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BN-Vorschlag: Die Kommunen sollen Flächen tauschen, sodass beide profitieren. Unterschleißheim bekäme das rot gefärbte Areal, etwa für den Moos-Haide-Park. Oberschleißheim könnte auf dem blauen westlich von Mittenheim Gewerbe ansiedeln. 

Taktieren ums Trenngrün

Gemeinderat vertagt Debatte um Moos-Haide-Park - Naturschützer wittern Kalkül

  • vonAndreas Sachse
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Der Oberschleißheimer Gemeinderat hat die Entscheidung über die Planung des Moos-Haide-Parks vertagt. Naturschützer wittern Taktik und machen einen ungewöhnlichen Vorschlag.

Oberschleißheim – Erholung oder Gewerbe? Einer Debatte über den Moos-Haide-Park hat sich der Gemeinderat entzogen, wischte das Thema von der Tagesordnung. Will man das unlängst noch BMW zugedachte Areal anderweitig vermarkten?

„Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Oberschleißheim will im Norden Gewerbe ansiedeln“, resümiert Tino Schlagintweit vom Bund Naturschutz (BN). Eine BN-Delegation verfolgte die Sitzung im Publikum. Schlagintweit ist überzeugt, dass Gemeinderäte den Moos-Haide-Park als teuer und pflegeintensiv diskreditieren, um das Areal für Gewerbe freizuhalten.

Moos-Haide-Park: Naturschützer schlagen Flächen-Tausch vor

Unklar jedenfalls bleibt auch nach der jüngsten Sitzung des Gemeinderats, wie die Gemeinde zum Moos-Haide-Park steht. Was aus dem als „Trenngrün“ zwischen Ober- und Unterschleißheim werden soll. Auf einem Teil der dem Katholischen Männerfürsorgeverein (KMFV) gehörende Fläche hätte sich unlängst BMW ansiedeln sollen. Ob Oberschleißheim nach der Absage des Autokonzerns weiter auf Gewerbe setzt, ist ungewiss. Das Rathaus schweigt. Äußerungen von Gemeinderäten lassen einen Gewerbepark im Norden Oberschleißheims vermuten. Der BN protestiert und rät zu einem Flächentausch gegen Unterschleißheimer Areal.

Es geht um 34 Hektar in dem der A 92 nahe liegenden Teil des Trenngrüns. Zu den beiden benachbarten Kommunen gehören Flächen, die jeweils an das Gebiet der anderen Kommune grenzen. Diese Flächen müssten lediglich getauscht werden. „Der ökologisch und kulturhistorisch interessante Teil mit dem ehemaligen Riedweiher ginge an Unterschleißheim, könnte in einen Moos-Haide-Park integriert werden“, heißt es vom BN: „Oberschleißheim bekäme dafür potenzielle Gewerbeflächen westlich von Mittenheim.“

Moos-Haide-Park: Oberschleißheim lässt den Nachbarn alleine machen

Nach den geplatzten Gesprächen mit BMW, kündigte Unterschleißheim an, den Vorgang öffentlich zu machen, den Moos-Haide-Park mit einer Machbarkeitsstudie in Angriff zu nehmen. Dem schob Oberschleißheim jetzt einen Riegel vor. Gegen die Stimmen der Grünen entschied der Gemeinderat, eine Anfrage aus Unterschleißheim, sich an den Planungskosten zu beteiligen, nicht zu behandeln. Die Debatte zu dem Zeitpunkt zu führen, hieße, sich mit „ungelegten Eiern“ zu befassen, argumentierte Sebastian Riedelbauch (SPD): „Wir haben ja nicht mal geklärt, was wir mit der Fläche vorhaben.“ Es sei völlig unklar, was mit dem Areal geschehen soll, sagte Peter Benthues (CSU).

Der Moos-Haide-Park soll von Lohhof-Süd bis an die A 92 reichen, je zur Hälfte auf beide Kommunen verteilt. Oberschleißheim hätte ein Drittel der Planungskosten (22 000 Euro) tragen sollen. Geld, das die Gemeinde, so Kuchlbauer, nicht erübrigen könne. Der Bürgermeister schlug vor, der Studie zuzustimmen, sich an den Kosten aber nicht zu beteiligen.

Moos-Haide-Park: „Das ist deren Problem“

Gemeinderäte fast aller Fraktionen zogen bei diesem Vorschlag aber nicht mit. „Wer zahlt, schafft an“, warnte Helga Keller-Zenth (Grüne): Die Gemeinde würde sich jedes Recht auf Mitsprache verbauen. Im Regionalplan ist das Trenngrün wegen seiner Bedeutung für Luftaustausch und Mikroklima ausgewiesen. Fritz-Gerrit Kropp (Grüne) geht es um Naherholung für die Bewohner des neuen Quartiers in Mittenheim, um die Beziehungen zum Investor, dem KMFV. Aber auch darum, Einfluss nehmen zu können auf die Pläne für eine mögliche Westumfahrung.

Weshalb der Gemeinderat trotz allem mehrheitlich entschied, einer Debatte aus dem Weg zu gehen, bleibt auch der BN-Delegation ein Rätsel. Vize Bürgermeisterin Angelika Kühlewein (CSU) sieht Unterschleißheim in der Pflicht: Bis an die Grenze ihres Gebiets hätten die alles zugebaut. „Jetzt drücken die uns das Problem aufs Auge, für ein Trenngrün zu sorgen und mit den Riesen-Gewerbegebieten umzugehen“, sagte Kühlewein. „Das ist deren Problem.“

Moos-Haide-Park: Unterschleißheim treibt die Planung alleine voran

Unterschleißheim wird die Planung des Moos-Haide-Parks allein voran treiben. „Wir beginnen die Planung ohne Oberschleißheim“, sagte Bürgermeister Christoph Böck (SPD) in der Sitzung des Stadtrats. Die Stadt strebe zwar eine gemeinsame Planung an, „doch bisher konnte sich Oberschleißheim nicht für einen Landschaftspark entscheiden“. Die Erholungsfläche ist eine Vision des Bund Naturschutz, der sich über Äcker, Heide und Wäldchen zwischen Berglwald und Lohhof Süd erstreckt, und Flächen von Oberschleißheim einschließt. 

Offen ist weiterhin, wie die finanzschwache Schlössergemeinde zu dem Park steht, der etwa zwei Quadratkilometer umfassen würde. Hat der Gemeinderat nach der Absage von BMW vielleicht Gefallen an einer Gewerbeansiedlung gefunden? Oberschleißheim wird offenbar noch diskutiert, was mit den Flächen geschehen soll. Die Schlössergemeinde verfügt über ausgedehnte Grünflächen und benötigt Gewerbe. 

Die Stadt Unterschleißheim hat die Umsetzung des Parks in Angriff genommen und wird die Studien der beauftragten Landschaftsarchitekten allein zahlen. Der Unterschleißheimer Fraktionssprecher der Grünen, Jürgen Radtke, sieht „Handlungsbedarf für Aufklärung“: „Das Verhältnis der Oberschleißheimer Bevölkerung zum Moos-Haide-Park zeugt von Unwissenheit.“

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