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Einschulung anno 1945: Schleißheimer erinnern sich an ihre Schulzeit

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Die Schüler damals und heute: die Klasse 4b im Jahr 1949 mit ihrer Lehrerin Anna-Lore Schreiber (l.). Nun schwelgten die Schleißheimer beim Klassentreffen in Erinnerungen.
Die Schüler damals und heute: die Klasse 4b im Jahr 1949 mit ihrer Lehrerin Anna-Lore Schreiber (l.). Nun schwelgten die Schleißheimer beim Klassentreffen in Erinnerungen. © Repro: Otto Bürger

Bei einem Klassentreffen in Oberschleißheim haben sich die ABC-Schützen von 1945 wieder gesehen. Trotz Nachkriegsentbehrungen haben sie gute Erinnerungen an ihre Schulzeit.

Oberschleißheim – Alle Jahre wieder beginnt ein neues Schuljahr. So auch in den ersten Septembertagen 1945, wenige Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Vor 77 Jahren erfolgte in der Volksschule Oberschleißheim die Einschulung für 111 Buben und Mädchen des Jahrgangs 1939. Für die damaligen Erstklässler organisierten jetzt Silke Schellner und Edeltraud Kallmeyer ein Klassentreffen. Es war bereits das elfte dieser Art seit 1979.

Zwanzig „in die Jahre gekommene“ Frauen und Männer trafen sich am vergangenen Samstag in den „Neuen Bürgerstuben“. Sie tauschten Erinnerungen an die „gute alte Zeit“ aus, an eine Epoche, die durch Hunger und Not und die Widrigkeiten der damals kurz zuvor zu Ende gegangenen Katastrophe geprägt war. Unterrichtet wurde im neuen Schulhaus – jetzt Rathaus – in zwei Klassen im Schichtwechsel. Der Grund war Platzmangel, weil von dem nebenan gelegenen alten Schulhaus, dem jetzigen Feuerwehrhaus, nach einem Bombenangriff im Juli 1944 nur mehr die Grundmauern übrig geblieben waren. Der Mangel an Heizmaterial verpflichtete alle, täglich zum Schulbeginn ein Stück Holz mitzubringen. Auch Papier stand nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung, weshalb Schiefertafeln und Griffel zur Grundausstattung gehörten. Als Schuhwerk dienten Holzpantoffeln, mit denen sogar im Winter kein Kältegefühl aufkam.

Fred Wettlaufer warf den Schulranzen in den Kanal.
Fred Wettlaufer warf den Schulranzen in den Kanal. © Otto Bürger

Lebhaft in Erinnerung blieb den ABC-Schützen von 1945 das Kartoffelkäfer-Sammeln, für das in der Gastwirtschaft Bergl anschließend die ganze Klasse zu einer Brotzeit eingeladen wurde. Beliebt war auch das Einsammeln von Kastanien im Tausch gegen Waschpulver. Auch das Essen in der Schule half, die mangelnde Versorgung mit Lebensmitteln zu tilgen, noch dazu, wenn es jeweils am Freitag ein Stück Blockschokolade gab. Als Schulleiterin hatte die Lehrerin Anna-Lore Schreiber die Aufgabe, die Heranwachsenden zu führen. Das allgemeine Urteil lautete: Streng aber gerecht.

Die Erstklässer von damals haben heute noch schöne Erinnerungen an ihren Schulstart, so wie Silke Schellner. Sie empfand keinen Mangel. Für sie gab es immer etwas zu essen – „aber nie Butter aufs Brot“. Für Edeltraud Kallmeyer war der Respekt vor den Lehrern früher größer als heute. Ihre Erinnerungen an die Klassenlehrerin Schreiber sind allerdings „nicht die besten“. Und Fred Wettlaufer erzählt im Rückblick: „Ich habe in der 1. Klasse den Schulranzen in den Kanal geworfen, weil ich nicht mehr in die Schule gehen wollte!“

Otto Bürger

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