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Andrang im Bürgerhaus Oberschleißheim: Gut 500 Bürger verfolgen die Podiumsdiskussion, die konträre Meinungen offenbart: (v.l.) Harald Müller, Christian Kuchlbauer, Ingrid Lindbüchl, Casimir Katz, Markus Böck sowie Merkur-Redaktionsleiter und Moderator Günter Hiel

Kommunalwahl 2020

Mehr Nachdruck bitte: Impressionen von der Podiumsdiskussion in Schleißheim

  • Charlotte Borst
    VonCharlotte Borst
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Sie waren hart in der Sache, aber fair im Stil: Bei der Podiumsdiskussion in Oberschleißheim zeigten die Kandidaten auf, was sie als Bürgermeister angehen wollen.

Oberschleißheim – Eine Stunde muss Christian Kuchlbauer warten. Aber dann ist der Zeitpunkt perfekt. Vor rund 500 Zuhörern serviert der Bürgermeister (FW) bei der Podiumsdiskussion des Münchner Merkur eine Sensation. „Der Grundstückstausch zwischen Rewe und der Sedlmayr-Gruppe ist unterzeichnet“, verkündet er am Mittwochabend im Bürgerhaus, als Moderator Günter Hiel den Themenblock „Ladensterben“ endlich anschneidet. „Das ist der Durchbruch in der Entwicklung der Ortsmitte!“ Die gute Nachricht und den anhaltenden Applaus kann Kuchlbauer im Wahlkampf gut gebrauchen.

Poppig bunte Sessel hat die Nachbarschaftshilfe für die Kandidaten je nach Parteifarbe bereitgestellt. Kuchlbauer sitzt in der Mitte der Bühne und muss an diesem Abend, der hart an den Themen verläuft, aber kollegial im Stil bleibt, viel Gegenwind aushalten. Der kommt auch vom Publikum, das raunt, lacht, aber auch klatscht.

Kuchlbauer: Tempolimit auf A92 nicht möglich

Kuchlbauer will in einer zweiten Amtszeit weiterführen, was in den vergangenen sechs Jahren angefangen wurde. Das Ladensterben von 51 auf 36 Geschäfte sei zwischen 2006 und 2014 am stärksten gewesen. Seither hätten nur noch zwei Läden zugesperrt. Er schlägt vor, Einkaufsfahrten zu den Supermärkten zu organisieren, „wenn sich ehrenamtliche Fahrer finden“.

Ein Tempolimit auf der A92 sei nicht möglich, ist Kuchlbauer sicher, „weil die Grenzwerte eingehalten werden.“ Die zweijährige Sperrung der Bahnbrücke über die Mittenheimer Straße kann nicht verschoben werden, beharrt er, auch wenn zeitgleich die Le Crès Brücke in Unterschleißheim saniert wird. Den Badersfeldern, denen schnelles Internet fehlt, will er mit einem Funkmast helfen. In all diesen Punkten protestieren seine Herausforderer. Wo er Schranken sieht, wollen sie dicke Bretter bohren. Markus Böck (CSU) sieht mit den Brückensanierungen „eine Katastrophe“ kommen. Der 43-jährige Polizist, der in Oberschleißheim aufgewachsen ist, in Hackermoos wohnt und der Jüngste in der Runde ist, tritt frisch und pointiert auf, fordert den Rathausneubau und will das Wohngebiet in Mittenheim „schnellstmöglich“ vorantreiben. „Vieles ist verpasst worden, in den vergangenen 30 Jahren.“ Böck will die angefangenen Projekte mit Schwung und Nachdruck anpacken. „Ich habe keine Angst, groß zu denken.“ Kuchlbauer wirft er „Flickschusterei“ vor.

Brückensperrung? „Das ist das Gegenteil von Durchziehen.“

Casimir Katz (FDP) strebt nach sechs Jahren Pause wieder in die Politik. Der 65-Jährige setzt auf Dialog. Er ist entschieden für eine Gewerbeansiedlung: „Wir brauchen einen großen Player.“ Die Details der Brückensperrung hat der Bauingenieur analysiert. Er prangert an, dass aus Lärmgründen nicht nachts gebaut wird. „Das ist das Gegenteil von Durchziehen.“ Er sieht im Ausbau des Internets – auch in Badersfeld – eine Daseinsvorsorge. Zudem plädiert er für eine Bahnunterführung für den Fuß- und Radverkehr, die südlich vom Schlosskanal gut möglich sei.

Angriffslustig ist der 60-jährige Jurist Harald Müller (SPD). Das finanzschwache Oberschleißheim sei bei der Gewebeansiedlung und beim Wohnungsbau „zurückgeblieben“. Bei den Verhandlungen mit der LMU habe man den Eindruck, „Oberschleißheim sitzt am Katzentisch“. Das Zertifikat „fahrradfreundliche Gemeinde“ habe man verpasst, und der Haushalt musste viermal nachgebessert werden, schimpft er. Der Verwaltungsexperte Müller will Oberschleißheim voranbringen, nicht immer sagt er aber, wie es gehen soll.

Ingrid Lindbüchl (Grüne) ist sozial gut vernetzt, wirkt warmherzig und couragiert. Beherzt appelliert die 53-Jährige ans Publikum, der Christkindlmarkt brauche Helfer. Sie hält Kuchlbauer entgegen: „Geht nicht, gibt’s nicht“, es sei ein Unding, zwei Brücken gleichzeitig zu sperren. Sie hält am Autobahnanschluss Riedmoos fest und steht damit allein, ebenso wie mit ihrer „Moderat-und-Gemach“-Haltung zur Gewerbeansiedlung und beim Wohngebiet Mittenheim. Lindbüchl verweist auf den Flächenfraß. Geld und Zeit sollte man besser in den ÖPNV stecken.

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