebracht werden. „Da kann man nicht einfach eine Küche nach eigenen Vorstellungen einbauen.“

Auf 5,8 Millionen Euro taxierte das Finanzministerium die Baumaßnahme vor gut zwei Jahren. Nach vielen, immer neuen Planungsvarianten für das Schankgebäude im Biergarten, den Gaststättentrakt, die Modernisierung von Küche und Kühlraumtechnik, Brandschutzkonzept, Asbestsanierung und der Überprüfung durch Bauforscher, macht Mauß nun ausgerechnet die gute Konjunktur zu schaffen: „Das treibt die Kosten hoch.“ Firmen hätten derzeit genug zu tun, nur schwer seien Handwerker zu bekommen. Detaillierte Angaben zu Zeitrahmen und endgültigen Kosten seien erst nach Abschluss der Planungen möglich. Manch Gemeinderat dürfte sich bestätigt sehen. Wie Erich Elsner (SPD), der über „nicht erkennbare Bautätigkeit“ klagte und dies als „äußerst unbefriedigend“ empfand. CSU-Fraktionschefin Gisela Kranz vermisst gar jegliche „Kooperation mit der Gemeinde“. Cordula Mauß äußert sich zuversichtlich: „Es kann ja nicht mehr allzu lange dauern.“

Neuzugang und Rabatt

Gerade haben die Ables einen angehenden Sterne-Koch unter Vertrag genommen: Bruno Haselgruber hat in einem gutbürgerlichen Wirtshaus in Österreich gelernt und seine Künste bei Sternekoch Ulrich Heimann in Berchtesgaden verfeinert. Zu den Ables ist er auf der „Wiesn“ gestoßen. Regionalbezug demonstrieren die Brüder mit einer bis 13. Mai laufenden Sonderaktion. „Ober-, Unterschleißheimern und Lustheimern“ wird als „Regionalrabatt“ ein Euro auf eine Maß Bier gewährt.

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