Verfolgen ein gemeinsames Ziel: Aktivistin Gabriele Kämpf (l.) und ÖDP-Kreisrätin Karin Schuster wollen die 27 von Fällungen bedrohten Bäume in der Veterinärstraße retten.
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Verfolgen ein gemeinsames Ziel: Aktivistin Gabriele Kämpf (l.) und ÖDP-Kreisrätin Karin Schuster wollen 27 bedrohte Bäume in der Veterinärstraße retten.

Am LMU-Campus

Rettet die Bäume: Schleißheimer wehren sich gegen Fällungen

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Für den künftigen Verkehr zur neuen tierärztlichen Fakultät will die Gemeinde Bäume fällen. Dagegen protestieren einige Schleißheimer. Nun will die Rathausverwaltung den Plan doch noch prüfen.

Oberschleißheim – Es geht ihnen um 27 Bäume. Karin Schuster und Gabriele Kämpf versuchen, sie zu schützen. Die Lokalpolitikerin, Schuster, setzt sich dafür parlamentarisch im Kreistag ein. Die Aktivistin, Kämpf, spricht darüber mit Menschen auf der Straße und sucht den Kontakt zu Journalisten. Das erklärte Ziel der Frauen: Baumfällungen verhindern.

In der Veterinärstraße, einer Allee, sind 27 Bäume in Gefahr. Die Bäume sind bis zu 27 Meter hoch, darunter sind Spitz-Ahorne und Linden. Elf Bäume müssen wohl gefällt werden, 16 will die Gemeinde versetzen. Die schmale Straße ist wichtig für den künftigen Mehrverkehr zur tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).

Der neue Campus soll dort laut LMU bis 2026 entstehen. Das Gelände ist für über 2000 Studierende, rund 200 Dozenten und 555 Auto-Stellplätzen ausgelegt, heißt es von der Gemeinde. MVG-Busse sollen einen Teil der Menschen zur Uni bringen. Aber sie brauchen Platz. Den gibt es derzeit an der Veterinärstraße nicht, Busse können sich dort nicht begegnen. Deshalb soll die Straße breiter werden, von 4,80 Meter auf 6,50 Meter. Das entschied der Bauausschuss in der März-Sitzung.

„Manche Bäume sind ohnehin in schlechtem Zustand.“

Die Beschlussvorlage für die nötige Änderung des Bebauungsplans informierte die Mitglieder ausführlich über den Umbau. Was darin aber nicht steht: 27 Bäume an der südlichen Seite der Straße fallen dafür zum Opfer. Die nötige Fällung für einen Teil der Bäume wird erst im Entwurfsplan ersichtlich. Der Bauhof und ein Gärtner haben die Bäume besichtigt, sagt Bürgermeister-Referentin Doris Rohe: „Manche Bäume sind ohnehin in schlechtem Zustand.“ Sie müssten in den kommenden zehn Jahren ohnehin gefällt werden. Alle abgesägten Bäume würden nachgepflanzt.

Kreisrätin Karin Schuster (ÖDP) ist über die Baumfällungen trotzdem verärgert: „Der Bürger wurde vor vollendete Tatsachen gestellt“. Die Veterinärstraße sei bisher eher ein Schleichweg gewesen. Der „bisschen Busverkehr“ stehe in keiner Relation zu den beschlossenen Baumfällungen. Was Karin Schuster und Gabriele Kämpf besonders ärgert, ist, dass der Gemeinderat gegen die eigenen Prinzipien verstoße.

Bereits im Februar hatte das Gremium nach einer hitzigen Diskussion eine Baumschutzverordnung beschlossen. „Jegliche Fällung beziehungsweise Schädigung widerspricht der neuen Baumschutzverordnung“, sagt Kämpf. „Oberschleißheim ist nicht gerade berühmt für ihren Gemeinderat“, kritisiert auch Schuster.

Brauchen mehr Platz: Die Fahrbahn soll für die Busse, die den LMU-Campus anfahren, verbreitert werden.

Die Frauen schlagen Alternativen zur Abholzung an der Veterinärstraße vor: einen anders getakteten Fahrplan oder eine Ampelanlage. So sollten sich die Busse in der engen Straße nicht begegnen. „Es ist auch zu hinterfragen, ob die Busse zwangsläufig über die Veterinärstraße fahren müssen“, sagt Kämpf. Tatsächlich prüft derzeit die Rathausverwaltung Alternativen - gegen den Beschluss des Ausschusses.

Neben den genannten Möglichkeiten prüft das Rathaus eine Wartebucht in Kombination mit einer Bushaltestelle, teilt Doris Rohe mit. „Das Ergebnis ist noch offen“, sagt sie. Rohe betont, dass sie die Befindlichkeiten der Bürger verstehe. „Diese Allee spielt eine wichtige Rolle für den Ort.“ Für den Erhalt der Bäume streiten Schuster und Kämpf. Karin Schuster fordert eine einheitliche Baumschutzverordnung für den ganzen Landkreis. Dafür will sie im Kreistag kämpfen.

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