Wegen Bauarbeiten geschlossen: Seit sechseinhalb Jahren ist die Schlosswirtschaft schon dicht.
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Wegen Bauarbeiten geschlossen: Seit sechseinhalb Jahren ist die Schlosswirtschaft schon dicht. Nach einer weiteren Finanzspritze soll die historische Gaststätte im kommenden Jahr fertiggestellt werden.

Grüne wittern Steuergeld-Verschwendung

Millionenloch Schlosswirtschaft: Seit 2014 geschlossen - so geht es mit dem Lokal weiter

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Seit sechseinhalb Jahren ist die Schlosswirtschaft in Oberschleißheim geschlossen. Sie wird saniert. Noch immer. Die Grünen bemängeln nun Verschwendung von Steuergeldern.

Oberschleißheim – Wer mal wieder Biergarten-Feeling in der Schlosswirtschaft spüren möchte, der muss ins Museum gehen. Im Münchner Lenbachhaus steht ein Gemälde von Franz Quaglio. Es zeigt biertrinkende Männer, Frauen in langen Kleidern und Kartenspieler vor der Gaststätte in Oberschleißheim. Das war 1874. Heute, knapp 150 Jahre später, ist die Schlosswirtschaft eine Baustelle. Immer noch. Das letzte Bier floss hier im Oktober 2014 aus dem Zapfhahn. Der Ärger über die Verzögerung wird immer größer.

Die Schlosswirtschaft gehört der Bayerischen Schlösserverwaltung. Die Gaststätte musste laut der Behörde grundlegend saniert werden: Der Gästebereich wird zusammengelegt, der Küchenhof nach Süd-Westen verlegt, die Biergartenschänke wird neugebaut und die ehemaligen Schrebergärten im Westen werden zu einer Grünanlage umgewandelt.

Almhütte schon abgebaut

Derzeit würden die Instandsetzungsarbeiten an den historischen Dachstühlen und Leitungsinstallationen im Untergrund laufen, schreibt die Schlösserverwaltung auf Nachfrage. Das neue Biergartengebäude ist im Rohbau errichtet, Arbeiten an den Fassaden und der Innenausbau einschließlich der Technik hätten begonnen.

Die Bauarbeiten begannen ursprünglich im Oktober 2019, obwohl die Schlosswirtschaft schon seit 2014 geschlossen ist. Provisorisch wurde bis vergangenen November eine bewirtete „Almhütte“ aufgestellt. Grund für den späten Baustart seien mehrere Vergabeverfahren, Planungsarbeiten und die Haushaltsbeteiligung des Landtags, teilt die Schlösserverwaltung mit.

Beliebte Almhütte: Arbeiter bauen Holzelemente auf dem ehemaligen Biergarten ab.

„Mir ist es nicht verständlich, warum die Arbeiten so lange dauern“, sagt Oberschleißheims Bürgermeister Markus Böck (CSU). „Klar“, es sei ein altes Gebäude, die Verzögerungen seien aber „sehr unbefriedigend“. Markus Büchler, der Oberschleißheimer Landtagsabgeordneter der Grünen, fordert, die Sanierung endlich fertigzustellen. „Die Schlosswirtschaft ist ein typisches Beispiel dafür, wie der Freistaat wirtschaftet: Es wird ein Haufen Geld verbrannt“, moniert Büchler. Für die Sanierungsarbeiten hat der Landtag im Juli 2018 10,3 Millionen Euro genehmigt. In den vergangenen Jahren sind die Kosten um über zwei Millionen Euro gestiegen. Der Landtag hatte deswegen im vergangenen Dezember weitere 2,4 Millionen Euro nachgepumpt.

Die haushaltspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Claudia Köhler, kritisiert: „Hätte man rechtzeitig gehandelt und die Maßnahmen nicht auf die lange Bank geschoben, wären sicher nicht so hohe Nachtragskosten entstanden“. Jeder wisse, dass bei jahrelanger Verzögerung von Baumaßnahmen die Kosten steigen. Hinzu kämen die Ausfälle der Pachteinnahmen, ergänzt Markus Büchler. Die Schlösserverwaltung schreibt dazu: „Die gestiegenen Kosten sind zum einen durch Lohn- und Materialpreissteigerungen und zum anderen durch baulich bedingte Massen- und Ausführungsänderungen zustande gekommen“.

Das sind die Gründe für die Verzögerung

Bei bauarchäologischen Grabungen sei man auf Fundamentmauern des Vorgängerbaus gestoßen, „die vorher nur teilweise bekannt waren“, so die Behörde. Die historischen Zeugnisse hätten die Planungen und Baumaßnahmen erschwert. Die Installation etwa habe verlegt werden müssen.

Zudem habe es „nicht planbare Mehrkosten“ gegeben: Flachgründungen, Bauwerksabdichtung, Außentüren und Fenster – die Liste ist lang. Bauarbeiter hätten außerdem schädliche Altlasten wie Asbest, kontaminierten Bauschutt und künstliche Mineralfasern entsorgen müssen.

Den grünen Landtagspolitikern stößt die Verzögerung auf – auch im Kontext der Pandemie: „Schloss Schleißheim ist ein beliebtes Ausflugsziel in der Umgebung und wäre nicht zuletzt im Corona-Sommer vonnöten gewesen“, sagt Büchler.

Bürgermeister, mögliche Pächter, Landtagspolitiker und Bürger – alle hoffen auf eine baldige Öffnung der Gaststätte. Etwas gedulden müssen sie sich aber noch. „Die Fertigstellung der Baumaßnahme ist für das Frühjahr 2022 beabsichtigt“, teilt die Schlösserverwaltung mit. Inwieweit sich die Pandemie auf den weiteren Ablauf auswirken wird, sei noch nicht absehbar. Kommt es zu weiteren Verzögerungen, gibt es ja immer noch das Gemälde im Lenbachhaus in München.

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