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Im Haus St. Benno bietet der KMFV 57 Langzeitplätze für Menschen, die aufgrund sozialer Schwierigkeiten oder Krankheiten kein Zuhause haben.

Haus St. Benno und dem Hans Scherer Haus

Platznot im Obdachlosenheim: Neue Leitung geht Problem an

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Die Zahl der Obdachlosen nimmt zu. Immer mehr Betroffene wenden sich an den Katholischen Männerfürsorgeverein, der ihnen Obdach bietet. Doch die Wartelisten für einen Platz voll.

Oberschleißheim – Immer mehr Menschen bangen um ihr Zuhause. Über 10 000 waren es im vergangenen Jahr im Großraum München. Sobald Wohnungslosigkeit droht, kümmert sich im Norden des Landreises der Katholische Männerfürsorgeverein München (KMFV) um die Betroffenen. Meist sind es ältere, alleinstehende Männer, denen sie Obdach bieten. Damit das in Zukunft noch besser funktioniert, hat der KMFV einen neuen Posten geschaffen: Alexander Schuchmann ist nun Gesamtleiter der Wohnungslosenhilfe.

117 Plätze bietet der KMFV im Haus St. Benno und dem Hans Scherer Haus in Mittenheim für die Wohnungslosenhilfe an. 72 davon sind Langzeitplätze. Doch eigentlich braucht der Verein mehr. „Es sind alle Plätze belegt. Für die stationäre Hilfe stehen immer Leute auf der Warteliste“, sagte Schuchmann bei seiner Einführung ins Amt.

Die Gründe, warum Menschen von Wohnungslosigkeit bedroht sind, sind vielschichtig. Oft sind Krankheit oder plötzliche Arbeitslosigkeit der Auslöser. Kommt Alkohol hinzu, erschwert das ihre Situation. Ein weiterer Faktor: Im prosperierenden Landkreis können sich viele die Mieten nicht mehr leisten.

Oft dauert es Jahre bis Betroffene wieder auf Beine kommen

In solchen Situationen unterstützt der KMFV, versucht, mit Beratung und Hilfe im Alltag die drohende Obdachlosigkeit abzuwenden. Der Verein arbeitet eng mit dem Landwerk, dem Unterstützten Wohnen Landkreis München Nord und dem Ambulanten Fachdienst Wohnungslosenhilfe der Stadt Unterschleißheim zusammen. Doch nicht immer gelingt es, den Verlust der Wohnung zu verhindern. Dann kommen Betroffene in kommunalen Einrichtungen oder beim KMFV unter. Sobald Menschen zu diesem Schritt gezwungen sind, dauert es oft mehrere Jahre, bis sie wieder auf eigenen Beinen stehen, erklärt Schuchmann.

Ein neuer Faktor, der die Beratung und die Plätze noch wichtiger macht: Anerkannte Flüchtlinge fallen ebenfalls in die Wohnungslosenstatistik – und damit ins Aufgabengebiet des KMFV. Doch das System ist verstopft. Schuchmann, der seit zwei Jahren das Hans Scherer Haus leitet, prangert Versäumnisse an. „Lange Zeit wurde der soziale Wohnbau zu wenig gefördert. Es braucht mehr bezahlbaren Wohnraum.“ Eine Forderung, die er bei den Kommunen nachhaltig hinterlegen will.

Zusammenspiel von ambulanter und stationärer Hilfe soll effektiver werden

Gleichzeitig hofft er, das Beratungsangebot verbessern zu können: „Das Ziel ist, dass sich mehr Kommunen zusammenschließen, um so die Ansprache von Betroffenen intensivieren zu können.“ Gleichzeitig soll durch die neue Organisation – bisher gab es je einen Ansprechpartner für das Haus St. Benno und das Hans Scherer Haus – das Zusammenspiel von ambulanter und stationärer Hilfe effektiver werden.

Ein wichtige Baustein dafür ist Kornelia Ritz. Die Sozialpädagogin übernimmt die Leitung des Haus St. Benno von Angelika Harrer. Schuchmann und Ritz kennen sich gut. Sie leiteten bereits zehn Jahre lang gemeinsam das KMFV-Haus an der Franziskanerstraße in München.

Kornelia Ritz und Alexander Schuchmann freuen sich auf ihre neuen Aufgaben. Letzterer übernimmt neben der Leitung des Hans Scherer Hauses zusätzlich die Gesamtleitung der Wohnungslosenhilfe des Katholischen Männerfürsorgevereins (KMFV).

Dass der KMFV nicht nur fordert, sondern sich auch selbst engagiert und baulich anpackt, zeigt sich am Quartier Mittenheim. Dort baut der Verein in den kommenden Jahren 420 Wohnungen ( wir berichteten). Die Miete soll maximal 12 Euro betragen. Außerdem will der KMFV das Haus St. Benno ausbauen, in den Obergeschossen 14 neue Räume errichten. Da sieben bisher genutzte Zimmer wegfallen, wären das 64 statt bisher 57.

Der Oberschleißheimer Bauausschuss berät in seiner nächsten Sitzung am Montag, 18. März, über die Anfrage des KMFV.

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