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Auf 1,7 Kilometern Länge soll die Bahn in Oberschleißheim in einem Tunnel verschwinden und so dem täglichen Stauwahnsinn im Ort ein Ende bereiten. 

Kosten von 148 Millionen Euro

Gemeinderat stimmt für tiefergelegten Bahnhof

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Oberschleißheim – Zwei barrierefreie Bahnsteige, ein Wendegleis für S-Bahnen, ein Überholgleis für Güterzüge: So soll der tiefergelegte Bahnhof Oberschleißheim in etwa zehn Jahren aussehen. Der Bahnübergang an der B471 gehört dann der Geschichte an. Der komplette Bahnhof wird südwärts unter die Bundesstraße verschoben.

Einstimmig stellte sich der Gemeinderat nun hinter die Tieferlegung der Bahn. Sowohl die Gemeinde als auch das beauftragte Ingenieurbüro hatten zu dieser Entscheidung geraten. Diese Variante ist aber auch die mit Abstand zeit- und kostenintensivste Lösung. Die Kosten für den Trog werden auf 148 Millionen Euro geschätzt. Der Gemeinde-Anteil liegt bei 10 bis 15 Millionen Euro. Dieses Konzept sieht folgende Details vor: Der Trog soll im Süden Oberschleißheims mit genügend Abstand vor der Schönleutnerstraße beginnen, um die Verbindung von der Sonnen- zur Bahnhofsstraße mit einem 12,5-prozentigen Gefälle auf 1,7 Kilometern Länge zu tunneln. Etwa auf Höhe der B471 setzen die Bahnsteige an. Ziemlich mittig des heutigen Bahnhofs erreichen die Gleise die Oberfläche.

Der alte Bahnhof würde zurückgebaut. Das Gelände steht der Gemeinde städtebaulich zur Verfügung. Beide Seiten der Bahnsteige würden mit Aufzügen behindertengerecht erschlossen. Zwischen den Bahnsteigen können S-Bahnen wenden. Die Deutsche Bahn hat auf das Wendegleis bestanden, um bei den nicht allzu seltenen Betriebsstörungen reagieren zu können. Ein Überholgleis soll den Güterverkehr aufrecht erhalten – auch das eine Bedingung der Bahn. Während der Arbeiten wäre mit erhebliche Beeinträchtigungen zu rechnen. Der Straßenverkehr soll zum Teil großflächig umgeleitet werden. Da die Bahn darauf besteht, den Schienenverkehr weitmöglichst aufrecht zu erhalten, muss im Trog mit Provisorien und halbseitigen Sperrungen gearbeitet werden. Züge rollen größtenteils nur auf einem Gleis. Doch der Lärm soll so gering wie möglich gehalten werden. Die Trogwände sind als Schallschutz konzipiert. Das Büro geht von einer zweijährigen Bauzeit aus, will sich aber nicht festlegen lassen: „Es können auch drei oder dreieinhalb Jahre werden“, sagte der Planer des Ingenieurbüros. Einschließlich aller Vorarbeiten hofft die Gemeinde, den neuen Bahnhof in zehn Jahren in Betrieb nehmen zu können. Es wäre höchste Zeit: In spätestens zehn Jahren soll die Schranke an der Bundesstraße 53 von 60 Minuten dicht sein. Derzeit sind es 39 Minuten.

Die Entscheidung in der Sondersitzung des Gemeinderats fiel einstimmig. Die Vorteile dieser unterirdischen Lösung liegen auf der Hand. Durch die Nähe des neuen Bahnhofs zum Campus hofft die Gemeinde auf mehr Fahrgäste. Allein 3000 Studenten werden die tierärztliche Fakultät besuchen. Zusätzliches Potenzial war ebenfalls eine Bedingung der Bahn für den Umbau. Bürgermeister Christian Kuchlbauer (FW) ist ziemlich sicher, die Bahn an Bord zu haben. „Ich habe keine Widerstände mehr gespürt“, berichtete er. Damit das Konzept aufgeht, sind weitere Investitionen in derzeit nicht bekannter Höhe in die Infrastruktur nötig. Die Busstationen müssen verlegt, Radstellplätze bereitgestellt werden. Wer diese Kosten trägt, ist nach Rathausangaben völlig offen.

Während Gemeinderat Peter Benthues (CSU) als Vorsitzender der Initiative „Bahn im Tunnel“ ein Hohelied auf die Variante anstimmte, waren trotz einstimmigen Beschlusses auch mahnende Worte zu hören. Die große Chance, mit dem Trog die Zerschneidung des Orts durch die Schiene umzukehren, würde vertan, sagte Markus Büchler (Grüne). Riesige Lärmschutzwände seien nötig, wodurch der Effekt eher verstärkt werde. Kuchlbauer kündigte an, Variante 1b+ mit Nachdruck zu verfolgen und „politischen Druck“ aufzubauen. Er hofft, auch die Universität über das Wissenschaftsministerium einbeziehen und staatliche Mittel generieren zu können. 

Andreas Sachse

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