Was schlummert hier im Boden? Auf diesem Areal südlich der B 471 plant Oberschleißheim ein Gewerbegebiet. Doch auf dem Nachbargrundstück wurden Schadstoffe gefunden, mit potenziell „krebserregende Eigenschaften“.
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Was schlummert hier im Boden? Auf diesem Areal südlich der B 471 plant Oberschleißheim ein Gewerbegebiet. Doch auf dem Nachbargrundstück wurden Schadstoffe gefunden, mit potenziell „krebserregende Eigenschaften“.

Stoffe mit „krebserregende Eigenschaften“

Schmutzige Überraschung im Untergrund? Probleme mit künftigem Gewerbegebiet

  • Max Wochinger
    VonMax Wochinger
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Oberschleißheim plant ein neues Gewerbegebiet. Im Boden des Geländes könnten aber Schadstoffe liegen. Die müssen unter Umständen abgetragen werden. Davon wusste aber niemand.

Oberschleißheim – Eine Kostensteigerung von knapp 430 000 Euro machte die Abgeordnete Claudia Köhler (Grüne) stutzig. In einer Haushaltsbesprechung im Landtag ging es um das Lehr- und Versuchsgut (LVG) der tierärztlichen Fakultät der LMU. Genauer: um Mehrkosten für die „Entsorgung belasteter Böden“. Im Oberboden des Geländes wurden demnach Schadstoffe gefunden. Der Boden muss nun abgetragen werden. Bei Köhler läuteten die Alarmglocken: Denn die Gemeinde Oberschleißheim plant auf einer 15 Hektar großen Fläche ein Gewerbegebiet – direkt neben dem verseuchten Gebiet. Was, wenn auch dort der Boden verseucht ist?

Laut Bau- und Wohnministerium wurde auf dem Acker des LVG eine „relativ hohe Nitratbelastung“ gefunden. Viel schlimmer: Es wurden auch Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gefunden. Laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmitteltechnik weisen einzelne dieser Stoffe „krebserregende Eigenschaften“ auf, sie entstünden bei Verbrennungsvorgängen. Wie die PAK auf den Acker gelangten, ist unklar.

„Der Freistaat steht in der Verantwortung, ein unbelastetes Gelände zu verkaufen“

In einer schriftlichen Anfrage der Grünen im Landtag ging hervor, dass nicht ausgeschlossen werden könne, dass das Gelände des geplanten Gewerbegebiets mit PAK verseucht ist. „Der Freistaat steht in der Verantwortung, ein unbelastetes Gelände zu verkaufen“, sagt Claudia Köhler. Als Eigentümer der Fläche müsse der Freistaat eine Untersuchung einleiten. Die staatliche Immobilienverwaltung „IMBY“ schiebt den schwarzen Peter jedoch der Kommune zu: „Die baurechtliche Planung obliegt der Gemeinde, insofern darf auf die Planungshoheit der Gemeinde verwiesen werden“, teilt der Staatsbetrieb mit.

Wie aus internen Unterlagen der IMBY hervorgeht, die dem Münchner Merkur vorliegen, wusste der Immobilienverwalter gar nichts von den Schadstoffen auf den Flächen des LVG – trotz der geplanten Boden-Entsorgungsarbeiten. „Erst aufgrund dieser Presseanfrage und der Nachfrage bei der LMU diesbezüglich wurde uns ein Gutachten zur Bodenuntersuchung vom 14.09.2018 übermittelt“, steht in einem internen Schreiben der IMBY. Aufgrund der Unkenntnis über die Schadstoffe auf dem LVG-Gelände war bei der IMBY kein Bodengutachten geplant. Nun hält die Immobilienverwaltung diesen Schritt vor der Wertermittlung zum geplanten Verkauf für „sinnvoll“.

Kauf des Geländes „weit entfernt“

Von einem Kauf des Geländes ist das Rathaus in Oberschleißheim aber noch „weit entfernt“, sagt Bürgermeister Markus Böck (CSU). Die Planungen für das künftige Gewerbegebiet neben dem verseuchten Gelände stünden noch am Anfang. Für einen Kauf sei die Gemeinde finanzielle nicht in der Lage. Es gehe um einen „sehr hohen Millionenbetrag“, sagt Böck.

Im Gemeinderat wurde das Gelände südlich der B 471 als Entwicklungsstandort festgelegt. Es ist Landschaftsschutzgebiet, eine Änderung der Verordnung und des Flächennutzungsplans ist erforderlich. Wann Baustart für das Gewerbegebiet ist, steht noch nicht fest, so Markus Böck.

Der Bürgermeister sieht die Verantwortung für die Untersuchung beim Eigentümer, also beim Freistaat. „Wenn ich etwas kaufen möchte, habe ich zumindest das Recht zu wissen, ob so etwas im Raum steht.“ Den Boden auf dem künftigen Gewerbegebiet sollte man untersuchen.

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