Von Platz 20 auf Platz 5

Der Häufelkönig von Schleißheim: So hat es Johann Negele wieder in den Gemeinderat geschafft

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Er hat‘s wieder geschafft: Johann Negele zieht in den Gemeinderat ein. Dabei stand er nur auf Platz 20 der FW-Liste. Doch er wurde vorgehäufelt. Wieder einmal. Im Interview verrät er sein Geheimnis.

Oberschleißheim – Seit 1990 sitzt Johann Negele (FW) im Oberschleißheimer Gemeinderat. In den zurückliegenden 30 Jahren erwarb sich der heute 75-Jährige den Ruf, bei Abstimmungen für die ein oder andere Überraschung gut zu sein. Negele ist keiner, der wortreiche Debatten führt. Erhebt er aber seine Stimme, gehen mitunter Angehörige der eigenen Fraktion in Deckung. Im Interview spricht er über seine überraschende Wiederwahl und verrät, wie er es immer wieder anstellt, ins Gremium zu rücken.

Herr Negele, Sie gelten als Häufelkönig. Schon im ersten Anlauf 1990 sprangen Sie von 17 auf 5. Jetzt sogar von 20 auf fünf. Nicht übel! Womit erklären Sie sich Ihre Beliebtheit?

Zunächst mal bin ich im Ort aufgewachsen, bin fest verwurzelt und mit Vereinen verbunden. Dadurch, dass ich schon immer einen Hof führe, komme ich mit den Leuten ins Gespräch. Jemand, der morgens zur Arbeit fährt, abends heim kommt, kann das nicht leisten. Der persönliche Kontakt, enge Freundschaften, das gehört aber dazu.

2011 wollten Sie aus dem Gemeinderat ausscheiden. Es gibt Leute, die werfen Ihnen taktische Spielchen vor. Immerhin sind Sie seitdem zwei Mal klar wieder gewählt worden. Was war damals los mit Ihnen?

Ich war vom Gemeinderat enttäuscht, frustriert, die Motivation ging mir flöten. Mit Taktik hat das nichts zu tun. Ich war 20 Jahre dabei und wollte Jüngeren Platz machen. Ohne „wichtige Gründe“, wie Krankheit, Umzug, berufliche Verpflichtungen, war es aber nicht möglich, auszuscheiden. Ich blieb.

Zähneknirschend?

Ein bisschen vielleicht. Inzwischen ist die Gemeindeordnung geändert. „Wichtige Gründe“ braucht es nicht mehr. Ans Aufgeben denk ich aber nicht mehr. Wenn die Leute mich so weit vorhäufeln, darf ich doch nicht kneifen. Ich spüre eine Verpflichtung, einen Beweis großen Vertrauens.

Sie häufeln immer wieder in ungeahnte Höhen. Trotzdem setzt man Sie auf die 20. Eiskaltes Kalkül, weil der Ortsverband ohnehin mit einem Erfolg Ihrerseits rechnet?

Ob Sie es glauben oder nicht – ich selbst wollte auf Listenplatz 20. Nach wie vor denke ich, dass es irgendwann an der Zeit ist, Jüngeren den Vortritt zu lassen. Dass ich auf der 5 gelandet bin, hat mich am meisten überrascht. Ich meine, von 20 auf 5 – wer rechnet denn mit so was?

Sie gelten als einer, der nicht mit dem Strom schwimmt. Der große Schweiger der Fraktion, einer, den, wenn er den Mund aufmacht, Fraktionszwang und dergleichen nicht scheren.

Schon klar, man ist nicht immer einer Meinung. Fraktionszwang aber gibt es bei uns nicht. Unter uns, es ist nicht leicht, den eigenen Chef zu kritisieren. Wenn es aber angebracht ist...

Seit Jahren will die Gemeinde ihren Hof im Moosweg mit Wohnraum überplanen. Kommunalpolitikern sagt man gern nach, eigener Interessen wegen im Plenum zu sitzen. Gilt das auch für Sie?

Hören Sie, dann hätte ich das ganze Theater doch genutzt, um den Wert meines Hofs in die Höhe zu treiben. Ich will aber nicht mehr als meinen Frieden. Dann lasse ich die Anderen auch in Ruhe. Eine grüne Insel zwischen Wohnhäusern, das wäre doch ideal, oder? Wir haben Hühner und Gänse. Gibt es was Schöneres?

Rubriklistenbild: © dpa / Jan Woitas

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