+
Das Nadelöhr schlechthin: Der Bahnübergang entlang der B471 ist das Dauerthema, wenn es in Schleißheim um Verkehr geht.

„Wissen, wo der Weg hingehen soll“

Gutachten analysiert Verkehr, Bürger bringen Wünsche ein: Das sind die Ergebnisse

  • schließen

Der Verkehr ist ein heikles Thema in Oberschleißheim. Verkehrsplaner haben nun zusammen mit Bürgern die Situation inklusive vieler Schwachstellen analysiert. Das sind die Ergebnisse.

Gingen das Gutachten durch: (v.l.) Christiane Knoch, Bürgermeister Christian Kuchlbauer, Sibel Aydogdu, Verkehrsplaner Ulrich Glöckl und Marianne Pfaffinger.

Oberschleißheim – Der Verkehr ist ein heikles Thema in Oberschleißheim, doch etwa 50 Bürger haben sich im vergangenen halben Jahr mit professionellen Verkehrsplanern an dieses vielschichtige Problem herangewagt: In vier Workshops wurden die Ist-Situation nicht nur im motorisierten Verkehr, sondern auch beim Fußgänger- und Radverkehr genauestens analysiert, ebenso der Öffentliche Nahverkehr und der sogenannte ruhende Verkehr, sprich, die Parkplatzsituation. Wenig überraschend kam heraus, dass Einiges nicht rund läuft und vor allem in Oberschleißheims Straßen „viel Verkehr drin ist“, wie Verkehrsplaner Ulrich Glöck jetzt bei der Abschlusspräsentation im Bürgerhaus mit genauen Zahlen belegte. Und gerade im Bereich des motorisierten Individualverkehrs zeigen Glöcks Prognosen für die kommenden 15 Jahre: Es wird, ebenso wenig überraschend, noch mehr.

Höchste Zeit, die Probleme zu analysieren und Maßnahmen auszuarbeiten. Dieser Verkehrsentwicklungsplan hat zwar nur Empfehlungscharakter, berücksichtigt aber alle Verkehrsarten und die städtebauliche Entwicklung und packt das Verkehrsproblem somit strukturiert und komplex an. In den drei Workshops zwischen Juli und Dezember 2019 konnten die etwa 50 Teilnehmer außerdem eine Reihe selbst erfahrener Verkehrshemmnisse beisteuern als die offensichtliche Bahntrasse und den am Bahnübergang übliche Stau. Insgesamt wurden 111 Defizite benannt, fast die Hälfte im Fußgänger- und Radverkehr.

Sonnenstraße für Fußgänger und Radfahrer kaum zu überqueren

So wurde etwa die Prof-Otto-Hupp-Straße in die Problemanalyse mit aufgenommen, in der viele Radfahrer die Fahrbahn aufgrund der hohen Verkehrsbelastung meiden und auf die Gehwege ausweichen. Diese sind dafür aber zu schmal. Auch fehlende Ampelanlagen wurden moniert, etwa an der Mittenheimer/Effnerstraße. Die Sonnenstraße ist ebenfalls für Fußgänger und Radfahrer auf Höhe der Veterinärstraße kaum zu überqueren, zudem hat die Sonnenstraße nur einseitig einen Fahrradweg. All das sind Probleme, die Oberschleißheim selbst angehen könnte, wohingegen die Gemeinde bei den „großen“ Themen wie der Westumfahrung oder dem angedachten Ausbau der B 471 von den Entscheidungen der übergeordneten Verkehrsbehörden abhängig ist. Deshalb fand es nicht nur Bürgermeister Christian Kuchlbauer etwas schade, dass die Abschlusspräsentation zwischenzeitlich in eine Diskussion unter den etwa 100 Besuchern pro und contra Westumgehung abdriftete.

„Wir haben jetzt Fakten, an denen wir uns entlanghangeln werden“

Denn so interessant die Berechnungen der Verkehrsplaner auch waren, wie sich welche Variante auf die Verkehrszahlen auswirken könnte und welche Verkehre wohin verlagert würden: Ohne die Autobahndirektion a wird es keine Auffahrt in Riedmoos auf die A 92 geben. Und auch nicht ohne Unterschleißheim, was interessanterweise gar nicht zur Sprache kam, auch wenn als eine der zehn Leitlinien klar formuliert ist: „Oberschleißheim hat erkannt, dass eine Reaktion auf die gestellten Aufgaben zur Bewältigung der Folgen des Wachstums (und des Verkehrs) nur im Verbund mit Nachbargemeinden erfolgreich sein kann.“

Rund 100 Bürger kamen zur Ascbhlusspräsentation des Gutachtens. Rund 50 Schleißheimer hatten das Papier mit den Experten entwickelt.

Daher verwies Verkehrsplaner Glöck auch mehrfach über das überkommunale Verkehrskonzept für den Münchner Norden, das im Entstehen ist. Für Bürgermeister Kuchlbauer ist „sein“ Verkehrskonzept das Papier aber durchaus wert, auf dem der Abschlussbericht in einigen Tagen stehen soll: „Wir haben jetzt Fakten, an denen wir uns entlanghangeln werden. Wir wissen, wo soll der Weg hingehen und was ist der Wunsch der Bürger.“ Bindend allerdings ist das Verkehrskonzept für Gemeinderat und Verwaltung nicht.

Lesen Sie auch: Schleißheims schleichendes Ladensterben

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zinners übernehmen ehemaligen Köglwirt: Das ist ihr Konzept
Lange haben die Taufkirchner auf diese Nachricht gewartet, viele hatten die Hoffnung fast schon aufgegeben. Doch nun ist er wohl gefunden – ein neuer Wirt für die …
Zinners übernehmen ehemaligen Köglwirt: Das ist ihr Konzept
Knappe Entscheidung für Bauprojekt an der Putzbrunner Straße
Ein Supermarkt, ein Gesundheitshaus und Wohnungen sollen an der Putzbrunner Straße in Hohenbrunn entstehen. Über die Bebauung streitet der Hohenbrunner Gemeinderat seit …
Knappe Entscheidung für Bauprojekt an der Putzbrunner Straße
Diese Metzgerei macht den besten Leberkas in ganz Bayern - es gibt ihn oft auch in München
Jetzt ist es offiziell: Experten haben den besten Leberkas in ganz Bayern gekürt. Die Metzgerei mit ihrem Verkaufsmobil setzte sich gegen Ladenbesitzer aus dem Freistaat …
Diese Metzgerei macht den besten Leberkas in ganz Bayern - es gibt ihn oft auch in München
„Nicht ohne die Bürger“: CSU verhindert Entscheidung zu Gymnasium-Standort in Putzbrunn
Vor einem Jahr fiel die Entscheidung, dass das 15. Gymnasium im Landkreis in Putzbrunn für 900 Schüler gebaut wird. Wo das Gymnasium hinkommt, das sollte der Gemeinderat …
„Nicht ohne die Bürger“: CSU verhindert Entscheidung zu Gymnasium-Standort in Putzbrunn

Kommentare