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Rund 300 Menschen sind zur Protestveranstaltung nach Oberschleißheim gekommen.

Demonstration gegen Hubschrauberstaffel der Polizei

Laut werden gegen den Rotoren-Lärm

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Oberschleißheim hat am Freitag gegen mehr Polizeihubschrauber vor Ort demonstriert. 300 Menschen machten ihrem Ärger Luft.  Sogar einen eigenen Protestsong gibt es. 

Oberschleißheim – Rotorknattern dröhnt über den Sportplatz von Oberschleißheim, ausnahmsweise mal vom Band, nicht aus der Luft. Rund 300 Menschen sind dort am Freitagnachmittag in der milden Herbstsonne zusammengekommen, die meisten aus dem Ort, aber auch viele aus dem Münchner Norden. Ein paar Trillerpfeifen, ein paar Plakate: „Lärm macht krank!“, steht darauf, oder schlicht: „Es reicht!“ Es ist Demo-Termin – der Ärger der Menge richtet sich gegen die geplante Stationierung der Hubschrauberstaffel der Landespolizei am Landeplatz der Bundespolizei in Oberschleißheim.

Dass die fünf Helikopter in den Münchner Norden ziehen sollen, erhitzt dort die Gemüter. 3500 zusätzliche Flugbewegungen, auch nachts, befürchten die Oberschleißheimer im Jahr – mehr als doppelt so viele als die bisherigen 2500 Flüge. Den Protest unterstützt die örtliche Politik parteiübergreifend: Auch Ernst Weidenbusch, stellvertretender Landrat und Landtagsabgeordneter der CSU, kritisierte, dass bei der Planung die Interessen der Bevölkerung zu kurz gekommen seien und nicht nach Alternativen im Münchner Süden Ausschau gehalten worden sei.

„So geht es nicht!“ mahnte er bei der Kundgebung an die Adresse seines Parteikollegen, Innenminister Joachim Herrmann, was ihm Applaus aus der Menge einbrachte – aber seine SPD-Kontrahentin Annette Ganssmüller-Maluche motivierte anzumerken, Weidenbusch habe die entsprechende Finanzplanung doch als Mitglied des Haushaltsausschusses abgenickt.

Der „Hubschrauber-Blues“

Zwischen den Rednern, darunter auch weitere Landtagskandidaten, Freie-Wähler-Bürgermeister Christian Kuchlbauer und Vertreter des Bund Naturschutz, untermalte der „Hubschrauber-Blues“ die Veranstaltung – ein Song, den die Grünen-Gemeinderätin Ingrid Lindbüchl gemeinsam mit dem Unterschleißheimer Musiker Tobias Sasse eigens über Nacht getextet und produziert hatte.

Den Takt zu „Nicht-noch-mehr Hub-schrau-ber“ wippt auch Nicola Luber mit, die mit Ehemann und drei Kindern zur Demo gekommen ist. „Unsäglich“ findet sie die Verlegung – schließlich fänden die meisten Einsätze im Münchner Süden statt. Ihre Familie liege schon jetzt oft genug nachts wach, wenn die Hubschrauber teils bis zu einer Stunde lang über den Ort kreisten. „Wir würden auch gerne mal bei offenem Fenster schlafen“, sagt Luber.

Alle Gegenwehr bisher erfolglos

Dabei sieht es danach aus, dass es in Oberschleißheim künftig eher lauter werden könnte: Der Standortwechsel ist durch den Bezirk schon genehmigt – trotz aller Gegenwehr durch Kommune und Anwohner erteilte die Regierung von Oberbayern im Juli ihr Einverständnis, dass die Flugstaffel der Landespolizei zu der der Bundespolizei stoßen darf. An den Helikoptern, die für Rettungsflüge, Vermisstensuchen und Straftäterverfolgung eingesetzt werden können, gebe es ein „hohes öffentliches Interesse“. Die Anliegerbedenken in Bezug auf den Lärm teilt der Bezirk offenbar nicht. Lediglich Trainingsflüge werden zeitlich und in der Menge begrenzt.

Die Hubschraubergegner versprechen Bayerns Innenminister, dass er bald Post von ihnen bekommen wird. Allein aufs Bitten und Demonstrieren wollen sich die Oberschleißheimer aber nicht verlassen: Gemeinde, Bund Naturschutz, Anwohner und offenbar Landratsamt klagen gegen den Hubschrauber-Zuzug. Aber auch der Protest soll weitergehen. „Das war erst der Auftakt“, verspricht Lindenbüchl, bevor sich die Menge zu den Klängen des „Hubschrauber Blues“ zu einem abschließenden Protestzug durch den Ort formiert.

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