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Fast wie bei Olympia: Das Projekt „Sozial Stadt“ feiert Fasching in der Parksiedlung.

Party, bis der Bagger rollt

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Fasching rund um das Ladenzentrum in der Oberschleißheimer Parksiedlung: Das bedeutet Feiern mitten im Verfall.  Da braucht sogar der Bürgermeister die rosarote Brille.

OberschleißheimDer Bürgermeister trägt eine rosarote Brille und ist als Häftling verkleidet: Christian Kuchlbauer steht vorm Ladenzentrum am Stutenanger. Er verteilt Süßigkeiten an Kinder, die mit Bällen auf Dosen werfen und manchmal bei Fehlversuchen das leer stehende Gebäude gegenüber vom Rewe treffen, in dem sich vor einigen Jahren eine Wirtschaft befand und das seitdem – wie das ganze Areal – verfällt. Am Faschingsdienstag braucht man Humor. Und Kuchlbauer brauche hier am Ladenzentrum seine rosarote Brille, sagt er. Denn dadurch sehe auch die Landenzeile schöner aus.

Häftling mit rosaroter Brille:  Christian Kuchlbauer, Bürgermeister in Oberschleißheim.

Beim Faschingstreiben der Sozialen Stadt am Faschingsdienstag feiern die Besucher seit einigen Jahren eine Abrissparty. Schließlich ist seit langer Zeit geplant, das Ladenzentrum dem Erdboden gleich zu machen und neu aufzubauen. Ein neuer Rewe-Markt und ein neues Geschäftshaus sollen entstehen und sich einfügen in die neue Oberschleißheimer Ortsmitte. Doch während der Bürgerplatz bereits fertig gebaut ist, herrscht Stillstand beim Ladenzentrum. Grund ist, dass einer von zwei Investoren den Bau immer wieder verzögert. Dieser hätte ständig Änderungswünsche, dabei sei eigentlich schon alles geplant, sagt Bürgermeister Kuchlbauer. Und auch wenn er gerade als Häftling verkleidet ist – die Gemeinde könne man wegen des Stillstands nicht in die Haft nehmen. Im Rathaus warte man nur noch auf den Bauantrag des Eigentümers. Aber er weiß: „Das versteht irgendwann kein Mensch mehr.“

An Fasching hilft nur noch Ironie. So sehen das zumindest Marga Mitterhuber und Thilo Klöck vom Quartiersmanagement Soziale Stadt. Sie haben die Faschingsfete organisiert. Etwa 30 Menschen sind gekommen. Es gibt Wiener, Krapfen und Stimmungsmusik. Später zieht ein riesiger Drache über den Platz, den 16 Kinder und Jugendliche zum Leben erwecken, indem sie sich das große grüne Kostüm überstülpen. „Wir machen trotzdem Party“, sagt Mitterhuber. Die Soziale Stadt sei 2009 gegründet worden, unter anderem mit dem Ziel den Bürgerplatz mit dem Nachversorgungszentrum zu verschönern. Nun feiere man, „bis die Bagger kommen“, sagt Thilo Glöck.

Ermioni Adoniadou feiert mit. Sie wohnt in der Parksiedlung und ist mit ihrer Tochter an diesem Vormittag vorbeigekommen. Sie kaufe oft beim Rewe ein, sagt sie. „Der Platz ist für die Menschen sehr wichtig.“ Sie können nicht nachvollziehen, warum nicht neugebaut werde. „Man weiß nicht, wann es endlich losgeht.“ 

Alle Fotos zum Faschingsendspurt im Landkreis gibt es hier

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