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Das Hallenbad in Oberschleißheim wird wohl neu gebaut, eine Sanierung wäre teurer.

„Ist das Bad überhaupt noch betriebssicher?“

Hallenbad ertrinkt in Mängeln: Neubau wahrscheinlich - So viel könnte er kosten

  • vonSilke Andersson
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Die Liste der Mängel im Hallenbad ist lang. Doch eine Sanierung wäre teurer als ein Neubau. Bei den geschätzten Kosten schreckte der Gemeinderat vor einem Beschluss zurück.

Oberschleißheim – Das Dach geflickt, die Fassade ein energetisches Fiasko, der Technikraum museumsreif, die Lüftungsanlage so veraltet, dass es kaum noch Ersatzteile gibt, und der Brandschutz zumindest fragwürdig. Die Bestandsaufnahme zum Oberschleißheimer Hallenbad, die am Dienstag im Gemeinderat vorgestellt wurde, war erschreckend.

Ursprünglich hatte die Verwaltung die Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, um die Frage zu klären, ob eine Sanierung des fast 50 Jahre alten Bades oder ein Neubau sinnvoller sei. Daran bestand nach den Ausführungen von Christian Lanzinger vom Planungsbüro kplan kein Zweifel mehr. Zumal die Sanierungskosten laut Schätzungen der Planer mit 11,7 Millionen Euro auch noch leicht höher liegen als die für einen Neubau veranschlagten 11 Millionen. Doch um die Zahlen ging es zunächst gar nicht.

Gutachten bescheinigt keine akuten Sicherheitsmängel

Der Schock musste verdaut werden, dass in der aktuellen Studie noch einige Mängel mehr zum Vorschein gekommen sind als in einem Gutachten aus dem Jahr 2018. Daher beschäftigte nicht nur Julia Negele von den Freien Wählern, die als Lehrerin regelmäßig mit Grundschülern im Bad ist, die Frage: „Ist das Bad überhaupt noch betriebssicher? Wie gehen wir, geht die Gemeinde mit diesen Mängeln um?“

Von dieser Frage nach möglichen Konsequenzen schien die Verwaltung zunächst ebenfalls überrumpelt. In der Sitzung konnte Bürgermeister Christian Kuchlbauer nicht mit konkreten Antworten dienen, ob und wie der Betrieb weitergeführt wird: „Die weitere Entscheidung müssen wir treffen, es gibt da keine Tendenzen“, war seine vage Antwort. Am Mittwoch legte die Verwaltung in einer Stellungnahme aber nach: Akute Sicherheitsmängel gebe es nicht, insbesondere seinen der Brandschutz laut Gutachten aus dem Jahr 2017 sowie die Tragwerkssicherheit (Gutachten aus 2002 für eine Nutzungsdauer bis 2032) ausreichend gewährleistet, heißt es dort.

„Der Gemeinderat beschließt, ein neues Hallenbad bauen zu wollen“

Auch Hygiene und Wasserqualität werden fortlaufend überprüft, trotzdem ist der aktuelle Badebetrieb den Improvisationskünsten des Schwimmbadpersonals zu verdanken. „Wenn etwas Größeres passiert, ist das Bad von heut auf morgen zu“, ist auch der Gemeinde klar. Der Neubau ist also die einzig sinnvolle Lösung. Doch zu einem bedingungslosen Ja konnte sich der Gemeinderat – auch angesichts der Kosten und der noch nicht abschließend geklärten Förderungsmöglichkeiten – nicht durchringen: „Mir geht das zu weit, eine verantwortungsvolle Entscheidung kann ich so heute nicht treffen“, formulierte CSU-Gemeinderat Peter Lebmeir seine Bedenken. Er bekam Unterstützung von Seite der Grünen. Deren Fraktionsvorsitzende Ingrid Lindenbüchl „einen echten Peter-Lebmeir-Beschlussvorschlag“ unterbreitete, der einstimmig abgesegnet wurde: „Der Gemeinderat beschließt, ein neues Hallenbad bauen zu wollen.“

Die Verwaltung soll die nächsten Planungsschritte einleiten, diese dürfen aber vorerst nicht über die Standortprüfung und eine erste Kostenschätzung hinausgehen.

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