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„Voll im Durchschnitt“: Die Sensoren verzeichnen im Körper von Thomas Schreder keine bedenkliche Menge Cäsium-137.

Belastung durch Reaktorkatastrophe von Tschernobyl

Radioaktivität im Wild: Neue Studie untersucht, wie  verstrahlt Bayerns Jäger sind

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Mehr als 30 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sitzt radioaktive Strahlung noch im bayerischen Boden. Forscher untersuchen nun Jäger nach Cäsium-137. Ein Besuch im Labor

NeuherbergThomas Schreder hat es sich auf einer schlichten, beigen Liege bequem gemacht. Das Kellerkabuff um ihn herum misst gut zwei auf anderthalb Meter. Und auf Brust und Beine des 53-jährigen Jägers richten sich Metallröhren, die ein bisschen wie Laserkanonen aus einem Science-Fiction-Streifen aussehen. Es ist eng, und Schreder strahlt. Es bleibt ihm auch gar nichts anderes übrig. Das beweisen die Röhren, die in Wirklichkeit Detektoren sind. Sie messen radioaktive Strahlung im menschlichen Körper.

Die Anlage steht im Keller des Bundesamts für Strahlenschutz in Neuherberg bei Oberschleißheim. Die dortige Messstelle sucht derzeit Jäger als Probanden, um herauszufinden, wie sich der Verzehr von Wildfleisch auf die Radioaktivität im Körper auswirkt. Schreder, Erdinger und Sprecher des Bayerischen Jagdverbands (BJV), ist die ideale Testperson. Egal ob Wildschwein, Hase oder Reh, ob als Lasagne, Steak oder Ragout: „Ich esse mehr Wild als gekauftes Fleisch“, sagt er.

Jäger-Studie: „Ab und zu schläft jemand ein“

Zwanzig Minuten lang besteht Schreders Welt aus dem Sirren der Aggregate, die die Messgeräte auf minus 160 Grad Celsius herunterkühlen – und den Radionachrichten, die er sich zur Berieselung gewünscht hat. Über der Liege klebt ein Kalenderblatt mit einem Naturpanorama an der Decke der Messkammer. Ein bisschen was Nettes zum Anschauen für den Probanden. „Ab und zu schläft auch jemand ein“, sagt Messstellen-Mitarbeiterin Elke Kleiner, während sie die Geräte um Schreder noch ein letztes Mal justiert.

Dann kommt Oliver Meisenberg ins Spiel. Eine Tür weiter, außerhalb der isolierten Kammer, beäugt der Chef der Messanlage die gezackte weiße Linie auf seinem Computerbildschirm abzeichnet. „Da ist ein Peak“, sagt Meisenberg und deutet auf einen prominenten Zacken. „Aber das ist ganz normal. Kalium-40 finden wir bei jedem.“ Das Element gelangt unvermeidlich über Lebensmittel in den Körper, aber nicht in gesundheitsrelevanter Dosis.

Nicht so gefährlich wie es aussieht: Die Schilder vor dem Labor weisen darauf hin, dass zum Einstellen der Sensoren radioaktive Stoffe verwendet werden. Im normalen Messbetrieb strahlt nur der Proband – wenn überhaupt.

Es ist ein anderes Radioisotop, nach dem Meisenberg in Thomas Schreders Körper fahndet: Cäsium-137. Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl verteilte der Wind das Uran-Zerfallsprodukt in ganz Mittel-, Nord- und Osteuropa. Seine Halbwertszeit von rund 30 Jahren hat zur Folge, dass sich die Strahlung bis heute im Boden hält. Und dass besonders Wildschweinfleisch deshalb immer wieder den Strahlungs-Grenzwert von 600 Becquerel überschreitet und deshalb nicht als Lebensmittel gehandelt werden darf. Der Grenzwert ist bewusst niedrig gewählt, erklärt der Forscher, damit auch Menschen, die viele belastete Lebensmittel wie Wildfleisch, Pilze oder Wildheidelbeeren essen, keinem Risiko ausgesetzt sind. Im menschlichen Körper beträgt die Halbwertszeit von Cäsium-137 gut 100 Tage, da es wieder ausgeschieden werden kann.

„Wäre schade drum“: Jäger isst Fleisch mit zu hohem Grenzwert

So mancher Jäger nimmt es mit dem Grenzwert nicht so genau. Meisenberg berichtet von einer Testperson, die ihr gejagtes Fleisch aus dem Ebersberger Forst selber isst, wenn es den Grenzwert übersteigt – „es wäre ja schade um das Fleisch“. Das Resultat: ein Messergebnis von 1050 Becquerel. Zwar auch noch nicht gesundheitsgefährdend, aber viel, viel mehr als bei allen anderen Messpersonen: Der Durchschnitt liegt ungefähr bei 30 Becquerel. Und nur bei jedem vierten Probanden misst Meisenberg überhaupt Cäsium-137 im Körper.

Die Messergebnisse bekommt Oliver Meisenberg vom Bundesamt für Strahlenschutz unmittelbar auf seinem Computer angezeigt. Die meisten Probanden zeigen unauffällige Werte.

Auch bei Thomas Schreder. Die zwanzig Minuten unter den Sensoren hat der Jäger überstanden. Hat nicht wehgetan. „Ich bin ja froh, dass mal nichts in mich reingestrahlt hat, sondern es andersrum war“, sagt er. Aber gespannt auf sein Ergebnis ist er jetzt schon. „27 Becquerel“, sagt Meisenberg. „Voll im Durchschnitt.“ Der Proband nickt beruhigt. Ohnehin sei Wildschweinfleisch dank des zweiten Mastjahrs in Folge weniger belastet als früher, weil die Tiere genügend Ernährungsalternativen zu den belasteten Pilzen hätten – Eicheln und Bucheckern zum Beispiel.

Nur etwas mehr als ein Dutzend Jäger hat sich bisher getraut, an der Studie teilzunehmen. Vielleicht befürchten manche, es könnte herauskommen, dass Wildfleisch schädlich ist. „Wir zeigen eigentlich das Gegenteil“, sagt Meisenberg. „Ich würde es jedem raten, der Interesse an seinem Körper und den Folgen seiner Ernährung hat“, sagt Jäger-Sprecher Schreder. Und er strahlt.

Die Teilnahme an der Studie ist für Jäger kostenlos und dauert gut eine halbe Stunde. Anschließend erfahren die Teilnehmer direkt ihr Ergebnis. Kontakt: Oliver Meisenberg, Tel. 030/183 33 24 32 oder E-Mail ikm-neuherberg@bfs.de.

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