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Wichtig, aber nicht leise: Ein Polizeihubschrauber im Einsatz.

Oberschleißheim: Mehr Lärm, aber kein Schallschutz

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Wenn die Polizeihubschrauberstaffel nach Oberschleißheim zieht, wird es lauter für die Anwohner rund um die Jugendbegegnungsstätte. Und auch für deren Gäste. Lärmschutz gibt es dennoch nicht. 

Oberschleißheim – Der Umzug der Polizeihubschrauber-Staffel Bayern nach Oberschleißheim erhöht die Lärmbelastung für Bewohner und Gäste der Jugendbegegnungsstätte. Klagen will der Landkreis aber nur, sollte die kreiseigene Immobilie an Wert verlieren.

In einer Stellungnahme zum gegenwärtigen Stand des Planfeststellungsverfahrens warnt das Landratsamt vor einem spürbaren Anstieg der Lärmbelastung für die Jugendbegegnungsstätte (JBS) am Tower. Gesetzliche Grenzwerte würden jedoch nicht berührt. Die vom Landratsamt unlängst im Kreisausschuss veröffentlichte Stellungnahme vom Februar dieses Jahres und der beiliegende Aktenvermerk vom 30. April beziehen sich ausschließlich auf die JBS. Das Planfeststellungsverfahren gilt als erster, kleiner Sieg für die Gegner des geplanten Umzugs. Die Gemeinde Oberschleißheim hatte vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht gegen die bereits erteilte luftverkehrsrechtliche Genehmigung des Luftamts Südbayern geklagt und den Freistaat in das Verfahren gezwungen.

Seit 2011 bemüht sich der Freistaat, die bayerische Polizeihubschrauberstaffel vom Münchner Flughafen nach Oberschleißheim zu verlegen. Zu den jährlich 2500 Flügen der bereits stationierten Hubschrauber der Bundespolizei kämen 3500 Flugbewegungen der Landespolizei hinzu. Seit Jahren wehren sich die Gemeinde Oberschleißheim und die Anwohner; zuletzt mit Erfolg. Antragsunterlagen und Lärmgutachten mussten nachgebessert werden. Die JBS liegt 1,4 Kilometer vom Hubschrauberlandeplatz entfernt.

Etwaige Erwartungen der Umzugsgegner werden allerdings durch die Stellungnahme des Landratsamts nicht erfüllt. Zwar kritisiert das Amt, dass die JBS nicht als reines Wohngebiet mit höheren Ansprüchen an den Lärmschutz, sondern als „Mischgebiet“ gewertet wird, stimmt in der Konsequenz aber dem TÜV-Süd zu, dass gesetzliche Grenzwerte nicht verletzt würden. Die für „Wohnen“ maßgeblichen Werte würden nicht eingehalten, heißt es in der Stellungnahme. Das Gutachten des TÜV-Süd war Grundlage der erteilten luftverkehrsrechtlichen Genehmigung.

Bei den Werten aus dem Gutachten handelt es sich laut Landratsamt um „gemittelte Pegel“, also um Durchschnittswerte. Das tatsächliche Lärmempfinden würde aber besser durch Maximalwerte ausgedrückt, die für die JBS am Tag und in der Nacht bei bis zu 90 Dezibel liegen sollen. Eine derartige Belastung käme einem „Presslufthammer in fünf Metern Abstand“ gleich. Nach Angaben des Landratsamtes ist ohne Schutzmaßnahmen mit „Aufwachreaktionen“ zu rechnen. Gemittelte Werte entsprächen aber der Norm.

Sollte sich nach dem Umzug der Hubschrauberstaffel herausstellen, dass „einschlägige Schwellenwerte nicht eingehalten werden“, kündigt eine Behördensprecherin den Klageweg an. Nach „bislang prognostizierten Flugbewegungen“ seien Ansprüche auf Schallschutz für Bewohner und Gäste der JBS aber nicht zu begründen.

Um so mehr fürchtet der Kreis um den Wert seiner Immobilie an der Ferdinand-Schulz-Allee. Die, infolge der Lärmbelastung zu erwartende Wertminderung der JBS will der Kreis notfalls anhand eines Gutachtens dokumentieren, um hernach auf Schadenersatz zu klagen.

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