Bekommt ein neues Gesicht: Der Platz vor der St.-Wilhelm-Kirche wird umgestaltet.
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Bekommt ein neues Gesicht: Der Platz vor der St.-Wilhelm-Kirche wird umgestaltet.

Gemeinde als Bauherr

Eine Million für einen neuen Kirchplatz

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Der Kirchplatz in Oberschleißheim wird umgestaltet. Um Fördermittel abzuschöpfen, tritt die Gemeinde als Bauherr auf. Die Gemeinderäte sind sich aber uneins über die Beteiligung.

Oberschleißheim – Oberschleißheim bekommt einen neuen Kirchplatz. Die Kommune muss für die Umgestaltung aber 240 000 Euro zusteuern. Eigentlich sollten die Arbeiten der Gemeinde keinen Cent kosten. Trotz der Eigenbeteiligung: Der Gemeinderat hat sich in der jüngsten Sitzung für die Neugestaltung entschieden.

Die Wunschliste der Kirche für die Ausgestaltung des Platzes ist lang: Betonpflaster, Blumenwiese, Holzbänke, eine Fußverbindung vom Bürger- zum Kirchplatz. Fahrradständer und Mülleimer will sie von der Kirche St. Wilhelm weghalten, auch einige Bäume sollen gefällt werden. Diese Wünsche sind kostspielig, gut 816 000 Euro soll die Umgestaltung kosten. Das Rathaus rechnet „vorsichtshalber“ von einem Kostenrahmen von einer Million Euro. Der „maximal mögliche“ Eigenanteil der Kirche liege aktuell bei 400 000 Euro, denn die Mittel der Kirche seien „begrenzt“, heißt es aus der Kirchenverwaltung. Wobei Pfarrer Ulrich Kampe signalisierte, im Falle von Kostensteigerungen auch mehr Geld ausgeben zu wollen. Die restlichen Kosten von 600 000 Euro können zu 60 Prozent gefördert werden, 240 000 Euro muss die Gemeinde Oberschleißheim zahlen. Der Anteil der Kirche ist nicht förderfähig.

Unverständnis über Kosten

Die Städtebauförderung ist möglich, allerdings muss die Gemeinde dazu offiziell Bauherr sein. Im Gegenzug überlässt die Kirche der Gemeinde den Kirchplatz für 25 Jahre zur öffentlichen Nutzung. Lediglich die Stellplätze für die Pfarrei darf die Gemeinde nicht nutzen.

In der Gemeinderatssitzung wurde das Vorhaben stark diskutiert. Fritz-Gerrit Kropp (Grüne) war von der Planung enttäuscht: „Der neue Platz hebt sich nicht vom bisherigen Kirchplatz ab“, sagte er. Zudem sei es unverständlich, „wie man fast eine Million Euro für Rasenflächen und Pflastersteine ausgeben kann“. Casimir Katz (FDP) störte sich an den Parkplätzen, die Kosten dafür seien viel zu hoch. Zudem sei die Zweckbindung für 25 Jahre ein Problem: „Wenn wir was verändern wollen, müssen wir die Förderung zurückzahlen.“ Katz machte schon von der Abstimmung klar: „Ich stimme dagegen.“ Die Ausgaben stoßen auch Florian Spirkl (SPD) auf: „Die Planung ist okay, aber nicht mit den Kosten.“ Er hatte in einer früheren Sitzung für die Umgestaltung zugestimmt, allerdings nur unter der Prämisse, „dass es die Gemeinde nichts kostet“.

„Die Kirche hat der politischen Gemeinde immer die Tür geöffnet“

Zustimmung gab es von den Christsozialen. Die Abstimmung sollte sich nicht auf das Geld beschränken, sagte Peter Benthues. Grund für die plötzlichen Kosten sei ein Wechsel im zuständigen Referat, das für die Förderung verantwortlich sei. „Wir sollten die Chance nicht vertun, wir wollen eine Ortsmitte schaffen“, sagte Benthues. Auch Johann Negele (FW) sprach sich für die Umgestaltung aus. „Die Kirche hat der politischen Gemeinde immer die Tür geöffnet“, sagt er.

Seinem Wunsch wurde schließlich entsprochen, wenn auch knapp: 13 Ratsmitglieder stimmten für die Neugestaltung, elf waren dagegen.

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