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Passt? Passt nicht. Bei der Kontrolle des Lkw aus Polen stellten die Beamten einen Tempo-Verstoß fest.

Bilanz nach Groß-Kontrolle

Erwischt! Polizei kontrolliert Lastwagen - bei jedem zweiten gibt‘s was zu beanstanden

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Bei einer großangelegten Kontrolle hat die Polizei bei Oberschleißheim Lastwagen unter die Lupe genommen. Die Bilanz: Bei mehr als 50 Prozent gab es etwas zu beanstanden.

Oberschleißheim – Gefragt, ob er nervös sei, zuckt der Fahrer eines polnischen Sattelzuges nur mit den Schultern. Der Mann war soeben auf Höhe der Oberschleißheimer Regattastrecke an den Rand der B 471 gewunken worden. Von Überwachern der Verkehrspolizeiinspektion des Polizeipräsidiums München. Kontrolle. „Passt“, sagt der Pole noch und steigt in einen Kleinbus der Polizei. Dort lesen die Beamten per Computer seinen Fahrtenschreiber aus, mit dem Ergebnis: passt nicht. Der Mann aus Danzig war auf einem Streckenabschnitt zu schnell unterwegs. Doch nicht nur er.

Die Kontrolleure zählten viele Verstöße. Beim „Schwerverkehrskontrolltag Truck und Bus IV“ nahm die Polizei am Mittwoch am Kontrollpunkt B 471 innerhalb von drei Stunden 19 schwere Nutzfahrzeuge genau unter die Lupe – 13 aus Deutschland, fünf aus dem europäischen Ausland und einen von außerhalb der EU. Gestern veröffentlichte die Polizei das Ergebnis ihrer zeitintensiven Überprüfungen: Elf Brummis wurden beanstandet, einige sogar mehrfach. Es gab Verstöße gegen die allgemeine Lenkzeit. Andere Fahrer missachteten, dass sie laut Gesetz alle viereinhalb Stunden eine halbe Stunde Pause einlegen müssen. Weitere Vergehen: mangelhafte Ladung, illegale Beleuchtung, Geschwindigkeitsübertretungen (einer war 23 km/h zu schnell), eine gesplitterte Windschutzscheibe sowie nicht funktionierende Kontrollgeräte. Ein „Kapitän der Landstraße“ hatte gar nicht erst seinen Fahrtenschreiber dabei.

Geahndete Verstöße: „Es ist immer das übliche Bild“

Der Kontrolltag geht auf eine Initiative des europäischen Netzwerks der Verkehrspolizeien (TISPOL) zurück. Die Aktion am Mittwoch war die vierte ihrer Art. Das Ergebnis kommentiert der Leiter der Kontrolle an der Regattastrecke, Björn Schlesinger, wie folgt: „Die Beanstandungsquote lag bei über 50 Prozent. Dabei ist es immer das übliche Bild.“ Sprich: Die Verstöße ähneln sich. Bei Schwerverkehrskontrollen hat die Quote in den vergangenen Jahren immer um die 30 Prozent betragen. „Doch die Anzahl der kontrollierten Lkw ist zu gering, um sich ein globales Bild machen zu können“, so Schlesinger.

Insgesamt begutachteten in Oberschleißheim zehn Beamte die Fahrzeuge. Einer davon war Alexander Dohlich. Auf die Frage, ob denn an den Lastwagen manipuliert wird, um Verstöße zu vertuschen, antwortete er: „Das kommt öfter vor, als man denkt“. Dohlich nennt Beispiele: So werden auf das digitale Kontrollgerät Programme aufgespielt, die die technischen Aufzeichnungen verfälschen. Manche Spediteure würden die Einspritzung von ADBlue (ein Betriebsstoff, den Diesel-Lkw benötigen) zur Abgasreinigung aus Kostengründen deaktivieren. Die Folge: Der Lkw stößt illegal große Mengen Stickoxide aus.

Fahrer und Unternehmer erwarten Bußgelder von bis zu 15.000 Euro

Die Bußgelder, die bei Verstößen fällig werden, sind unterschiedlich hoch. Gravierende Vergehen können in Einzelfällen mit 15 000 Euro zu Buche schlagen. „Bei Manipulationen werden beide bestraft, der Fahrer und der Spediteur“, erklärt Verkehrsüberwacher Danilo Heym. Er gibt aber zu, dass das Schummeln meist vom Chef ausgeht. „Durch die Manipulation erzielt der Unternehmer höhere Gewinne, da er über Lenkzeiten und unzureichende Ruhezeiten hinwegtäuschen kann“, so Heym.

Wie manche Chefs mit ihren Gefährten umgehen, legte die Polizei offen, wie sie ihre Mitarbeiter behandeln, schildert ein griechischer Berufskraftfahrer, während sein Truck an der B 471 kontrolliert wird: „Ich bin seit 1974 auf der Straße. Und ich habe viele, viele Probleme. Für meinen Chef bin ich nur eine Nummer.“

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