„Ich war so gern hier im Haus“: Schwester Dagmar bekommt ein Abschiedsgeschenk vom Bewohnervorstand.
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„Ich war so gern hier im Haus“: Schwester Dagmar bekommt ein Abschiedsgeschenk vom Bewohnervorstand.

Eine runde Sache

25 Jahre aufopferungsvolle Arbeit in St. Benno: Schwester Dagmar (80) geht in den Ruhestand

  • VonAndreas Sachse
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Seit seiner Gründung hat Schwester Dagmar im Haus St. Benno gearbeitet, war jederzeit da für die Bewohner. Nun geht die 80-Jährige in den Ruhestand. Schweren Herzens.

Oberschleißheim – Ihr Leben hat Schwester Dagmar all denen gewidmet, die im Leben nicht auf der Sonnenseite stehen. Ein Vierteljahrhundert lang war die Ordensfrau der Barmherzigen Schwestern für die Bewohner des Hauses St. Benno da. Ein Lebenswerk, das sie mit Glückseligkeit erfüllt. Mit nunmehr 80 Jahren geht sie in den Ruhestand.

Vielen in Oberschleißheim hat sich dieses Bild in ihren Erinnerungen manifestiert: Eine nicht mehr ganz junge Nonne, die in bemerkenswert scharfem Tempo auf einem etwas zu groß geratenen Fahrrad durch Oberschleißheim fegt; die Haare vom Winde zerzaust. Der zur Tracht gehörenden Haube war es niemals gegeben, die dunkelblonde Pracht im Zaum zu halten.

Pfarrer Ulrich Kampe begegnete die Frage nach dieser Nonne des Öfteren. So viel Energie, die Lebensfreude und die Kraft, die Schwester Dagmar bis ins hohe Alter ausstrahlt, lassen ihn nicht so recht daran glauben, dass die Ordensfrau tatsächlich Willens ist, den Ruhestand in Ruhe zu genießen.

„Wenn ich nur noch mal 70 wär...“

Im Katholischen Männerfürsorgeverein (KMFV), dem Träger von St. Benno, hätte man diese Art geballter Energie gern in den eigenen vier Wänden sich weiter entfalten lassen. Schwester Dagmar selbst ließ durchblicken, dass sie am liebsten noch ein paar Jahre rangehängt hätte. „Wenn ich nur noch mal 70 wär...“

Der Verlust trifft den Verein um so schmerzlicher, da partout keine Nachfolgerin in Sicht ist. Seit der Gründung im Mai 1996 habe man in St. Benno auf die Fürsorge und die menschliche Wärme von Ordensfrauen gesetzt, erzählt Kreisleiter Alexander Schuchmann am Rande der Abschiedsfeier im Speisesaal von St. Benno. Bis auf Weiteres ist damit Schluss. Der Orden schafft es nicht, genügend Nachwuchs zu akquirieren. Schwester Dagmar ist wohl die letzte ihrer Art.

Schwester Dagmar verabschiedet sich vom Haus St. Benno.

Zur Person

Im Frühjahr 1941 geboren, wandte Schwester Dagmar sich zunächst dem weltlichen Leben zu. Nach der Ausbildung zum Industriekauffrau landete sie in einer Maschinenfabrik in Augsburg. „Dabei wollte ich immer schon einen sozialen Beruf ergreifen.“ Während ihrer Ausbildung zur Krankenschwester (1962 - 64) kam sie mit Schwestern der Kongregation der Barmherzigen Schwestern und deren Ordenshaus in Augsburg in Kontakt. Dem Ruf des Ordens folgte sie 1964 mit 23 Jahren. Seit 1996, dem Gründungsjahr von St. Benno, ist sie in der Einrichtung des Katholischen Männerfürsorgevereins.

Ihr zumindest ist es gelungen, zu einem runden Abschluss zu finden. Den 80. im März und kürzlich noch das 25-jährige Jubiläum hat sie unbedingt im Kreise ihrer Wegbegleiter aus St. Benno feiern wollen. Eine runde Sache eben, findet Schuchmann, und Schwester Dagmars strahlt freudig. Diesen Abgang hat sie sich nach einhelliger Meinung aller, des Teams und der Bewohner, verdient.

Mit einem Übermaß an menschlicher Wärme und Empathie gesegnet, steht Schwester Dagmar selbst in Tracht nicht für das typische Abbild einer Ordensfrau. Bewusst entschied sie sich für den KMFV und die Arbeit mit Wohnungslosen, die zudem nicht selten an einem Alkoholproblem leiden. Im Leben nicht wird Hausleiterin Kornelia Ritz ihr „freundliches Wesen“, den „unversiegbaren Humor und ihr spitzbübisches Lächeln“ vergessen. Schwester Dagmar erweicht die Herzen selbst der rauesten Kerle, die ein halbes Leben lang Platte machten. Der ein oder andere hatte sie gar freien wollen. Mehrere Anträge wies sie zurück.

„Ich war so gern hier im Haus.“

Schwester Dagmar war zur Stelle, wenn menschlicher Beistand von Nöten war. Ungezählte Stunden hat sie am Krankenbett eines Bewohners verbracht, hat Trost gespendet und Frieden vermittelt. Sterbenden am Totenlager hielt sie die Hand, ließ entschwindende Seelen ein letztes Mal Nähe verspüren.

Sie habe eigentlich keine „Heiligsprechung“ gewollt, sagte Schwester Dagmar mit Bezug auf die zahllosen Lobeshymnen und gewährte Allen eine letzte Kostprobe ihres schelmischen Humors. Schlussendlich den Tränen nah, resümierte sie: „Ich war so gern hier im Haus.“ Der Abschied fällt ihr sichtlich schwer.

Im Garten von St. Benno wird man ihr zu Ehren einen Birnbaum pflanzen. Ein Dankeschön, das all denen zu Teil wird, die man am liebsten nicht gehen lassen würde. Viktor Münster war der erste in der Reihe, langjähriger KMFV-Vorstand und erster Leiter von St. Benno. Er bekam einen Apfelbaum, der mittlerweile prächtig gedeiht.

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